Aber hallo!

Wo früher Kettenraucher qualmten, hat nun das kleine, unaufgeregte Lokal “Bonjour Vietnam” eröffnet. Es gibt sich nicht so elegant wie die üblichen asiatischen Restaurants der Stadt, ist deswegen aber auch nicht so teuer. Und extrem schmackhaft.

Die Bar Namenlos ist in die Münchner Stadtgeschichte eingegangen. Schließlich war die Kneipe am 1. August 2010 das erste Lokal, das nach dem Beginn des strikten Rauchverbots in Bayern aufgab und dichtmachte. Kurz danach hat ein neuer Wirt die Räumlichkeiten in der Fallmerayerstraße 28 bezogen.

Und so riecht es nicht mehr nach Rauch sondern etwas nach Fett. Während früher fast ausschließlich Bier ausgeschenkt wurde, steht jetzt auch Wein und grüner Tee auf den Tischen. Und um 5 Uhr in der Früh sitzt hier nun niemand mehr – denn im kleinen, unaufgeregten Restaurant Bonjour Vietnam , das Anfang Juni hier eröffnet hat, ist schon gegen 23 Uhr Feierabend.

Das Bonjour Vietnam wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Restaurant und Imbiss. Die Buddha-Statuen und bunten Bilder könnten auch in einem teuren Lokal stehen, der kalte Fliesenboden und die schlichten Möbel erinnern eher an einen Asia-Snack. Und auch die Preise sind in der Mitte angesiedelt. Die meisten Hauptgerichte kosten zwischen 9 und 13 Euro – und sind damit zwar teurer als die 5-Euro-Gerichte eines Schnellimbisses, aber deutlich billiger als in den einschlägigen asiatischen Restaurants der Stadt. Und: nicht weniger schmackhaft.

Die Glücksrollen Goi Cuon (4,50 Euro), die wir als Vorspeise wählen, sind hauchdünn gewickelt. Dies hat zur Folge, dass sie beim Essen leicht auseinanderfallen, aber auch, dass der frische Geschmack der eingewickelten Krabben, das Hühnchen, die Karottenscheiben, Sojasprossen und Salat gut zu Geltung kommt. Die Kokossuppe mit Hühnchen ( Ga Nau Cot Dua , 3,90 Euro) ist ordentlich scharf, einfach wunderbar. Jeder Löffel ist ein Geschmackserlebnis – und zudem ist die Portion auch recht großzügig. Neben dem Hühnchen schwimmen hier auch so einige Champignons.

Nach der Vorspeise bleiben einige Minuten, um sich zu unterhalten und den ein oder anderen Schluck von dem – für unseren Geschmack – ein wenig zu schwerem Chardonnay zu nehmen (großzügig eingeschänkte 0,2 Liter für 3,90 Euro). Dann wird die Hauptspeise gereicht.

Das Garnelen-Curry ( Tom Cary , 14,90 Euro), das in der Speisekarte als scharf gekennzeichnet war, entpuppt sich als überraschend mild. Dies könnte allerdings auch nur in unserem Fall so gewesen sein, da wir bei der Bestellung besorgt nachgefragt haben, wie scharf “scharf” bedeutet. Egal, wir freuen uns darüber. Das Curry zergeht auf den Lippen. Doch ausgerechnet die Garnelen enttäuschen ein wenig, knackig schmeckt anders.

Beim nächsten Besuch werden wir ein Fleisch- oder Tofucurry probieren. Zur Auswahl stehen dabei so einige. Die Speisekarte ist so dick, dass sie auch in der Romanabteilung eines Buchhändlers ausgelegt werden könnte. Es gibt die klassischen asiatischen Gerichte, aber auch weniger bekannte Speisen wie ein Reisgericht mit Frühlingsrollen und Salatdressing. Auch die Auswahl an vegetarischen Speisen ist reichhaltig. Die Speisekarte erheitert auch, weil sie mit ein paar amüsanten Fehlern in der deutschen Übersetzung gespickt ist. Glücksrollen heißen im Bonjour Vietnam beispielsweise Glückroller.

Unser zweites Hauptgericht – die Ente Kanton Art ( Vit Thap Cam , 12,50 Euro) – ist genauso knusprig, wie es die Speisekarte verspricht. Das Gericht ist sehr üppig. Wer den Teller leer isst, sollte darauf achten, dass er nicht am nächsten Tag einen Termin beim Arzt zum Cholesterin-Check vereinbart hat. Das zum Teil recht fette Federvieh könnte die Werte verfälschen.

Benannt ist das Lokal nach dem Lied “Bonjour Vietnam”, in der Speisekarte ist der romantische Songtext abgedruckt. Der Name spielt allerdings auch darauf an, dass Vietnam bei deutschen Urlaubern immer beliebter wird. Deswegen heißt es in der Karte: Man wolle all jene ansprechen, die in den Ferien Geschmack an dem Land gefunden habe und erneut “Bonjour”, also Guten Tag, sagen wollen.

Und davon gibt es in München offenbar einige. Immer mehr vietnamesische Restaurants sprießen aus dem Boden und machen den thailändischen und japanischen Lokalen den Rang streitig. Und auch das Bonjour Vietnam ist bereits gut gefüllt. Dass das Bonjour Vietnam wie das Vorgängerlokal Namenlos in die Stadtgeschichte eingeht, scheint somit gar nicht so unwahrscheinlich.

Bonjour Vietnam, Fallmerayerstraße. 28, 80798 München, Telefon: 089 / 28788978, info@bonjourvietnam.de, www.thaitai.de, geöffnet täglich von 11.30 bis 14.30 und 17.30 Uhr bis 23 Uhr