Alles andere als bieder

Mit 15 Monaten Verspätung hat die Bar Herzog Ende Dezember eröffnet. Jetzt aber geht das Konzept auf.

Jetzt ist alles fertig. Endlich. Und Lukas Motejzik ist erleichtert. Zusammen mit Maximilian Gradl und weiteren Teilhabern betreibt er die neue Bar Herzog, die Ende Dezember in der Maxburgstraße eröffnet hat. Soweit klingt das nach nichts Besonderem. Aber sowohl die Bar als ihre Genese sind auch für Münchner Verhältnisse doch einigermaßen ungewöhnlich.

Drinnen erwartet den Gast ein hochmoderner Raum, der sehr geschmackvoll und stylisch gestaltet ist. Dunkle Wände, viel Holz und Messing sorgen tagsüber wie abends für ein angenehmes Ambiente, das nicht zu cool und komponiert wirkt, aber auch alles andere als bieder ist. Wie viele neue Bars in München ist das Lokal auch gleichzeitig ein Restaurant, das mit einer abwechslungsreichen und internationalen Küche punkten will – und glücklicherweise durch eine Vitrine vom Barraum abgetrennt ist.

Die Macher haben sich auch sonst viel bei der Gestaltung des Herzog gedacht. So sind die Arbeitsabläufe am Tresen optimiert. Cola, Tonic Water und eine naturtrübe Zitronenlimonade, von denen das Herzog eigene Kreationen herstellen lässt, kommen nicht aus der Flasche, sondern direkt aus einem Zapfhahn. Das spart Leergut und Lieferwege. Und auch die Anordnung der Bar-Utensilien ist so durchdacht worden, dass die Keeper sich möglichst aufdas Wesentliche konzentrieren können: das Mixen der Drinks.

Lukas Motejzik ist als kreativer Kopf der Bar Zephyr in der Baaderstraße bekannt. Und als solcher legte er schon immer Wert auf stets neue und interessante Cocktailkreationen. Dieses gilt auch im Herzog, das im Vergleich zum Zephyr einen Vorteil hat: Hier gibt es eine Küche, in der sie auch Zutaten für die Cocktails herstellen können.

Weil das heutzutage nicht mehr anders zu gehen scheint, gibt es auch im Herzog sogenannte Signature-Drinks, also Mixturen, die in dieser Zusammensetzung nirgendwo anders ausgeschenkt werden. So gibt es – um nur ein Beispiel zu nennen – den “Overnight”, einen fruchtig-herben Drink mit Schlehen-Gin und Bourbon (zwölf Euro), der stilbewusst in einem speziell gestalteten schwarzen Glas serviert wird. Das sieht nicht nur gut aus – das bringt auch die Geschmacksnerven auf Touren. Außerdem sind noch diverse Slushy-Cocktails im Angebot, also Drinks aus zerstoßenem Eis, die sich aber von der üblichen Frozen-Margarita unterscheiden sollen.

Eine weitere Besonderheit sind die “To-Share-Cocktails”, die in großen Gebinden serviert werden und von denen sich ein ganzer Tisch bedienen kann. Dazu gehört etwa der Pimm’s Cup für 45 Euro, ein alter Klassiker aus England , der auch hierzulande immer beliebter wird. Und wer sich einfach nur ein Radler bestellt, bekommt dies im geeisten Steinkrug – auch im Winter.

Selbstverständlich gibt es auch die üblichen Standard-Drinks und etwas zu essen. Während im Restaurant mittags Business-Lunch und abends Menüs ab drei Gängen serviert werden (Restaurantleiter ist Michael Blanz, der unter anderem schon im Königshof gearbeitet hat), gibt es in der Bar auch Kleinigkeiten, die sich vom 08/15-Barfood unterscheiden sollen. Das kann ein Pulled-Pork-Sandwich sein mit hausgeräuchertem Fleisch oder andere Snacks, die sich am ehesten wohl als internationale Tapas beschreiben lassen. So nennen sie es zumindest im Herzog selbst.

Und sie sagen auch, dass sie Wert auf Qualität legen – stimmt, lautet der erste Eindruck. Die Auswahl an Drinks, die Zutaten, das Personal, alles passt soweit. Dass die Bar mit geschlagenen 15 Monaten Verspätung aufgemacht hat, dürfte bald vergessen sein. Der eigentliche Eröffnungstermin war Oktober 2014, dann stellte sich heraus, dass das Haus asbestverseucht war.

Die Sanierung zog sich so lange hin, weil der Freistaat Bayern als Eigentümer jedes Gewerk einzeln ausschreiben musste. Doch nun kann das Konzept aufgehen. Die ersten Tage seien schon recht erfolgreich verlaufen, sagen Motejzik und Blanz. Und wie es aussieht, könnte das Herzog sich mit seinem Konzept durchaus im Münchner Nachtleben etablieren. Auch die Sixties- und Seventies-Musik, die ein DJ donnerstags bis samstags dort auflegt, wird ihre dauerhaften Fans finden, ebenso wie die große Terrasse mit rund 100 Plätzen, die im Frühjahr eröffnet wird.