Das Eatapas versetzt seine Gäste in mediterrane Gefilde

In dem Lokal im Westend sind es die Details, die ins Auge fallen: Andalusische Fliesen an der Wand, viele hübsch gemusterte Kissen. Und die Häppchen werden in großer Vielfalt zubereitet.

Der Name dieses Lokals im hinteren Westend, dort wo die Trappentreustraße an den Gollierplatz stößt, führt etwas in die Irre. “Eatapas” – das klingt nach internationaler Kette, nach einem globalen Store, der in Fußgängerzonen und Einkaufscentern Speisen nach dem Baukastensystem für anspruchsvollere Fastfood-Gourmets anbietet. In Wahrheit jedoch ist das Eatapas etwas ganz anderes.

Wortspiele kann man mögen, muss man aber nicht – zumal wenn sie auch noch mit Anglizismen verschränkt sind. Was die Münchner Gastronomen Lorenz Schlegel und Verena Schunko Beil dazu bewogen hat, ihr Restaurant so zu benennen, ist im wahrsten Sinne Geschmackssache. Essen lassen sich die dort individuell zubereiteten Tapas aber jedenfalls vorzüglich und ihr Lokal ist ein Unikat, ein wahres Schmuckstück.

Unter Tapas versteht der geneigte Kenner des mediterranen Raumes Häppchen. Sie werden in den Tapas-Bars in südlichen Gefilden gerne zu Wein und Bier gereicht. In Schälchen und kleinen Tellern angerichtet sind das Oliven, mal frittierte Sardellen, Serrano-Schinken, Muscheln – oder raffiniertere Varianten, ganz nach Kreativität des jeweiligen Experten hinter dem Tresen.

Woher der Name Tapas kommt und wer sie erfunden hat? Darum ranken sich die unterschiedlichsten Theorien. Weil Tapa im Spanischen Deckel heißt, sagen die einen, die kulinarische Erfindung ginge auf den Brauch zurück, alkoholische Getränke mit einem Deckel abzudecken, dieser sei anfangs mit Oliven beschwert gewesen. Andere meinen, König Alfons X. von Kastilien sei einst so malade gewesen, dass er zu Wein nur kleine Häppchen zu sich zu nehmen konnte – die Krankheit des Herrschers ging, die Tapas blieben.

Wie auch immer – das Eatapas ist ein ansprechendes, stylishes und doch gemütliches Lokal, das in jenen Räumen, in denen einst das Café am Gollierplatz logierte, in kurzer Zeit ein Stammpublikum gefunden hat. Es ist eine luftige Atmosphäre mit schlichten Holztischen und einer langen Bank an der Wand, dunkle Holz- und frische Blautöne finden sich hier. Es sind die Details, die ins Auge fallen: Andalusische Fliesen an der Wand, durch den zentralen langen Tisch im getäfelten Gastraum wächst ein Baum, viele hübsch gemusterte Kissen sind verstreut, jeder Teller ist anders, Hauptsache aber, er ist blau.

In eine Glasvitrine neben dem großen Holztresen sind fein säuberlich die kalten Tapas aufgereiht, für günstige 2,90 Euro das Stück. Die fröhliche Bedienung bringt verschiedene Schälchen mit grünen und schwarzen Oliven, mit einer fluffigen Paste von Thunfisch und einen großen Teller Humus mit Paprikapulver, sehr cremig, würzig und eindeutig hausgemacht. Lediglich das Schälchen mit Artischocken und Käse war etwas langweilig.

Rosa Marín saß am ersten Kostproben-Abend mit drei Mittestern am Tisch. Das hat den Vorteil, dass man fast alles von der kleinen, recht übersichtlichen Karte probieren kann. Auf dem Holztisch bietet sich dann ein tolles Bild: hier ein Tiegelchen, dort ein Teller, da Schälchen – und jeder probiert beim anderen ein wenig. Es war dann eine fröhliche und lebhafte Tischrunde – so lebendig, wie die Stimmung insgesamt im Eatapas ist.

Die Chorizo vom Grill (5,50 Euro), eine spanische Dorfwurst in Scheiben geschnitten, war leider schwarz verbrannt. Das war aber die einzige Enttäuschung in der ersten Runde. Die reichliche Portion Datteln im Speckmantel (4,90) ging weg wie nichts, so saftig und kross war die Kombination. Die Calamari fritti (6,90) mit Aioli und Zitrone schmeckten frisch, knusprig, zart, eindeutig keine Tiefkühlware.

Top die Boquerones (6,50), Sardellen, die zart frittiert und nicht zu wuchtig auf den Tisch kamen. Ebenso fein der nächste Tapas-Klassiker: Pimientos de Padron (4,50), milde Paprika mit grobem Meersalz. Das Sesam-Huhn (5,90), in Zitrone mariniert und mit Sesam-Honig-Sauce gereicht, lag auf gegrilltem Hokkaido-Kürbis, war aber leider etwas trocken, auch musste man den Sesam suchen.

Frisch und leicht startete die nächste Runde: argentinische Wildfang-Garnelen (8,90) mit Zitronenthymian gewürzt auf einem Beet verschiedener Melonen- und Tomatensorten, eine interessante Kombination. Wer keine kleinen Portionen mag, kann sich im Eatapas auch richtig große Teller bestellen: Rinderlende mit Süßkartoffelstampf, violetten Karotten und Kräuterbutter beispielsweise. Oder Lammkarree mit Kräuterpolenta (17,90) und den spanischen Klassiker Paella, eine große Reispfanne für 14,90 Euro mit allerlei Meeresgetier.

Perfekter Abschluss für einen Abend in diesem Lokal mit feiner und kleiner Weinauswahl sind die Nachspeisen: Die Zitronentarte, hausgemacht mit Kirschcouli (5,40), ist so riesig, dass der gesamte Tisch davon satt werden könnte. Was aber schade wäre – so bliebe kein Platz mehr im Magen für die Crema Catalana. Die gibt es für günstige 4,20 Euro. Sie ist fluffig, vanillig und hausgemacht, ein echtes Highlight.