Café für die Seele

In der Isarvorstadt hat das "Berg & Mental" eröffnet, das sich selbst als "Deutschlands erstes Mental Health Café" bezeichnet, Café für psychische Gesundheit. Es bietet Hilfe bei Depressionen.

Was die junge Frau hinter der Theke sagt, ist gar nicht so wichtig. Aber wie sie es sagt, das tut gut. Jedes ihrer Worte ist von einem Lächeln begleitet. So möchte man begrüßt werden, wenn man ein Lokal betritt. Die Frau arbeitet im "Berg & Mental", das sich selbst als "Deutschlands erstes Mental Health Café" bezeichnet, Café für psychische Gesundheit. Ein Lächeln kann an düsteren Tagen ein bisschen wie Medizin wirken – und hier gehört es zum Konzept.

Dominique de Marné und Lasse Münstermann haben das Berg & Mental Anfang Dezember eröffnet. Große Fensterfronten und das frühlingsgrüne Logo signalisieren in dieser Gegend am Alten Südfriedhof: Das hier ist neu und anders. Das Café ist gedacht für Menschen, die sich nicht gut fühlen oder nach Wegen suchen, Druck aus ihrem Alltag zu nehmen. Es soll ein Ort sein für alle, die sich mit ihrer mentalen Gesundheit befassen wollen, erklärt Marné.

Die 32-Jährige hat selbst schwierige Jahre hinter sich, Alkoholexzesse und Selbstverletzungen, Depression und Borderline-Störung. Ihre Arme sind mit Narben übersät. Nun kümmere sie sich endlich um sich selbst. Sie ist mit ihrem Blog "Travelling the Borderline" und dem Buch "Warum normal sein gar nicht so normal ist" in die Öffentlichkeit gegangen. Und sie scheut sich auch nicht, mit einem kurzärmeligen T-Shirt zu zeigen, was sie ihrem Körper angetan hat. Warum auch? Versteckt hat sie ihre Krankheit lange genug. Es werde Zeit, öffentlich über seelische Nöte, über Essstörungen, Phobien, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken zu sprechen.

Privat sind Dominique de Marné und Lasse Münstermann seit zweieinhalb Jahren ein Paar. Münstermann, 40, hat seit seiner Kindheit an Snooker-Tischen gestanden, erfolgreich in der Profiliga Geld verdient und zuletzt als Informatiker gearbeitet. Er ist hochsensibel, reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse. Vor knapp zwölf Monaten hatten die beiden die Idee für das Café. Über Crowdfunding, eine Gruppenfinanzierung über das Internet, konnten sie ein Startkapital von mehr als 30 000 Euro sammeln. Studenten der Hochschule München unterstützten sie, ihren Businessplan zu perfektionieren und ein Handbuch zu schreiben, mit dem sie sich bei Geldgebern präsentieren können. Denn ein großer Wunsch von Marné und Münstermann ist es, noch mehr Cafés dieser Art im deutschsprachigen Raum zu etablieren.

Vorbild für das Projekt sei die "Sip of Hope Coffee Bar" in Chicago, deren Erlöse zu 100 Prozent in Aufklärungsarbeit zu psychischer Gesundheit und Suizidgefahr fließen. Auch im Berg & Mental ist Platz für Prävention und Hilfe. Es gibt Bücher und jede Menge Flyer zu Gesundheitsthemen. Damit Zeit für Abendveranstaltungen bleibt, läuft der Gastronomiebetrieb nur bis 18 Uhr. Es habe sich schon herumgesprochen, dass es Bedarf gebe an Dozenten und Autoren, berichtet Marné. Sie bekomme jeden Tag fünf bis zehn Mails mit Angeboten. Im hinteren Teil des Cafés gibt es zwei Seminarräume, die für Workshops angemietet werden können.

Insgesamt, sagt Marné, sei sie sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist. Sie arbeitet seit zehn Jahren in der Gastronomie und hat sich gut überlegt, was ihr wichtig ist. Qualität vor allem. Glücklich sei sie über die Waren der Ökobäckerei Mauerer, und dass sie die Rösterei Wildkaffee aus Farchant gefunden habe. Bei der Einrichtung dominieren helles Eichenholz und die vielen Kissen in frischem Grün. Auf der Theke gegenüber der Eingangstür steht eine Liste von Teesorten, die "miade Moni" und "schwarza Seppi" heißen. Es gibt verschiedene Kaffeevarianten, alkoholfreies Bier, Biolimonaden und frische Säfte mit Namen wie "Immer locker bleiben". In einer Vitrine liegen belegte Brote, sie heißen Gipfelblick, Hüttenschatz oder Fernsicht. Diese Anspielungen an die Alpenregion seien kein Touri-Schmäh, sondern man wolle eine moderne Berghütte in der Stadt sein, erklärt Münstermann. Weil es auf Hütten normal sei, niederschwellig miteinander in Kontakt zu kommen.

Duzen gehört zum Alpenhütten-Kodex dazu, und dass man an den Tischen zusammenrückt, damit jeder Platz findet. Auch für hüttenübliche Selbstbedienung hat man sich entschieden. Mit einem roten Fähnchen kann man signalisieren, dass man seine Ruhe möchte. Auf höfliche Umgangsformen lege man hier großen Wert, betonen die Betreiber.

Café Berg & Mental, Thalkirchner Straße 62, übliche Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, www.bergundmental.de