Burger in der Hotelküche

Shrimps, Hamburger, Pasta: Im Hotel Seehof in Weßling kann man international essen – nicht nur als Hotelgast.

Hotelrestaurants haben oft etwas Unnahbares. Der Gast muss an der Rezeption vorbei und fühlt sich dabei in Erklärungsnot. Als Lokal eines Hauses mit mehreren Sternen steht es unter dem Generalverdacht, ebenso teuer zu sein wie die Zimmer.

Das kann so sein, muss aber nicht, wie das Restaurant im Hotel Seehof in Weßling beweist. Nach Weßling kommt, wer im Sommer gern schwimmen geht oder im Winter Schlittschuh laufen will. Oder man ist Techniker oder Geschäftsmann, der in Oberpfaffenhofen mit der Luft- und Raumfahrt zu tun hat. Das Publikum im Seehof ist deshalb oft englischsprachig, wie auch das erstklassig ausgebildete Personal.

Leute aus USA und Asien scheinen es zu schätzen, wenn sie Shrimps satt oder einen deftigen Burger serviert bekommen. Die Garnelen zeigten sich rosa, prall und saftig, die Knoblauchbutter dazu erwies sich als nicht sehr aufdringlich, der Butterreis als etwas zu trocken geraten. Das dunkle Hackfleischpatty des Burgers auf getoastetem Sesambun war schlicht garniert mit einer Scheibe von der Salatgurke und hauchdünn gehobelten Zwiebelringen, daneben stand ein Tablett mit Gewürzen und Soßen. Alles in allem eine kleine Portion und wenig belastend als Nachtmahl.

Ähnliches konnte man über das gemischte Geschnetzelte mit Senfsoße und Reis sagen. Die feinen Streifen vom Rind-, Schweine- und Lammfleisch waren nur kurz gebraten worden und nur an manchen Stellen etwas fester. Zusammen mit dünn geschnittenen Scheiben von Bambussprossen und Wassernuss trieben sie in einer leicht sämigen Soße, deren gelb-grüner Farbton von mild-würzigem Senf und feinen Kräutern herrührte.

Die Fraktion der Vorher-eine-Suppe-Esser freute sich über eine pastell-orangefarbene Kürbiscremesuppe mit gehackten, gerösteten Kürbiskernen. Die Suppe war im Unterschied zur ebenfalls gekosteten Rinderbrühe richtig heiß. Die klare Brühe schmeckte lauwarm nicht mehr so gut. Ebenso gab es keine Entschuldigung dafür, die aus kleingehäckseltem Weißkohl, Porree und Karotten bestehende Gemüseeinlage nahezu roh zu belassen.

Kartoffelecken sind ein Widerspruch in sich. Keine Kartoffel, auch keines der genetisch veränderten Exemplare, hat Ecken. Die einzige Frucht, die so etwas wie Kanten aufwies, war mal eine Tomate, die zu einer Art Würfel degeneriert wurde. Kartoffelecken sind also nichts anderes als gespaltene Erdäpfel. Sie bildeten die Beilage zum Rumpsteak – frittiert und mit einem unbekannten Gewürz bestreut, das einen lange anhaltenden Nachgeschmack verursachte. Die Soße aus Champignonstücken und Tomaten bedeckte ein schmales, langes Fleischstück. Obwohl als medium bestellt, kam es ziemlich roh beim Gast an. Das hätte der Küche des Vier-Sterne-Hotels nicht passieren dürfen.

Wer sich weder für Fleisch noch Fisch entscheidet, war mit den Tagliolini mit Pfifferlingen in Weißwein-Sahnesoße gut bedient. Die Nudeln hatten Biss und warteten mit zwei Besonderheiten auf. Zum einem mit einer wunderbar milden Soße, voller Geschmack nach Wein und Gewürzen, zum anderen fehlte viel Salz, um sie zu perfektionieren. Salatessern empfiehlt sich ein grüner Blattsalat mit kleinen Putenfilets. Die Portion ersetzte eine Hauptspeise.

Etwas verspielt erschien der auf Mexiko-Asia-Art getrimmte Salat mit Rindfleischstreifen und Mozzarellasticks. Da passte nichts so recht zusammen. Eine süß-saure Soße und ein Chili-Ketchup in Dipschälchen standen diagonal platziert auf einem Holzbrett, auf dem der angemachte Salat mit Jalapeñoscheiben zentral drapiert war. Die Soßen waren nötig, um den zu Stiften geschnittenen und frittierten Käsestücken überhaupt Geschmack zu geben.

Fisch gehört offenbar zu den Leidenschaften des Kochs. Der Wolfsbarsch füllte mühelos den ovalen Teller. Er kam von Kopf bis Schwanz als Ganzes daher und blieb auf diese Weise wunderbar saftig. Dem weichen Fleisch gab eine Kräuterfüllung die milde Würze. Die Gemüsebeilage war recht überschaubar. “Ohne Fett gegart” sollte laut Speisekarte die Lachsforelle “Primavera” sein – ein Angebot an kalorienbewusste Gäste. Weil das Fischfilet jedoch mit einem ordentlichen Schuss flüssiger Butter aufgetischt wurde, hätte sich der Koch vorher die figurfreundliche Garmethode auch sparen können. Garantiert einen Schlankmacher stellte das Portiönchen Gemüse, bestehend aus Brokkoli, Möhre und Kohlrabi dar. Die leider arg zerkochte und deshalb ziemlich geschmacksfreie Vitaminbeilage war schamhaft unter einem gedünsteten Wirsingblatt versteckt.

Für die Suppen und Vorspeisen muss der Gast zwischen 4 und 13 Euro bezahlen, Hauptgerichte liegen zwischen 13 und 20 Euro. Menüs gibt es zwischen 30 und 50 Euro, die Halbe Bier kostet 3,40, das kleine Pils 3 Euro.