Auferstanden aus dem Kaffeekränzchen

Hier tranken schon Stefan George und Frank Wedekind: Das Café Luitpold an der Brienner Straße eröffnete 1888 als eines der größten Kaffeehäuser der Welt. Nun ist es nach einem Umbau wieder da.

Die Brienner Straße 11, an diesem Dienstag Treffpunkt der Häppchenjäger: Kaum ein Münchner Szenejournalist wollte sich die Präsentation des neu gestalteten, legendären Cafés Luitpold entgehen lassen. Denn das einstige Palastcafé im schicken Luitpoldblock könnte an seine besten Zeiten anknüpfen – dank des neuen Pächters Stephan Meier.

Der 39-jährige Konditor, Bäckermeister und Betriebswirt aus Starnberg hat seit der Übernahme im Juli vergangenen Jahres an einem Konzept getüftelt, wie er das historische Kaffeehaus in ein “Grand Café mit internationalem Anspruch” verwandeln könnte.

Und Meier, der seit 2005 auch Inhaber der mehr als zweihundert Jahre alten “Bäckermeisterei Meier” in Starnberg ist, hat nichts dem Zufall überlassen. Mit Sternekoch Otto Koch als Berater, der einst das Le Gourmet betrieb und heute hoch über München im “181 first” Chef des Drehrestaurants im Olympiaturm ist, hat Meier mehr als ein Jahr lang “im Hintergrund gewerkelt”, um dem Publikum eine kreative Küche zu präsentieren. Zum Presse-Lunch gab es schon mal Kostproben – vom Alpenlachs auf Peperonata-Kraut und Wildkräutern über Geschmortes und Gebratenes vom Ibérico-Schwein bis hin zur Sphere chocolat Kir Royal.

Die Köche arbeiten in einer zum Palmengarten geöffneten Küche, nach vorne zur Brienner Straße hin schließen sich eine lange, in dunklem Holz gehaltene Bar, eine geschwungene Kuchentheke und eine 25 Meter lange “Schokoladenwand” mit wie Pretiosen angeleuchteten Pralinen an.

Vorbei sind die Zeiten, als das Cafe Luitpold den Charme eines Kaffeekränzchens hatte, modernes Mobiliar und sanfte Beleuchtung soll auch jüngeres Publikum ansprechen. “Das ganze Brienner-Quartier ist voll mit jungen Leuten, die hier arbeiten”, aber es gebe nichts Vergleichbares, wo man hier abends hingehen könnte, sagt Barbara Weber, Sprecherin des Cafe Luitpold . Hatte Meyers Vorgänger Gerhard Brenner noch auf Tagesgäste gesetzt, will der jetzige Betreiber auch abends Publikum in sein Kaffeehaus locken.

Bislang war bereits um 19 Uhr Feierabend, nun hat das Luitpold montags bis samstags von 8 bis 23 Uhr geöffnet. An den Sonntagen ist zwar offiziell auch schon um 19 Uhr Schluss, doch da gibt es nun regelmäßig Veranstaltungen, für die Isabel Kinemann und Nan Mellinger verantwortlich zeichnen.

Mit dem “Salon M’unich” wollen die Sängerin Kinemann und die Kulturwissenschaftlerin Mellinger an die Geschichte des Cafés Luitpold, das 1888 als eines der größten Kaffeehäuser Europas gegründet wurde, anknüpfen. Schon damals war das Café Treffpunkt der Bohemiens, der Dichter und Denker. Künstler wie Stefan George, Frank Wedekind oder Redaktionsmitglieder des “Simplicissimus” gingen dort ein und aus. Bald spielten in dem 1200 Plätze umfassenden Palastcafé die berühmtesten Tanzorchester des Kontinents. Jetzt soll auch wieder Kunst und Kultur ins Luitpold einziehen.

Von Oktober an wird es immer sonntags Matineen geben, von 15 Uhr an wird Swingmusik zum Tanztee aufgelegt – wer mag, erhält sogar fachmännische Anleitung. An monatlich wechselnden Abenden stellt der “Salon M’unich” Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, Wissenschaft und Politik vor. Zum Auftakt am 16. September bietet der libanesische Koch und Autor Kamal Mouzawak dem Publikum einen “Blick über den Tellerrand”.

Zum neuen Konzept des Kaffeehauses zählt auch die neue Architektur. Das Münchner Architekturbüro Demmel und Hadler hat unter der verputzten Fassade den ursprünglichen Naturstein freigelegt. Der Eingangsbereich ist dem Vestibül, das sich dort bis 1944 befand, nachempfunden. Die hellen Säulen erinnern ein wenig an eine Filmkulisse, aber das ist bei dem erwarteten Publikum womöglich durchaus beabsichtigt. Selbst ein neues Logo hat sich das Cafe Luitpold verpasst und dafür eigens Professor Holger Felten und sein Büro für Gestaltung verpflichtet.

Tina Schmitz, geschäftsführende Gesellschafterin des Luitpoldblocks, ist angetan von der neuen Gastronomie an der Brienner Straße. “Ich freue mich besonders, dass es den Architekten gelungen ist, den Spirit in das Café zu bringen”, sagte sie am Dienstag. Nun, den werden von nun an vor allem die Gäste des Luitpold ins Kaffeehaus bringen.

Einer der ersten, die das neu gestaltete Etablissement begutachten wird, ist Oberbürgermeister Christian Ude. Er wird an diesem Donnerstag Grußworte zur offiziellen Eröffnung des Cafés nach der Umbauphase sprechen. Vielleicht zitiert er ja einen Stammgast, der sich 1912 ins Gästebuch des Luitpold eintrug: “Das Leben ist eine Begleiterscheinung zum Caféhaus”, schrieb der Dichter und Anarchist Erich Mühsam.