Les Deux München, Stephan Rumpf / Stephan Rumpf

Den Sternen so nah

Von Austern bis Hummer: Das Les Deux im Schäfflerhof ist ein außergewöhnliches Lokal. Kühne Fassade, perfekte Küche – und drinnen tummeln sich Münchens Genießer mit entsprechendem Geldbeutel.

Es dürfte die markanteste Fassade sein, die ein Restaurant in München zu bieten hat – abgesehen von Otto Kochs luftiger Kugel im Olympiaturm vielleicht. Hier, im Schäfflerhof, mitten in der Stadt, erstreckt sich diese bemerkenswerte Lokalität über zwei Stockwerke, vollverglast in einem kühnen Keil. Das Restaurant “Les Deux” spreizt sich ein in eine Welt irgendwo zwischen den Jimmy-Choo-High-Heels von Theresa nebenan und den Münchner Dirndln von Loden Frey ein Haus weiter.

Und das tut es ziemlich selbstbewusst. In diesem architektonisch herausragenden Ort logierten schon das “Ca’ Brunello” und das “Dukatz” – nun sind Fabrice Kieffer und Johann Rappenglück die Gastgeber: “Les Deux” eben, zwei passionierte Profis auf zwei kulinarischen Etagen. An ihren alten Wirkungsstätten waren beide mit Sternen verwöhnt, und es deutet sich klar an, dass sie sich auch hier mit nicht weniger zufrieden geben werden.

Man könnte nun gleich beginnen mit dem Entree, nämlich Gillardeau Austern in einer Marinade aus Yuzu, der japanischen Zitrusfrucht. Exakt so knapp und knusprig in Tapiokamehl frittiert waren diese drei Austern, dass sie innen noch roh-zarten Eigengeschmack verströmten und einen ganz großen, überraschenden Auftritt auf hübschem Porzellan mit einem Bett aus Meersalz hatten. Mit 21 Euro für diese Vorspeise erahnte man auch, wie exklusiv das Menü voranschreiten würde.

Doch verweilen wir zuerst bei den Betreibern: Der Elsässer Fabrice Kieffer darf sich mit diversen Auszeichnungen als Maître des Jahres, etwa vom Gault Millau, schmücken. Und Johann Rappenglück war der jüngste Küchenchef eines Drei-Sterne-Restaurants. Einst bei Meister Heinz Winkler im Chiemgau. Dort, in der “Residenz” zu Aschau, hatten sich die Zwei kennen- und schätzen gelernt. Der Traum vom eigenen Restaurant war zu greifen, als Rappenglück, der hier schon unter dem Logo “Dukatz” aufkochte, seinen Ex-Chefs diese Lokalität abkaufte.

Seit Oktober nun agieren Les Deux im Schäfflerhof, im Erdgeschoss ist die Brasserie den ganzen Tag geöffnet – vom Frühstück bis zu Rappenglücks Currywurst nachts, dazwischen gibt es Wildkräutersalat, Mini-Burger “à la Johann”, aufgepeppt mit roten Zwiebeln und Meerrettich-Mayonnaise, gebeizten Lachs, Rib Eye Steak, Cocktails und alles, was sich für eine Pause vom Designereinkauf in diesem Karree eignet. Die Preise darf man im Vergleich zu den Louboutins nebenan im Schaufenster als zivil bezeichnen.

Im ersten Stock, im Restaurant, tut sich dann abends eine eigene Welt auf. Sehr harmonisch ist die Bel Etage gestaltet, in warmen Grau- und Schlammtönen gehalten. Hier eine hübsche Stehlampe, dort ein einladender Designersessel. International das Publikum, das auch aus den nahen Hotels seine Aufwartung macht. Elegant, aber nicht steif geht es hier zu, lediglich die etwas zu steilen Lehnen der Sitzbänke geben einem das Gefühl, man habe einen Besenstiel verschluckt.

Dabei ist ja genau das Gegenteil der Fall – nach dem heimischen Saibling und Aal an Gurke und Zitrus schmiegt sich der kanadische Hummer an den Gaumen. Und damit wären wir beim täglich wechselnden Abendmenü für 79 Euro. Auch dieser zweite Gang ist sehr zu loben, die zarten Hummerscheren unter einem feinen Nudelblatt sind gehüllt in einen Curryschaum, der nicht vorschmeckt, das selbstbewusste Gewürz verdeckt nichts. Es geht Schlag auf Schlag, mit gutem Service-Timing, bei diesem Menü stimmt alles: Mit einer Krustentier-Butter aus einem Kännchen wird der nun folgende Wolfsbarsch veredelt, der ansprechend auf einem Pastinakenbett thront, bissgares, minigeschnipseltes Wurzelgemüse um sich versammelt. Ebenso überzeugend unter einer schönen Kruste kommt später der Lammrücken aus der französischen Region Limousin daher, die begleitende Ratatouille ist von der Konsistenz und Optik wunderbar gelungen, die Petersiliencreme recht eigensinnig, aber darum interessant.

Hier gibt man sich in der Küche alle Mühe, Neues, Raffiniertes zu erfinden, reduziert auf das Wesentliche, mit höchstens vier Komponenten – auf der Basis sehr guter Produkte natürlich. Ein Angebot von Blutwurst-Ravioli an Apfel und Entenleber (21 Euro), Entenconsommé mit Koriander und Glasnudeln (14) bis Bouillabaisse von Neuseeländischen Wildlangostinos (41) machen die Entscheidung schwer – neugierig waren wir aber dann auf die Krönung der Karte, denn der Preis von 53 Euro für eine Hauptspeise weckt höchste Erwartungen. Das Filet vom US-Rind im Duo mit Entenstopfleber an Püreeklecksen und Perigord-Trüffeln erfüllte sie dann aber nicht. Das Fleisch war zwar hervorragend, doch etwas saftlos, ohne Pfiff zubereitet – und leider, leider gerade mal lauwarm serviert.

Das war aber auch der einzige Fauxpas in diesem Restaurant, das sich so perfekt gibt – und irgendwie auch ist. Der Service ist angenehm professionell und die Weinkarte umfasst 350 Posten, eine schöne Auswahl überwiegend französischer, österreichischer und deutscher Gewächse. Handverlesen von Fabrice Kieffer und fair in den Preisen. Aber diese opulente Karte wäre ein eigenes Kapitel. Denn schon allein die Küche treibt es im “Les Deux” auf die Spitze – was nicht nur an der Architektur liegt.