Das Hippie Chay ist meistens gut besucht, häufig sitzen an den hölzernen Tischen mehr Frauen als Männer. (Foto: Stephan Rumpf)

Burger und Sushi mal anders

Im Hippie Chay am Giesinger Berg wird vegan gekocht – der Frauenanteil an den Holztischen ist entsprechend. Und statt Alkohol gibt es bunte, würzige Drinks.

Als Restaurant-Testerin gibt es mitunter heftige Herausforderungen zu meistern, diese sind nicht immer kulinarischer Natur. Mal steht man vor der verschlossenen Türe eines eben noch hippen, angesagten Lokals, das dann leider doch gar so ein Insidertipp war, sodass es noch nicht einmal die ersten hundert Tage überstanden hat. Mal sind sowohl Koch wie Kellner in einem neuen Restaurant so heillos überfordert, dass man nach zwei Stunden Wartezeit immer noch kein Gericht serviert bekommt, das eine Kritik in der “Kostprobe” lohnen würde. Diesmal war die Herausforderung für Rosa Marín eine ganz neue: Besuch eines veganen Restaurants – im Test-Team zwei Männer, für die die Bezeichnung “vegan” klingt, als ob da bei Vollmond geerntete Bio-Steckrüben im Jutesack gekocht würden. Eine gute Voraussetzung also für ein Testessen im Hippie Chay.

Das Hippie Chay ist ein relativ neues veganes Restaurant, das am Giesinger Berg zwischen einer Tankstelle und dem Giesinger Bräu liegt. Hier, in Münchens Upper South Side, kocht der junge Gastronom Duy Nguyen mit Freunden und Familie vegan und vietnamesisch, ohne Glutamat und ohne Konservierungsstoffe. Dass auf der Speisekarte zudem vermerkt ist, dass Himalaja-Salz und mit Aktivkohle gefiltertes Leitungswasser zur Zubereitung verwendet wird, sorgte beim männlichen Testteam erwartungsgemäß für einen Brüller.

Die weibliche Begleitung jedoch bestellte fröhlich den wunderbaren Coriander Mule (4,50 Euro), bestehend aus Ingwerlimonade, Limettensaft, Koriander und Gurke, und prostete Rosa Marín zu mit rosa Infused Water (5,50 Euro), hübsch angerichtet in einer Glaskaraffe mit Beeren, Limettenscheiben, Minzblättern und Gurke. Unter Frauen war man an diesem Abend sowieso. Fast. Nur wenige Männer sitzen an den hölzernen Ikea-Tischen inmitten von Grünpflanzen im immer sehr gut besuchten Hippie Chay. Sind Frauen also doch die besseren Menschen, weil sie gesünder leben, sich bewusster ernähren, weniger Fleisch essen, und so fort?

Ist heute wurscht. Ein Tischgenosse bestellte zur Kompensation denn auch gleich den Bao Burger (16,50 Euro), eine formidable Sache, besteht er doch aus Beyond Meat, jenem veganen Fleischersatz kalifornischer Provenienz, in dem Erbsenproteinisolat, Wasser und Öle nach geheimen Rezept in ein Pattie gepresst werden. Dieser Burger mit knusprigen Süßkartoffelpommes also kommt im fluffigen Bun daher, belegt mit Feldsalat, roten Zwiebeln, Avocado, Tomate, Austernpilzen und – laut Karte – Shrooms, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen psilocybinhaltigen Pilzen. Sonst wäre eine Reservierung wohl schon Monate voraus nötig, und die Polizei auch gerne zu Gast. Der Burger schmeckte wirklich gut, fein gewürzt, heiß und frisch.

Eine psychedelische Wirkung nach dessen Genuss stellte sich nicht ein, im Gegenteil: Im Hippie Chay ist keine Rauschkugel weit und breit zu sehen. Das liegt daran, dass dies nicht nur ein veganer, sondern auch alkoholfreier Ort ist. Die Ginger Limo (4,50) und der Pink Heaven Ice Tea (4,50) aus frischem Jasmin, Rohrzucker, Limetten und Himbeersirup sind wirklich zu empfehlen. Wen es nach Hochprozentigerem gelüstet, der ist gut beraten, einem Tipp aus der Internet-Fangemeinde dieses Restaurants zu folgen: Gleich nebenan in der Tanke gibt es Bier, prima während einer Rauchpause wegzuzischen.

Die heilsame Wirkung veganer Ernährung, die ganz ohne tierische Erzeugnisse auskommt und in der folglich weder Fleisch, Milch, Butter, Eier oder Honig etwas zu suchen haben, mag dann vielleicht dahin sein. Die Test-Runde blieb brav am Tisch und bestellte allerlei Vorspeisen: köstlich die Baby-Beans, eine große Portion Edamame für 3,50 Euro, schön im Dämpfkorb mit, genau, Himalaja-Salz. Der Exotic Mango Salat (7,50) war eine ansehnliche Portion aus fein geschnittenen Mangos, Gurkensticks, Lotusstielen, gerösteten Erdnüssen, Sesam und Seitan-Streifen, die hier als Enten-Ersatz dienen sollen. Seitan wird vor allem in der japanischen Küche verwendet und besteht aus Weizeneiweiß. Langweilig, ungewürzt und von wässriger Konsistenz jedoch die Füllung der Glücksrollen (6,90). Insgesamt würde man sich mehr frische Kräuter und Schärfe wünschen. Auch der Hoisin Erdnuss Dip riss es nicht wirklich raus.

Sensationell gut hingegen die vegane Sushi-Auswahl: Allen voran die Fried Avocado Roll, knusprig gebraten, gefüllt mit Avocado, Mango und Chili Mayo, cremige Mousse als Topping. Ansehnliche sechs Stück für 9,50 Euro. Ebenso empfehlenswert sind die in Algen gerollten Avocado und Gurken Maki (je 4,50 Euro für sechs Stück). Die Poke Power Bowl (14,50) kam in Form einer hübschen Schale auf den Tisch, darin reichlich Sushireis, Blattsalat, buntes Gemüse, Mango, Edamame, Tofu in Erdnuss-Soja-Sauce, aber auch ein wenig lasch vom Geschmack her.

Es dauerte leider lange, bis die Teller abgeräumt waren, doch das Bemühen der jungen Gastronomen war zu spüren. Es ist ein recht guter Anfang. Das Ende des Restaurantbesuchs war ein krönendes, die Desserts ganz vorzüglich: Kokosbällchen sowie gebratenes Mango-Eis. Und dann ab zur Tanke.

Adresse: Martin-Luther-Straße 8, 81539 München, Telefon: 089/37918818, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12 bis 14.30 Uhr, Montag bis Samstag 17 bis 22 Uhr, Sonntag 12 bis 22 Uhr, www.facebook.com/hippiechaymuc