Burger, Beer und Karaoke

Irland ist gastronomisch fast nur mit Pubs vertreten, die keine wirklich gesunde Küche bieten, dafür aber regelmäßig zu Mitsing-Abenden einladen

Würde man das gastronomische Angebot, das München in Sachen Irland zu bieten hat, als allgemeingültig für die grüne Insel ansehen, dann wäre dringend ein finanzstark ausgestattetes EU-Programm für ausgewogene Ernährung einzuleiten. Und vielleicht noch ein weiteres zum Thema musikalische Grundausbildung, Unterfach Gesang. Denn irische Lokale in München: Das bedeutet in erster Linie Pubs, die regelmäßig zu Karaoke-Abenden einladen.

Das mag jetzt etwas zugespitzt klingen, aber tatsächlich repräsentiert sich die irische Küche in München vorwiegend durch Barfood und Bier sowie Whiskey (wie man diese Spirituose in Irland und den USA meistens schreibt). Und das bedeutet eben häufig Burger, Pommes, Chicken Wings und dergleichen. Was ja auch in Ordnung ist: Der Irish Pub an sich ist in aller Regel ja kein Speiselokal. Hier geht man hin, wenn man Unterhaltung haben will, meist auch musikalische. Es muss ja nicht gleich selbstgemachte sein wie beim Karaoke, auch Folk- und Rockbands treten dort immer wieder mal auf. Offenbar gibt es dafür einen großen Bedarf, denn in München findet man derzeit gleich sieben davon: in der Innenstadt das Kilian’s am Dom (Frauenplatz 11), das Kennedy’s (Sendlinger-Tor-Platz 11) und das Dubliners (Platzl 2), in Schwabing den Irish Folk Pub (Giselastraße 11) und den Shamrock Irish Pub (Trautenwolfstraße 6), in Haidhausen Molly Malone’s Irish Pub (Kellerstraße 21) sowie in Neuhausen Ryan’s Muddy Boot (Schlörstraße 10).

Im Grunde wäre das also Irland in München, gastronomisch betrachtet. Wäre da nicht Shane McMahon und sein Lokal Shane’s Restaurant in der Geyerstraße 52. Er ist gebürtiger Ire aus Limerick und ging mit 21 Jahren nach München, um bei Bobby Bräuer im Königshof und bei Hans Haas im Tantris zu kochen. Seit zehn Jahren hat er sein eigenes Restaurant. Irische Küche gibt es dort freilich eher nicht – auch wenn er gelegentlich Produkte aus Irland verwendet. Seinen Stil beschreibt er als “europäisch-asiatische Fusionsküche”, und auch wenn er nicht irisch kocht, so zeigt er doch, zu was Iren in der Küche alles fähig sind.

Europa ist nicht nur nüchterne Politik, sondern auch kulinarischer Genuss: Vor der Europawahl stellt die SZ in ihrer Serie die gastronomischen Vertreter der EU in München vor.