Crêpes auf Schienen

Bolognese, Pfeffersteak, Oreo-Keks: Im Tram Café in Schwabing werden außergewöhnliche Crêpes serviert. Tische und Stühle gibt es nicht, dafür hat der Imbiss auf Schienen am Wochenende bis spät in der Nacht geöffnet.

Als hätte jemand im 19. Jahrhundert vergessen, sie zurück ins Depot zu fahren: An der Leopoldstraße steht seit einigen Wochen eine Tram, die viele Jahre lang bei der Münchner Verkehrsgesellschaft gedient haben könnte. Doch das ist alles nur Fassade. Mit der Straßenbahn ist nie jemand zum Hauptbahnhof gefahren, nie hat ein Schaffner Fahrscheine kontrolliert. Die Straßenbahn ist ein Nachbau. Innen flitzt ein Koch mit Ballonmütze von Topf zu Topf. Er tunkt eine Schöpfkelle in eine Schüssel und verteilt die Teigmasse auf den heißen Kochplatten vor sich: Er backt Crêpes.

Wer zum ersten Mal am Tram Café vorbeischaut, tut sich noch ein wenig schwer mit der Entscheidung. Auf der Karte stehen insgesam gut 40 verschiedene Zutaten , zwanzig Kombinationen bietet die nostalgischen Imbissbude an. Zum Beispiel ein Crêpe Bolognese (6,10 Euro), eines mit Pfeffersteak (7,10 Euro) oder den herzhaften Tram Spezial (6,90 Euro): ein Crêpe mit Hähnchen, Putenschinken und Spiegelei, dazu Tomate, Paprika und Käse sowie eine Spezialsauce, die leicht nach Curry schmeckt. An einem heißen Sommertag liegt die Kombination allerdings schwer im Magen.

Als süße Versuchung bietet das Tram Cafe Crêpes wie den Fragola Biscotto (4,70 Euro) an: eine Mischung aus Erdbeeren, Keks und ganz viel weißer Schokolade. Zur Auswahl steht auch die mittlerweile übliche Variante mit Oreo-Keksen (4,90 Euro).

Der Teig schmeckt ander Imbiss-Tram anders als man es von den meisten Crêpes gewohnt ist: nicht weich, sondern knusprig. Das irritiert beim ersten Hineinbeißen, man hat das Gefühl, der Teig habe etwas zu lange auf der Platte gelegen. Die Konsistenz ergibt jedoch Sinn: Ein weicher Crêpe könnte den mitunter üppigen Belag nicht halten.

Mittags schauen Anzugträger aus den umliegenden Büros auf eine schnelle Mahlzeit vorbei und treffen auf Studenten in Badeshorts und junge Eltern mit Kindern, die Lust auf einen schnellen Crêpe mit Nutella haben. Tische und Stühle gibt es an dem Stand nicht. Bei Sonnenschein kann man höchstens auf einer Mauer davor sitzen.

Wirklich gemütlich ist das um diese Uhrzeit allerdings nicht. Keine zehn Meter entfernt rauscht der Verkehr vorbei. Hier in der Leopoldstraße soll die Tram noch eine Zeit lang Kunden anlocken. Vorher stand sie auf der Terrasse des P1 und zur Faschingszeit auf dem Stachus – das Tram Café ist mobil. Und wandelbar.

Wenn es langsam dunkel wird, ändert sich die Stimmung in Schwabing. Dann wechselt die Musik von Italo-Pop und Jazz auf House. Eine grelle Unterbodenbeleuchtung wird eingeschaltet. Die alte Straßenbahn soll nun hungrige Nachtschwärmer anlocken. Erst um vier Uhr in der Früh ist am Wochenende Schluss. Das Tram Café wird damit zur Alternative für die Dönerbude.