Brunch mit Anleihen aus den Weltküchen

Auf den Tisch kommen im Streetart-Café Mural das israelische Nationalfrühstück Shakshuka und “Turkish Egg”. Lachs mit Rösti ist dort ein Gourmeterlebnis.

Frühstückscafés sind meist heimelig und niedlich. Sie servieren Bagels mit Lachs und Rührei auf Avocado, und das Gemurmel der Gäste wird unterbrochen vom Zischen und Gurgeln der milchschäumenden Kaffeemaschine. Das Mural aber, Restaurant des Streetartmuseums Muca im ehemaligen Bunker in der Hotterstraße, will Brunch anders interpretieren – und zwar über die üblichen Eierspeisen hinaus. Passend zu den mehrgängigen Menüs, die am Abend serviert werden.

Es ist einem Streetart-Restaurant würdig eingerichtet. Hohe Decken, ein überlebensgroßes Wandbild von drei sich räkelnden Frauen. Urban Chic in schwarzen bis weißen Tönen, kombiniert mit schlichter, wertiger Einrichtung. Ein Augenschmeichler für Freunde zeitgemäßen Designs.

Was gibt es da und was kostet das?

In München ist es gar nicht so leicht, das israelische Nationalfrühstück Shakshuka aufzutreiben. Pochierte Eier in einer herzhaften Sauce aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Umso größer die Freude, das Pfannengericht im Mural für 8,20 Euro auf der Brunch-Karte zu entdecken. Leider ist das Ei bei unserem Besuch sehr flüssig, beinahe roh; bei israelischen Vergleichs-Shakshukas waren sie etwas fester als bei dieser bayerischen Interpretation.

Auch “Turkish Egg” (8,20 Euro) mit Joghurt, Knoblauch, Koriander, Sumach und pochiertem Ei klingt so köstlich wie kreativ. Und der Lachs mit Rösti (8,20 Euro) könnte einfach nur lecker sein, so wie es Lachs mit Rösti eben ist, wenn man Lachs mit Rösti mag, stattdessen aber ist es ein kleines Frühstücksgourmeterlebnis. Der zart geräucherte Fisch vornehm aufgerollt, pink eingefärbt an den Rändern, wohl mit Rote Beete, rosafarbene Creme Fraiche und Rösti, die die perfekte Balance zwischen weich und knusprig treffen.

Ähnlich futterneidig umkämpft wie der Lachs am Tisch ist das Granola (6,80 Euro). Das hausgemachte Müsli mit Amaranth und Chia, dunkler Schokolade, Rosinen und Weintrauben. Jemand hat sich Gedanken über die Zusammenstellung dieser Zutaten gemacht, statt nur hippe Körner und instagrambunte Früchte zusammenzuwerfen.

Außerdem gibt es Pancakes, Bananenbrot, alle Arten von Eierspeisen (natürlich ist das nicht besonders ausgefallen, aber Frühstück bleibt eben doch Frühstück). Und, für Freunde des Konterbieres, den “Michelada” mit Pils, Tomatensaft, Tamarinde und Gewürzen (7,50 Euro) oder gleich den “Bloody Maria” mit Mezcal statt Pils (9,50 Euro).

Wer geht da hin?

Viele Freundinnenrunden, die sich zum Samstags- oder Sonntagsbrunch verabredet haben, ein paar Pärchen. Erwachsene Kinder mit ihren Eltern. Die Tische sind weit genug auseinander, so dass es nie zu hektisch oder stressig wird. Frühstück im Mural kann bei großem Hunger etwas teurer werden, die Portionen sind nicht groß. Zu zweit lassen sich gut drei Gerichte teilen.

Wie viel Zeit verbringt man dort?

So lange es dauert, seine Gerichte in Ruhe zu essen, gemütlich zu ratschen und vielleicht noch einen Cappuccino zu trinken (oder eben einen Michelada). Es stehen jedenfalls nicht schon ungeduldig Wartende am Eingang, die den noch Sitzenden ein schlechtes Gewissen bereiten würden. Weil das Mural eher Restaurant- als Kaffeehausatmosphäre hat, packt hier aber auch nicht unbedingt jeder seine Zeitung aus, um den Rest des Nachmittags dort zu verbringen. Im Sommer auf der Innenhofterrasse mag das wieder anders aussehen.