Aus dem Herzen Italiens

Das Meer ist fern, die Pasta deftig: Die Hostaria Rò e bunì beeindruckt durch authentische Küche aus der Emilia Romagna. Hier kocht “la nonna”, urig und rustikal – und so lecker, dass man sich kaum entscheiden kann.

Von Bologna aus nach Westen. Nach einer halben Stunde auf der Landstraße links abbiegen, einige Kilometer durch die Allee, und hinauf in die sanften, grünen Hügel, welche die Südhälfte der Emilia Romagna prägen. Aus diesem Winkel der Erde, so scheint es, hat ein außerirdisches Raumschiff die Hostaria Rò e bunì aufgesogen und mitten nach München-Schwabing verpflanzt. Und so wie im Herzen Italiens ist die Küche geblieben. Das Meer ist fern, die Pasta deftig.

Das Logo des Lokals mit seiner Frakturschrift wirkt zunächst fast etwas geckig, ebenso wie das rustikale Holzgebälk unter der Decke des Gastraums, das eher dekorative als statische Zwecke erfüllt. Tatsächlich jedoch hat sich in jenen Gasträumen, in denen einst OB Ude die Souvlakis seines Stammgriechen genoss, ein ungewöhnlich authentischer und ungewöhnlich unprätentiöser Italiener angesiedelt. Hier gibt es keine Pizza quattro stagioni, und es wird auch nicht mit Langostinos, Rucola und Thunfisch-Carpaccio herumgefinkelt. Hier kocht la nonna . Urig, rustikal, ehrlich.

Bloß nicht die Pasta übersehen

Es braucht eine ganze Weile, um das im Stil einer Waschmaschinen-Gebrauchsanweisung gelayoutete Speiseangebot durchzusehen. Aber es lohnt sich. Schon eine schlicht klingende Vorspeise, salumi misti , erwies sich als stattliche Platte erlesener Wurstwaren, für deren Bereitstellung am heimischen Esstisch man schon einen außergewöhnlichen Delikatessenladen aufsuchen müsste (11,80 Euro).

Ein Dreiklang vegetarischer Antipasti war zudem nicht einfach nur ein Teller in Öl getränkter, zusammengewürfelter, mit dem obligatorischen Aceto Balsamico befeuchteter Gemüseteller, sondern kam wie drei separate kleine Gerichte an den Tisch. Die Paprikaschoten wurden in Zwiebelsud gedünstet und wie eine Peperonata mariniert. Der Radicchio war leicht gegrillt und auf elegante Weise seiner Bitterkeit entledigt. Erwähnt sei auch das in diesem Lokal einzigartige Vitello Tonnato (11,50 Euro).

Nach dem üppigen Einstieg könnte man in Versuchung geraten, auf die Hauptgerichte zu schielen. Vorsicht jedoch, denn so würde man die Königsdisziplin dieses Lokals achtlos übergehen: la pasta ! Als Besonderheit (und in München auch Seltenheit) empfanden wir die Version, bei der die Teigwaren in Brühe als kleines Suppentöpfchen serviert werden. Unter den verlockenden klaren Fettaugen des Suds garten frisch zubereitete Teigwaren vor sich hin, von Tortellini bis Tortelloni, wahlweise auch exotisch anmutende Nudelvarianten wie kleine handgeschabte Passatelli, die auf der Zunge von selbst zu zerfließen scheinen.

Selbstverständlich wird – die authentisch bissfeste – Pasta auch in klassischer Manier, etwa mit Tomaten-Basilikum-Sugo serviert. Überraschender fanden wir allerdings einen Teller Strozzapreti mit frischem Fenchel, knusprig gebratenen Wammerlstückchen und – als Frische verströmendem Geschmacknachbrenner – karamellisierter Zitronenzeste (9 Euro).

Zutaten aus Bio-Betrieben

Nachdem die Teigwaren auch in kleineren Portionen zu haben waren, blieb doch noch etwas Appetit auf die Hauptspeisen. Ob gebratenes Kalbskotelett mit Salbeibutter (19 Euro) oder Entrecote: Jede Form carnivorischer Gelüste findet hier ihre Erfüllung. Die frei wählbaren Beilagen, ob Ofenkartoffeln oder Spinat, waren zudem nicht nur Beiwerk, sondern ähnlich wie die Antipasti mit Hingabe zubereitet. Auch stammt das Fleisch, die Speisekarte weist ausführlich darauf hin, so wie alle anderen Zutaten, aus bio-zertifizierten Betrieben.

Auch mit Fisch kann die Küche umgehen

Auch mit Fisch kann die Küche des Rò e bunì umgehen. Eine stattliche, frische Seezunge zum Beispiel war makellos gegrillt, und ihre Ausmaße hätten eine komplette Kleinfamilie sattbekommen (25 Euro). Doch blieb der Eindruck, dass man mit den Fleischspeisen dem Können dieser Küche mehr abgewinnt. Die Emilia Romagna ist eben nicht Ligurien. Calamari in Form etwas lieblos gebratener Tintenfischtuben (14,90 Euro) setzten bei uns zum Beispiel nicht die gleichen Endorphine frei wie das rustikalere Kalbskotelett.

Unerfüllt blieb bei unseren Besuchen die Hoffnung, das von Bekannten euphorisch gepriesene Ossobuco zu kosten. Die in Gemüse geschmorten Beinscheiben vom Kalb sollen eine wahre Sensation sein, stehen aber leider nur unregelmäßig auf der Wochenkarte. Als Abschluss wählten wir eine Panna cotta (7,50 Euro), die zu unserer Freude mit frischen, eingelegten Rhabarberstücken garniert wurde und ohne diese Fruchtsaucen aus dem Fläschchen.

In Sachen Wein vertrauten wir uns vorbehaltlos dem Ratschlag des – generell außerordentlich aufmerksamen – Wirts an, natürlich nicht ohne die eigene Präferenz (“kräftig, dunkel, fruchtig, eher Brombeere als Pfirsich”), übermittelt zu haben. Die daraufhin entkorkte Flasche, ein “Vigna Pedale” der Kellerei Torrevento aus dem Castel del Monte, Jahrgang 2010, aus der in Apulien heimischen Rebsorte Uva di Troia gekeltert, hat alle Wünsche an Fülle und Frucht erfüllt. Bei einem weiteren Besuch bestellten wir zielstrebig genau diese Flasche noch mal. Never change a winning wine.