Bar mit Skyline

Für einen Hugo an der Sagrada Familia muss man nicht mehr nach Barcelona fahren. Es reicht ein Abend in der neuen Muc-Bar am Viktualienmarkt.

Was für einen Ausblick der Gast hat, wenn er auf einem der Holzhocker sein Giesinger Lemondrop Triple-Bier schlürft: Auf die Bavaria, die BMW-Welt, Frauenkirche, Rathaus, Siegestor oder den Alten Peter. Und wenn der Gast dann den Blick senkt, runter von den Miniatur-Silhouetten aus Metall, die an den Wänden einen Horizont aus Sehenswürdigkeiten bilden, dann blickt er auf eine Bar, die alles hat, was notwendig ist, und auf alles verzichtet, was überflüssig ist. Und einen originalen Touristen-Blick gibt es auch noch.

300 Semester statt 300 Jahre Gefängnis

Die Muc-Bar hat im Juni eröffnet in den Räumen, in denen zuvor viele Jahre der “Marktstad’l” beheimatet war, eine arg alkoholgeschwängerte Boazn. Übrig geblieben ist eigentlich nur die 24-Stunden-Konzession für den Betreiber, der zuvor in der Prosecco-Bar ums Eck arbeitete und dessen Mutter einen Käsestand auf dem Markt führt. Eingebettet an der Westenriederstraße zwischen Döner-Stand, Sushi-Bar und Imbiss waren im Marktstad’l gerne mal “300 Jahre Gefängnis” versammelt, wie ein Gast erzählt. Jetzt sind es nach 30 Tagen Eröffnung im spartanischen Holz-und-Stahl-Ambiente eher 300 Semester oder 300-Euro-Pauschalreisende, die mit bewährten und abgewandelten Münchner Szene-Drinks oder neuen Bierkreationen auf den herrlich schlichten Hockern sitzen.

Baumscheiben auf gusseisernen Füßen als Sitze, an den Seiten Holzbänke und an den Wänden die Skyline von München über Hamburg, Wien bis New York. Wer also alleine eine Pause macht vom Einkaufsbummel, der kann versuchen, die zehn Silhouetten Wiens zu benennen, dazu einen Dinzler-Cappuccino (3 Euro), oder doch schon einen Spritz? Da gäbe es die Variante Markt-Spritz mit Campari und Grapefruit rosé oder den erfrischenden MUC-Spritz mit Prosecco, Ginger Ale, Ingwer, Limette und Minze (beide 5,90).

Unter der Sagrada Familia ratscht eine Frauenrunde bei Hugo und einem Chorizo-Sandwich (4,50), während gegenüber beim Arc de Triomphe ein Mann das Lemondrop Triple probiert, eine siebenprozentige Bier-Variation der Giesinger Brauerei, die laut Beipackzettel “kräftig, karamellig, hopfenbetont, obergärig” sein soll, und für den Normalo einfach gut nach einem sonnigen Nachmittag am Viktualienmarkt schmeckt, passend zum Geruch nach frischem Gemüse und dem quirligen Gequatsche ein paar Meter weiter an den Fischständen.

Zur blauen Stunde ordern zwei Frauen einen Hugo-to-go, die Studenten legen ihre Caps auf die Seite, es gibt eine Runde fein minzsüßen Pfeffi (2 cl: 3,50), es wird zu classic-funk ein bisschen mitgewippt, ehe der ein oder andere den Heimweg antritt, direkt vom Tresen raus und auf den still daliegenden Viktualienmarkt. Einen schöneren Heimweg hat keine andere Bar dieser Stadt.