Wer von den bunten Facetten asiatischer Aromen möglichst viele an einem Abend genießen will, ist im LeDu genau richtig.

Alle Farben Asiens

Im Restaurant LeDu kommen die Speisen in überraschender Abfolge auf den Tisch. Verführerisch sind nicht nur Vielfalt und Qualität, sondern auch die Optik der Gerichte.

Zwei? Drei? Ab wie vielen Filialen gilt man in der Gastronomie eigentlich als Kette? Unter der Marke LeDu firmieren in München bereits fünf Lokale, zwei Restaurants und drei Imbisse – was, das sei gleich gesagt, kein Schaden ist. Wir besuchten die recht neue Niederlassung an der Klenzestraße. Dim-Sum heißt das Konzept, viele verstehen darunter ja vor allem gedämpfte Teigtäschchen, wie man sie auch zum Selberdämpfen im Asienshop bekommt. Tatsächlich umfasst der Begriff ein viel weiter reichendes kulinarisches Universum, vergleichbar mit dem Variantenreichtum spanischer Tapas.

Dass beileibe nicht alles mit Teig ummantelt ist, was sich Dim-Sum nennt, beweist das LeDu auf erfreuliche, ja geradezu berauschend vielfältige Weise. Wer von den bunten Facetten asiatischer Aromen möglichst viele an einem Abend genießen will, ist hier genau richtig. Die Speisekarte wirkt zwar auf den ersten Blick eher amerikanisch. Mit einem Stift sind auf einem DIN-A3-großen Zettel vier Gerichte pro Gast anzukreuzen, pro Person macht das 23,90 Euro. Hungrige können selbstverständlich einzelne Teller nachbestellen. Doch gemach. Wir fühlten uns mit je vier Gängen angenehm gesättigt und zugleich, Asien sei dank, nicht überfüllt.

Schon das Bestellen macht einen Abend im LeDu zum Sozialereignis: Wer bestellt was, damit es nicht lauter Überschneidungen gibt? Du die Beef-Dumplings gebraten, ich gedämpft, und wir teilen dann? Perfekt. Das Dutzende Speisen umfassende Angebot, darunter die Kategorien Salate, Suppen, Dumplings, Specials, Frittiertes, Gegrilltes und Gedämpftes, stellt auch geübte Restauranttester vor ungewohnte Aufgaben: Welches der Gerichte war am Ende eigentlich welches? Zudem allein die Unterkategorie “Dumplings” in allen Farben des Spektrums leuchtet, manche bordeauxrot, manche lindgrün.

Auch kommen die Speisen in undurchschaubarer Folge auf den Tisch, mal eine, Pause, dann drei auf einmal, Pause, dann wieder zwei und so weiter. Wer lieber einen großen Teller mit Fleisch, Gemüse und Sättigungsbeilage vor sich hat, könnte im LeDu ungeduldig werden. Wer aber gerne überrascht wird, über den Abend hinweg ständig Neues erlebt und mit anderen teilt, hat mit Dim-Sum viel Spaß.

Wir erlebten bei drei Besuchen und insgesamt mehr als zwei Dutzend probierten Varianten keinen einzigen Reinfall. Dies gesagt, fanden wir manches durchaus Aufregender als anderes. Unter den Salaten zum Beispiel schmeckte der Shirataki-Nudelsalat, trotz etwas tückischer Schärfe, aromatischer als der mit Entenbruststücken. Eine besondere Empfehlung sind generell die “Specials”, bei denen unter anderem mit dunkel-rauchiger Schwarzbohnensauce versehene Rinderstreifchen eigenhändig in kleine Teigfladen einzuwickeln sind. Ebenfalls tiefe Einblicke in die Aromen chinesischer Küche bietet Chao Shou, in dunkelbrauner, aber erfrischend schmeckender Pfeffer-Chili-Sauce getauchte filigran befüllte Wan Tan-Täschchen mit Sojasprossen. Völlig anders dargereicht, aber hoch spannend schmeckend fanden wir gegrillte Kalmarstücke nach Sezuan-Art. Dass nicht nur Schärfe Geschmack garantiert, zeigten uns deftige Schweinerippchen in fruchtig-dunkler Zitronengras-Aprikosensauce.

Auch ist es problemlos möglich, sich vegetarisch durch das Dim-Sum-Universum zu bewegen. Ein Trio aus Lotuswurzel, Aubergine und Enokpilzen war wie japanisches Tempura frittiert, außen knusprig, innen zart und geschmackswahrend. Mit etwas Übung stellten wir fest, dass manche Speisen in der fleischhaltigen Version, ja, etwas gehaltvoller wirken, so zum Beispiel übertraf unter den Schao-Mai-Dumplings die Garnelen-Hackfleisch-Variante die vegetarische mit Klebereis und Sojasprossen. In anderen Fällen jedoch vermissen auch bekennende Carnivoren keine Sekunde lang das Tierisch, zum Beispiel in den Dumplings mit Sojamedallion, Spinat, Glasnudeln und Morcheln. Letzteres, wir erwähnten es eingangs, erstaunte zudem mit tiefgrüner Teighülle.

Selbstverständlich, denn es geht ja um Geschmacksfragen, kam es auch zu Uneinigkeit am Tisch. Gedämpfte Sepien in Curry-Sauce zum Beispiel fand der eine Gast vergleichsweise langweilig, jemand anderes sah diesen Indien-Zwischenstopp als willkommene Abwechslung. Nur eines gab es bei unseren Besuchen nicht: eine Enttäuschung. Wie eine Küche die mehr als 75 gelisteten Speisen in dieser Vielfalt, und Qualität, mit ständig anderen Tellerchen, Saucen, Körbchen und Garnierungen, zeitnah unter die Gäste bringt, bleibt ihr logistisches Geheimnis.

Als kleinen Minuspunkt empfanden wir den gebietsweise etwas dunklen Gastraum. Auch die Barhocker an einigen der Hochtische sind fünf Zentimeter zu niedrig. Aber spätestens wenn zu einem Glas Sauvignon die ersten Dumpling mit Shitakepilzen und Spitzkohl auf den Tisch kommen, kündigt sich ein schöner Abend an.