Betreutes Trinken mit Wohnzimmercharakter

Das Kooks ist ein erfreulicher Gegenentwurf zur Kneipen-Gentrifizierung. Obwohl es eine Edel-Boazn ist, sind die Preise fair.

Unter dem Sammelbegriff Boaznsterben bedauern Nightlife-Nostalgiker immer wieder mal, dass in München die gemütlichen Nachbarschaftskneipen nach und nach verschwinden. An ihrer statt werden dann schicke und durchgestylte Bars eröffnet, gestaltet vom Berliner Büro des Tokioter Designkollektivs Hiphiphura oder so ähnlich, und dort bekommt man dann hippe Drinks nach allen Regeln der hohen Mixologenkunst. Gut, das kann man mögen, aber jeden Tag braucht’s das dann auch nicht.

Da ist es umso erfreulicher, dass es jetzt in der Geyerstraße einen Gegenentwurf zu dieser ganzen Kneipen-Gentrifizierung gibt, ein lässiges Lokal, wie man es in München leider immer seltener findet. Im November haben die schon seit Jahren im Münchner Nachtleben aktiven Matt Devereux und Alexandra Illingworth in den Räumen eines früheren Asia-Lokals das Kooks eröffnet. “Betreutes Trinken” steht unter dem Kneipennamen auf dem Schild – und das Lokal könnte sich schon bald zu einer beliebten Edel-Boazn entwickeln.

Wohnzimmercharakter mit Bierfässern und Theaterstühlen

Die Einrichtung des Kooks ist schon mal so zusammengewürfelt, dass die Kneipe einen gemütlichen Wohnzimmercharakter bekommen hat. Am Eingang ein großes Bierfass von Augustiner als Tisch mit Barhockern, an der Wand daneben ein paar Theaterstühle und ein niedriger Couchtisch mit Hockern.

Auf dem Bühnenpodest stehen ein Sofa und auch ein paar Stühlchen, die sich bei Veranstaltungen oder Konzerten leicht beiseite räumen lassen. In der Mitte des Lokals streut eine Lampe vom Stil Omas Wohnzimmer ein gedämpftes Licht, an einer Seitenwand steht ein Regal mit Bildern und anderem Schnickschnack, der aussieht wie vom Flohmarkt.

Das Lokal ist so konzipiert, dass es bei Live-Konzerten und DJ-Acts eine ausreichend große Tanzfläche bietet und so zur Party-Location wird. Wer beim Ausgehen keine Lust auf Bewegung hat, kann das Treiben auch an der Bar beobachten. Dort schenkt das gut gelaunte und herzliche Team dann nicht etwa aufwendig zusammengemixte Drink-Kreationen aus, die ein kleines Vermögen kosten. Nein: Hier trinkt man Kneipenklassiker. Standard-Longdrinks und Cocktails gibt es für faire 8,50 Euro, gängige Whiskysorten für 3,50 und die Halbe Bier für 3,20 (Tegernseer aus der Flasche) oder 3,40 (Augustiner vom Fass).

Ein stadtweites Publikum, das es auch weniger schnieke mag, wird sich finden, viele Nachbarn sind von der neuen Kneipe im südlichen Glockenbachviertel schon jetzt überzeugt.