Am Katzentisch

Ein Tässchen Kaffee, dazu eine Katze, bitte: In Wien hat Thomas Leidner ein Café entdeckt, in dem Gäste Haustiere streicheln dürfen. In München hat er dessen Pendant eröffnet, den “Katzentempel”. Hier kann man mit Vierbeinern kuscheln – aber nur, bis die genug haben.

Besser kann man es eigentlich kaum treffen: 160 Quadratmeter mitten in der Maxvorstadt, nobel eingerichtet – und die Miete zahlt ein anderer. Gizmo, Ayla, Jack und Balou haben ein wirklich schönes Zuhause gefunden für ihre kleine Wohngemeinschaft. Und das verdanken sie Thomas Leidner. Der 30-Jährige hatte nach fünf Jahren als Investmentbanker die Schnauze voll von seinem Beruf, aus “ethischen Gründen”, wie er sagt. Und weil er schon immer etwas mit Tieren machen wollte, hat er nun in der Türkenstraße 29 das erste Katzencafé Deutschlands eröffnet: das neue Heim der Rassekatzen Gizmo, Ayla, Jack und Balou.

Das Konzept der Katzencafés stammt aus Japan, Thomas Leidner will von diesem Vorbild aber eigentlich gar nichts wissen. Die Leute in Japan zahlen ein paar Euro Eintritt, um überhaupt in die Cafés zu gelangen. Dann bestellen sie etwas zu essen oder zu trinken und bekommen eine Katze in den Schoss gesetzt. “Japaner arbeiten total hart, für die ist das nach einem anstrengenden Tag ein bisschen Entspannung”, sagt Leidner.

Niemand muss Eintritt zahlen

Der Haken an der Sache: Für die Katzen ist es weniger Entspannung, wenn sie mehr oder minder dazu getrieben werden, alle 30 Minuten bei einem anderen Gast zu hocken und sich streicheln zu lassen. Im “Katzentempel” in der Türkenstraße läuft das Geschäftskonzept deshalb grundlegend anders: Niemand muss Eintritt zahlen. Leidners Katzen haben einen eigenen Raum, zu dem der Zutritt für Gäste verboten ist, außerdem gibt es jede Menge Liegeflächen hoch oben an der Wand, an die Menschen nicht hinkommen. Dorthin können die Tiere klettern, wenn sie zu viel haben vom Trubel in dem Café.

Und außerdem passt Thomas Leidner auf, dass vor allem kleine Kinder seinen Katzen nicht zu sehr nachstellen, weil sie mit ihnen spielen wollen. Das Schöne ist: Die Katzen haben offenbar Spaß daran, im Gästeraum des Cafés zu sitzen, sich streicheln oder einfach nur beobachten zu lassen. An diesem Vormittag zum Beispiel sind schon etwa ein Dutzend Gäste da, die Katzen haben es sich in ihrer Nähe bequem gemacht und dösen entspannt. Für Rückzug gibt es kein Anzeichen.

Ein älterer Herr mit schütterem Haar streichelt Gizmo über den Kopf. Der Kater genießt es offenbar genauso wie der Gast. “Das ist eine richtig gute Idee hier”, sagt der Mann. “Ich hatte selbst einmal Katzen, da ist es schön, hier ein paar Tiere streicheln zu können.” Das finden aber nicht nur ältere Leute, die sich über die Gesellschaft der Katzen freuen. “Wir haben wirklich jede Art von Gast hier: Kinder, Studenten, Bauarbeiter”, sagt Leidner.

Keine Katzenhaare in der Küche

Seine Freundin hat ihm einmal eine Reise nach Wien geschenkt, dort besuchte er eines der wenigen Katzencafés in Europa – und war begeistert. Allerdings war es nicht so einfach, die Idee hier in München durchzusetzen, vor allem wegen der Banken. “Die meisten haben mich ausgelacht, als ich wegen der Finanzierung angefragt habe”, sagt Leidner. Dann hat er doch noch einen Geldgeber gefunden, bevor er den Marsch durch die Behörden startete. “Die Ämter waren hart, aber immer fair”, sagt er. Zum Beispiel musste Leidner eine theoretische Prüfung beim Veterinäramt über Katzen und den Umgang mit ihnen ablegen. Und dann hatte er auch noch eine praktische Übung mit den Tieren im Tierschutzheim.

Die Hygienevorschriften in seinem Café sind streng: Die Küche hat einen separaten Eingang, die Köche dürfen nicht in den Gästeraum, damit keine Katzenhaare in die Küche gelangen. Die bei der Ausgabe mit Deckeln geschützten pflanzlichen Speisen nimmt Leidner, der selbst bedient, durch eine verschließbare Durchreiche entgegen und trägt sie zu den Gästen. “Wenn der Gast seine Bestellung öffnet und dann ein Katzenhaar hinkommt, ist das sein Risiko. Der weiß ja, dass das hier ein Café mit Katzen ist.”

Berührungsängste mit Katzen gibt es offenbar selten, an den Wochenenden muss man inzwischen schon reservieren, um einen Platz zu bekommen. “Ich musste Gäste teilweise schon wieder hinausbitten, weil ich einfach keinen Platz mehr hatte”, sagt Leidner. Wahrscheinlich kommt auch das Tierschutzkonzept gut an, das dem Projekt zugrunde liegt. Es gibt eine Spendenbox fürs Münchner Tierheim. Und Leidner verkauft Tassen und bald auch T-Shirts, deren Erlös an Hilfsprojekte für Katzen geht.

Viel wichtiger aber: Auf Vermittlung des Tierheims wurden alle vier Tiere von der Tierschutzorganisation “Rassekatzen in Not” vermittelt. “Sie stammen von Züchtern, die unseriös und nur auf Profit aus sind”, sagt Leidner. Bald sollen noch zwei Weibchen zum Rudel stoßen. “Dann haben wir drei Kater und drei Weibchen, das ist gut für die Gleichberechtigung”, sagt der Cafébesitzer und grinst.

Zur Eingewöhnung hat er die ersten Tage wie ein Camper auf dem Boden zusammen mit seinen Katzen in dem Café übernachtet. Jetzt, sagt er, braucht er bald mal wieder ein bisschen mehr Muße, um sich selbst ordentlich auszuruhen. Die erste Zeit nach der Eröffnung vor ein paar Wochen war doch ziemlich anstrengend.