Alt, aber immer noch sexy

Das Vivo konserviert das Lebensgefühl des linksalternativen Haidhausen der Achtzigerjahre. Im Kühlschrank am Eingang lagern bis zu 30 Biersorten.

Wenn ein Münchner Lokal in die Jahre kommt und trotzdem immer noch so sexy ist, dass es sich dank seines Publikums immer wieder selbst verjüngt, dann muss es schon etwas ganz Besonderes sein. Das mag einerseits auf das Schumann’s zutreffen. Auf der anderen Seite gibt es eine Kneipe, die nicht minder angesagt ist, obwohl dort sicherlich kein Schumann-Jünger zu finden ist.

Wer im Vivo etwa unbedingt eine geraspelte Gurke in seinen Gin haben will, um einen hippen Munich Mule zu genießen, bekommt schon mal den Hinweis, man könne sich gerne einen Gurkensalat bestellen. Im Ernst: Das Vivo zeichnet aus, dass es sich nicht anbiedert an den Zeitgeist, sondern selbst Zeitgeist ist. Kein Wunder, bei dem Alter.

1998 zogen die Betreiber der Neuen Heimat von der Metzstraße in Haidhausen , wo zwölf Jahre lang trotz Billigbier gute Stimmung zu Hause war, um die Ecke in die Lothringer Straße 11. Dort war bis dahin das mindestens ebenso legendäre Café Größenwahn beheimatet. Das Vivo, wie es seither heißt, konserviert das Lebensgefühl des linksalternativen Haidhausen der Achtzigerjahre mit einer liebenswerten Patina – in Form von uralten Graffiti auf den Toiletten und Getränketipps auf der langen Kreidetafel unter der Decke.

Da gibt es Heidelbeer-Limes, fünf Stamperl für 7,50 Euro – das Angebot gibt es auch mit Aprikosen-Limes. Auf der Karte stehen fünf Tequila-Sorten, sechs Variationen Wodka oder Vodka, Variationen von Gin (klar, auch den Münchner “The Duke” für 3,50 Euro), diverse Sorten Rum und Malt. Aber die meisten Gäste, und nicht nur die mit dem Vivo gealterten Stammgäste, kommen auf ein Bier vorbei.

Und davon gibt es von jeher reichlich. Seit der Eröffnung vor 18 Jahren steht am Eingang ein großer Kühlschrank mit Glastür, wo bis zu 30 Biersorten lagern. Neben den Klassikern von Augustiner (Hell 3,40) und Tegernseer zum gleichen Preis gibt es auch was für Freunde des Nordens: Astra und Flens (je 3,50).

Fußball-Spiele auf der Leinwand und beim Kickern

Unter den alten Lüstern wird aber nicht nur zum Bier geratscht, es geht manchmal durchaus sportlich zu: In der Ecke steht ein Kicker, der manchmal stundenlang belegt ist. Für Passivsportler werden die Bundesliga, die Champions-League-Spiele des FC Bayern , der DFB-Pokal und Länderspiele auf Leinwand übertragen.

Wer an wichtigen Spieltagen partout kein Fußball in der Kneipe sehen will, sollte dann das Vivo eher meiden oder sich draußen auf der Lothringer Straße an einem der Tische gemütlich machen. Dort kommen, wenn genügend Zeit ist, auch die Wirte Margarete (Maggy) Bachmaier und Sebastian (Basti) Roltsch auf einen Ratsch raus. Der langjährige Mitbetreiber Stephan Ludwig hat sich mittlerweile offiziell zurückgezogen. Aber hinterm Tresen steht er trotzdem gelegentlich. Vom Vivo kommt man offenbar nicht mehr los.