Früher sei dieser Keller ein Puff gewesen, sagt Geschäftsführer Oliver Spann, heute geht es in der neuen Bar längst nicht mehr so verrucht zu. (Foto: Robert Haas)

Auf einen Cocktail in den Keller

Eigentlich sollte “The Cave” in Schwabing ein Jazzclub werden, aber die Stadt verweigerte die Genehmigung. Ein Besuch lohnt sich dennoch.

Die Geschichte dieses Kellers, die Geschäftsführer Oliver Spann zu erzählen weiß, gibt ja nun wirklich ordentlich was her. “Nach dem Krieg war das hier mal ein Puff”, sagt der gebürtige Südafrikaner, der lange in London gelebt hat, “hier unten war ein Schwimmbad, und mit dem Aufzug kam man direkt in das Hotel obendrüber.” Klingt ganz schön verrucht und passt auch ganz gut zu einer Bar, die ein bisschen was vom Geist der Speakeasy-Spelunken aus der amerikanischen Prohibitionszeit vermitteln will. Schließlich ist das momentan schwer in Mode.

Und die Geschichte des Kellers danach ist ja nun auch etwas weniger spektakulär. Viele Lokale haben sich hier schon versucht: Irish Pubs, ein Steak House, von dem noch die originale Wandverkleidung mit Backsteinmuster stammt – eines der wenigen Dinge, die übrig geblieben sind von früher. Es folgte die übliche Karriere eines Lokals im Niedergang, erst zog ein Grieche ein, dann ein Chinese, zum Schluss ein Inder. Danach stand es lange leer.

Dann kamen neue Betreiber, die das Potenzial der Kellerbar sahen. Ein Jahr lang bauten Sofie und Andreas Karim Biglari sowie Jan Wendel für viel Geld um, installierten an Lüftung und Schallschutz ein, was ging, denn eigentlich sollte The Cave ein Jazzclub werden, in dem auch Karaoke angeboten wird. Da machte ihnen aber bislang die städtische Lokalbaukommission einen Strich durch die Rechnung: Sie genehmigte lediglich die Nutzung als Gaststätte, was bedeutet: Monatlich sind nur maximal zwei angemeldete Veranstaltungen erlaubt, die etwas lauter sein dürfen. Und das mitten in Schwabing , am Nikolaiplatz, und angesichts der weit verbreiteten Klage, dass die Musik- und insbesondere die Jazzclubs in München aussterben.

Ganz aufgegeben sind die Pläne freilich nicht, man hofft noch auf ein Einsehen der Behörden. Inzwischen gibt es auf der kleinen Bühne mit dem edlen Geländer drumherum, rechts von der Bar, donnerstags Comedy- und Spoken-Word-Veranstaltungen und jeden zweiten Samstag Karaoke. “Mittwochs Jazz und freitags Rock wäre schön gewesen”, sagt Spann, “so war jedenfalls unser Plan.” Kann ja noch werden, wer weiß?

Inzwischen verlegt man sich in dem geräumigen Kellerlokal auf eine sehr ansehnliche Cocktailkarte, die neben den klassischen Standard-Drinks auch eine Reihe von Entdeckungen bereithält. Etwa den “Rusty Nail” nach einem Originalrezept aus dem Jahr 1937 (Johnny Walker Black Label mit Drambuie-Likör und Angostura Bitter für neun Euro), hauseigene Kreationen wie den “Flower Wower” (Gin, Pfirsichlikör und Hibiskus Tonic für 9,50 Euro) oder den “Andale Mija” aus Mezcal, Ginger Ale und Tabasco (elf Euro).

Dafür und zur soliden Weinkarte kann man gut eine ordentliche Grundlage gebrauchen. “Vegane Gerichte haben wir nicht”, sagt Spann, der auch schon im Max Pett, einem veganen Restaurant gearbeitet hat. Steaks, Burger, Chicken Wings, Garnelen und allerhand vom Grill stehen auf der Karte, zu recht anständigen Preisen. Und immerhin auch acht verschiedene Teesorten, das Kännchen zu vier Euro. Ganz so verrucht wie früher geht es also doch nicht zu im The Cave.



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