Das Märchen vom Griechen

Glück im Gentrifizierungsunglück: Die Taverne Lithos ist wiederauferstanden, schöner und größer als zuvor. Ein klassischer Nachbarschaftsgrieche – aber die Karte bietet mehr als übliche Standards.

Inzwischen ist es in München so weit, dass Peffekoven seine eigenen Restaurantkritiken nicht mehr lesen mag, wenn sie mit den Worten beginnen: Es war einmal. Es war einmal ein behaglicher kleiner Grieche in der Isarvorstadt, es war einmal eine ehrliche alte Bierschenke, es war einmal die schummrige kleine Bar. Heute hockt der Eventgastronom, wo der Grieche, die Schenke, die Bar war, und verkauft kleine Pfützchen Wein zum neunfachen Preis. Es ist öd, über die Gentrifizierung zu lamentieren, nur leider ist das Lamento das Einzige, was einem bleibt, wenn wieder eine behagliche Einkehr verschwunden ist, als habe es sie nie gegeben. Daher:

Es war einmal ein kleiner behaglicher Grieche, gelegen an einer Ecke im tiefen Giesing, er war gemütlich, freundlich, wohnzimmerhaft, nur dass im Wohnzimmer keine netten Wirte umgehen und leckere Meeresfrüchtesalate mit herrlichem Weißwein servieren. Dieser Ort hieß Taverne Lithos, und eines Tages war die Taverne Lithos fort, was Peffekoven sehr ergrimmte. Und nun ist das Lithos wieder da, und Peffekoven weiß: Nicht jede dieser Geschichten geht traurig aus.

Ja, die Taverne musste umziehen, fort von der vertrauten Ecke. Der Grund: Gentrifizierung, was sonst. Sie ist aber, schöner und größer als zuvor, wieder auferstanden, gar nicht weit weg, am alten Ostfriedhof, und trägt nun den Namenszusatz “am Brecherspitz”. Fragt man die Wirtsfamilie, fremdelt sie manchmal noch etwas mit dem neuen Ort, weshalb Peffekoven ihr jetzt offiziell versichern darf: Das war mehr als Glück im Unglück, das Lokal ist eine Perle.

Es liegt im alten Wirtssaal unterhalb des Hotels Brecherspitze, und der große Raum mit Rundbogenfenstern und Holzvertäfelungen ist an sich schon den Besuch wert. Ansonsten hat sich, glücklicherweise, nicht viel geändert: das Wirtepaar Maria und Josef, wie alle Stammgäste einfach sagen, und deren Familie ist noch so herzlich wie einst, und sei der Stress auch noch so groß, und das Essen ist noch genauso gut.

Was die Speisekarte zu bieten hat

Bitte, das ist ein klassischer Nachbarschaftsgrieche, ehrlich und unverfälscht, keine haute cuisine. Aber die Karte bietet viel mehr als nur übliche Standards rings um Gyros und Fleischplatte. Groß war die Auswahl an warmen und kalten Vorspeisen, ergänzt durch frische Variationen von der Tageskarte wie einen herrlich zitronigen Meeresfrüchtesalat. Eine Variante: gegrillter Oktopus an Oliven-Zitronensauce mit Rucola. Auch Klassiker wie die Florinis, Feta in gegrillter Paprika, waren frisch und würzig.

Die Küche erlaubt sich bisweilen auch, sagen wir, Ausflüge in andere kulinarische Regionen, zum Beispiel mit einem argentinischen Rinderfilet, dazu Kräuterbutter und Rosmarinkartoffeln, mit 21,90 Euro auch preislich ein Ausreißer nach oben. Wo der Purist Beliebigkeit wittern könnte, meint Peffekoven: Warum nicht? Es schmeckte nämlich vorzüglich, war auf den Punkt gebraten und aus zartem, würzigen Fleisch.

Bei den Hauptspeisen überzeugten zunächst die zarten Schweinemedaillons in Senf-Honigsauce. Die Kalbsleber, zubereitet mit Salbeisauce, war fein und nicht zu derb, die Paidakia, Lammkrone mit frischem Salat, ebenso. Gyros mit Tzatziki gibt es natürlich auch, zur Freude von Peffekovens Kindern, das Fleisch vom Spieß war saftig und schön gewürzt; auch bei den Standards macht man eher nichts falsch. Es gibt auch fast täglich frischen Fisch, er wird morgens vom Markt geholt und mit frischen Kräutern zubereitet. Übrigens müssen sich Vegetarier nicht, wie sonst manchmal beim Griechen, mühsam etwas zusammenkratzen. Es gibt hier sehr anständige fleischlose Gerichte, etwa die Spaghetti à la Greca mit Oliven, getrockneten Tomaten und Artischocken in einer feinen Tomatensauce oder einen Eintopf aus frischem Gemüse. Die Preise sind insgesamt eher günstig, zumindest für Münchner Verhältnisse, und liegen bei Hauptspeisen meist zwischen 12,50 und 15,50 Euro.

Weine von griechischen Winzern

Eine sehr schöne Sache in der Taverne Lithos sind auch die Weine, vor allem die in der Flasche. Sie werden direkt von Winzern in Griechenland bezogen und sind meist nicht in Deutschland zu kaufen. Zum Essen schmeckte ein hervorragender weißer, erdig-trockener und körperreicher Malagouzia, die Flasche für faire 19,90 Euro. Diese Rebsorte von den sanften Hügeln Ätoliens wäre beinahe ausgestorben, erlebt aber eine erfreuliche Renaissance.

Auch der Neuling erfasst schnell, was für ein angenehmer Aufenthalt dieses Lokal ist. Gerade am Wochenende (übrigens: Reservierung empfohlen), wenn der Laden brummt, sitzen hier Nachbarn und Szenegänger, Studenten und Arbeiter einvernehmlich nebeneinander. Und am Ende gibt es einen aufs Haus, nämlich, na klar – einen Ouzo.



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