Auf dem Münchner Sonnendeck

Wo der Raum aufhört und die Terrasse anfängt, ist nicht so wichtig. Sicher ist: In der Bar of Bel Air im Werksviertel am Ostbahnhof verpasst man keinen Sonnenstrahl.

“Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Sonnendeck.” Wer sich noch an das Lied von PeterLicht erinnert und sich dazu jemals einen idealen Ort vorgestellt hat: Den gibt es jetzt mitten in München. Dieses Sonnendeck befindet sich zwischen Hochhäusern, Straßen und Gleisen, in und über bunten Schiffscontainern.

Am Ostbahnhof wächst das Container Collective, ein auf drei Jahre angelegtes Zwischennutzungsprojekt . Vorbei an einem Café und Künstlerateliers führen zwei Treppen nach oben zu einer langgestreckten Terrasse – und zur Bar of Bel Air. Auf hellen Holzplanken stehen Bierbänke und Liegestühle, die an einem sonnigen Wochenende genauso schnell besetzt sind wie die hellblauen Klappstühle an den knallgelben Tischen.

Auf einer Seite der Terrasse öffnet sich die eigentliche Bar. Hinter dem Holztresen steht Neville Kuhlmann und mixt Drinks, vor ihm eine Glasfront und weit geöffnete Türen. Wo der Raum aufhört und die Terrasse anfängt? Unklar. Sogar an sonnenfreien Tagen oder spätabends bleiben die Türen offen, dafür gibt es dann Heizstrahler und warme Decken. Die Einrichtung im Inneren ist schlicht, vor dem Tresen sind Barhocker aufgereiht. Seitlich davon stehen kleine Tische, etwa ein Dutzend Gäste haben hier Platz, tiefhängende Glühbirnen verbreiten wohliges Licht.

Die Karte ist übersichtlich: ein paar wenige Softdrinks, etwa Spezi (0,5 Liter für drei Euro), und für Biertrinker gibt es nur Heineken (0,33 für 3,50). Dafür ist die Liste der Drinks um einiges länger. Einige Vorschläge stehen drauf, natürlich Klassiker wie Gin Tonic (8,50), Sours im Allgemeinen und Eigenkreationen wie “Nevilles Negroni” im Speziellen, eine entschärfte Variante mit Orangensaft, Campari, Lillet, Sloe Gin und Soda. Oder “Paloma” mit Tequila, Limette, Salz und Grapefruit (je 8,50). Am Ende der Liste das Angebot: Lasst euch von den Bar-Leuten beraten!

Neville Kuhlmann sperrt die Bar of Bel Air schon mittags auf, schließlich soll man an schönen Tagen keinen Sonnenstrahl verpassen. Wer Hunger bekommt, hat die Wahl zwischen verschiedenen ziemlich herzhaften Salat-Variationen (etwa neun Euro). Gebettet auf Babyspinat gibt es eine vegetarische Mischung mit Samosas, Falafelbällchen, Spiegelei und anderen satt machenden Zutaten, eine Variante mit Chorizo oder mit Thunfisch.

Für Unterhaltung wird nebenbei auch gesorgt, derzeit wird an einer Kunstausstellung gearbeitet. Es lässt sich also gut aushalten da oben – und für die nächsten drei Jahre gilt: “Wenn ich nicht hier bin, trink ich auf’m Sonnendeck.”