Cocktails in der Milchflasche

Stamperl bekommt der Gast in Form einer Handgranate, die Cocktails werden in Milchflaschen serviert. Im Mojo 91 sind die Drinks so kurios wie die Deko. Alles könnte an eine alte englische Hafenkneipe erinnern – wäre da nicht ein Buddha neben Beckenbauer.

Was haben Monaco Franze, der Kini, Franz Beckenbauer, Roger Moore und Buddha gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Die Frisur kann es nicht sein, auf der Glatze der Buddha-Figur auf dem Mädchenklo rollen sich keine güldenen Löckchen wie auf dem Jubelbild des jungen Franz. Bayern passt auch nicht, von Siddhartha in Neuschwanstein ist nichts bekannt. Bevor man aber Gelegenheit hat, allzu lange über das Konzept der Inneneinrichtung nachzudenken, kommt auf die Gäste des Mojo 91 schon die nächste schwierige Frage zu: Welche Milch darf’s denn sein?

“Mojo Milks” sind die Spezialität der Bar in der Schellingstraße. Die Cocktails heißen so, weil sie in Milchflaschen serviert werden, genau wie früher in der großen Pause. Nur dass eben keine dickflüssige Schokomilch drin ist, sondern Hochprozentiges. Das soll an England erinnern, wo Martin, der Geschäftsführer, herkommt.

Auch der Eingang oben an der Schellingstraße lässt eine englische Hafenkneipe erwarten. Unten im Keller geht es aber einen Tick edler zu: goldene Wände, loungige Atmosphäre mit gemütlichen, schweren Ledermöbeln, Union-Jack-Dekoration. Am Wochenende läuft Deep House, unter der Woche kommen Studenten zum Fußballschauen her. Und manchmal gibt es in einem kleinen Schaukasten Performance-Kunst zu sehen.

Die Karte erklärt, welcher Drink zu welcher Stimmung passt: “Erotik, Lust, Liebe, Sex und Leidenschaft. Mit diesem Liebessaft ist heute Abend alles möglich!” heißt es zum Beispiel über den Andy Randy mit Gin, Pimm’s, Ginger Ale, Mangosaft, Erdbeere und Minze, der wirklich sehr lecker schmeckt und die etwas alberne Beschreibung dazu gar nicht bräuchte. Zum Andy Randy wird außerdem entweder ein Shot Baileys oder ein Frangelico-Haselnusslikör in der “Mojogranate” serviert: ein Stamperl in der Form einer Handgranate. Und wie genau passen jetzt die Granate und die Haselnüsse zu Beckenbauer und dem Kini?

Erst mal zum Thema Buddha: “Hier war früher ein Thai-Restaurant”, sagt ein Freund von Martin, “und es sollte etwas aus dem alten Laden drinbleiben”. Der Haselnussschnaps? “Den findet jedes Mädel toll!” Die Eigenkreationen in den Milchflaschen? “München muss mal aufhören mit dem Hugo- und Aperol-Spritz-Getrinke, das ist doch langweilig, wenn es überall dasselbe gibt!” Und wie passen jetzt der Kini und der Monaco Franze ins Konzept? Ach, egal, alles tüchtige Leute, spätestens nach dem zweiten Andy Randy reicht das als Erklärung völlig aus.