Der Folks Club an der Thalkirchner Straße. (Foto: Sebastian Gabriel)

Auf Zeitreise in einem gemütlichen Wohnzimmer

Die Location des Folks Club hat eine schillernde Vorgeschichte – jetzt ist es bunt und heimelig. Und getanzt wird auch.

Die Münchner wollen immer gerne hoch hinaus, sie streben ins Licht, deshalb gibt es jetzt so viele Lokale auf den Dächern der Stadt und so viele Restaurants mit riesigen Fensterfronten: Man will sehen, wer drin ist und wer draußen, man sucht den doppelten Schaufenstereffekt. Manchmal führt der Weg ins Vergnügen auch die Treppe hinunter, ins geschützte Untergeschoss, wo man vor den Anfechtungen ruhebedürftiger Nachbarn sicherer ist.

So ein Partykeller hat Potenzial, wenn er liebevoll ausgekleidet ist: Das haben die Macher des kürzlich eröffneten Folks Club in der Thalkirchner Straße 2 erkannt. Eine Location mit schillernder Vorgeschichte, schließlich waren hier zuvor schon die Erste Liga, das Yip Yab und das Kiddo untergebracht.

Die jungen Gastronomen Marvin Endres (Geschäftsführer), Lisa Grimm und Maximilian Früchtl haben diesen leicht verlebten Ort in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelt, in dem man auf Zeitreise gehen kann. Es gibt einige Art-Deco-Elemente, von den Decken hängen Dreißigerjahre-Kronleuchter, das Walnuss-Holz erinnert an die Fünfziger, die knalligen Tapeten in Orange an die Siebziger. Das Design spiegelt die musikalische Bandbreite des Clubs. Der Sound kommt hier von der Schallplatte, und es läuft so gut wie alles, was Lust auf Tanzen macht, sagt Endres: “Das reicht vom frühen Rock’n’Roll, Rockabilly und Elvis über die Anfänge der Beatles bis hin zu Van Morrison, Marvin Gaye, Aretha Franklin, Donna Sommer oder der jungen Bonnie Tyler.” Eine Wundertüte also, aber nicht nur für Nostalgiker, die als Aufputschmittel die Songs aus ihrer Jugend brauchen, um in Fahrt zu kommen.

Beim ersten Besuch an einem Freitagabend konnte man schon vor 23 Uhr durchtrainierte Swing-Veteranen neben Mittzwanzigern auf der Tanzfläche erleben. Danach ging es mit einem Live-Konzert weiter und nach Mitternacht mit einem DJ, der schon früher im legendären Atomic Café dabei war. So bunt gemischt wie die Musik auf dem Plattenteller ist auch das Publikum; schick und schräg, aufgestylt und abgerissen halten sich die Waage – noch allerdings ist der Neugierfaktor hoch. “Wir pflegen den Old School Sound”, sagt der 26-jährige Marvin Endres, der auch die Rennbahn in Schwabing übernommen hat – dort mit etwas rockigerer Musik und einem rustikaleren Ambiente.

Gute Drinks sind eine Selbstverständlichkeit, im Folks wird darum allerdings kein großes Gewese gemacht. Dafür sind die Preise für diese Innenstadtlage relativ günstig (das Löwenbräu kostet 3,50 Euro, 0,2 Liter Weißwein 6,50 Euro, die Drinks maximal zehn Euro), außerdem gibt es, für Lokalpatrioten, Schnäpse von einer Privatbrennerei am Ammersee. Alles ordentlich und kein Grund zum Meckern, schließlich gibt es im Ausgehviertel zwischen Müllerstraße, Hans-Sachs-Straße und Thalkirchner Straße schon genügend ehrgeizige Mixologen und philosophisch überhöhte Barkonzepte, in der Loretta, im Trisoux, im Wolf oder im Usagi.

Das Potenzial ist also auch vorhanden, was diejenigen Gäste angeht, die nicht den ganzen Abend in einem Lokal verbringen wollen, sondern lieber Barhopping betreiben. Im Folks kann man sich zum Abschluss noch mal richtig locker machen.