Der Burgerladen, der schon vor dem Trend da war

Im M.C. Mueller gibt es seit 2006 Burger und Drinks – in einer Lage, die strategisch kaum klüger sein könnte.

Guter Vorsatz fürs nächste Jahr: aufhören, sich über ständig neue Burgerläden zu beschweren. Denn die Klage über den Hype ist in etwa so alt wie die immer gleichen Konzepte der ständig neuen Burgerläden . Älter ist nur die Burger-Begeisterung selbst. Und für die steht das MC Mueller wie kaum ein anderer Ort in München.

Das MC Mueller war schon da, als man das Wort Burger noch nicht mit Hype oder Trend verband. Lange bevor Instagrammer ihre Glücksmomente mit Avocado, Beef und Relish unter #burgerporn, #burgerholic oder #burgermania festhielten. Instagram gab es im September 2006 noch nicht. “Munich’s first premium Burger Bar” dagegen schon, diesen Titel beanspruchen die Betreiber für sich.

Explizit versteht sich das MC Mueller nicht als Burger-Restaurant, sondern eben als Bar, weswegen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren auch nicht reinkommen. Es gibt Burger und Drinks, fertig. Das ist seit 2006 annähernd gleich, auch wenn hier und da immer wieder umgebaut wurde. Man sitzt auf langen Bänken an einfachen Tischen oder am Tresen, es ist dunkel, wie sich das für eine Bar gehört. Im Sommer wartet ein Biergarten im Innenhof.

Drinnen stehen an einer Tafel nicht nur wechselnde Drinks und Burger, sondern auch die Namen der netten Menschen, die gerade an der Bar arbeiten. Eine Lampe an der Decke steckt in einem Käfig und scheint schwach durch die Stäbe, an der Wand ist ein großer Totenkopf zu sehen. Ein wenig erinnert das MC Mueller an eine Rockerkneipe auf dem Land, nur dass die Gäste hier auffällig gut aussehen.

Von anderen Burgerlokalen hebt sich das MC Mueller vor allem durch die Lage ab: Kreuzung Fraunhofer- und Müllerstraße, die Tram ist direkt vor der Tür. Besser kann man es kaum treffen, um eine Anlaufstelle für alle zu sein, die in einen langen Glockenbach-Gärtnerplatz-Bar-Hopping-Abend starten wollen. Vor 20 Uhr gibt es die Cocktails – man will ja vorbereitet sein – zudem für 6,50 Euro. Der Kellner freut sich bei der Bestellung ehrlich mit, dass noch Happy Hour ist: “Fünf vor acht, ja geil!” Später kosten die meisten Drinks von Margarita über Gin Fizz, Piña Colada und Hurricane dann 9,50 Euro, daneben gibt es auch Kreationen wie “MC Eichhörnchen” mit Gin, Zitrone, Cranberry, Mango und Ginger Beer, “König Kurt” mit Wodka, Ananas, Grenadine und Bitter Lemon oder diverse Whiskey-Mischungen von der Tafel. Den Munich Mule mit Duke Gin bekommt man für 10,50 Euro. Das Bier kostet 3,50 Euro, es wird aber im 0,4-Liter-Glas serviert; ein Bar-Trend, über den noch nicht ausreichend geschrieben wurde.

Gute Lage, eine große Auswahl an Drinks – da sind die Burger gar nicht mal mehr der erste Grund, um herzukommen. Es gibt sie etwa mit Rind vom Tölzer Bauern, Tomate, Salat, Gurke und Zwiebel als einfachen, klassischen “MC Mueller” (9,70 Euro). Für Vegetarier wartet “Wencke Möhre” (7,90 Euro), für den man allerdings Oliven wirklich mögen muss. Die neueste Erweiterung in der Karte ist ein leckerer veganer Burger auf Süßkartoffel-Basis (8,50 Euro). Mit 65 Gramm gibt es beim “Betty Blue” wenig Fleisch, dazu Blauschimmelkäse und Avocado (8,20 Euro), genauso wie beim “Mädchenburger” (heißt echt so, 7,90 Euro), was nicht nur harte Kerle etwas salatig finden könnten.

Wer’s braucht, nimmt die Burger unter der Kategorie “Think Big”, wo etwa “Mr. Hangover” mit Laugensemmel, Spiegelei und Angusrind (13,90 Euro) ebenso zu haben ist wie ein Burger mit Bisonfleisch (13,90 Euro). Da weicht das MC Mueller dann auch von der regionalen Linie ab, Bison und Angusrind aus Bayern sind einfach schwer zu bekommen.

Alle Burger werden mit Pommes, Ketchup und der würzigen Haussoße serviert. Schade ist, dass diese Soßen alle einzeln in Plastikschälchen an den Tisch kommen, genauso wie der Cole Slaw (2,50 Euro) zwar sehr gut ist, aber in seinem Plastikbecher irgendwie noch recht nach 2006 aussieht. Könnte man jetzt für Ehrlichkeit halten: Die Fastfood-Vergangenheit des Burgers wird nicht verleugnet. Könnte man aber auch einfach lassen.

Schöne Menschen hin oder her – ein gutes Lokal fürs erste Date ist das MC Mueller eher nicht. Weil die Gesprächswolke über allem auch mal lauter werden kann und die Nachbarn dann doch recht nah aufrutschen. Und weil man mit Burgern im Gesicht selten elegant aussieht. Besteck gibt es hier nicht. Nachtisch bietet das MC Mueller übrigens nur in Form von Schnäpsen an (3 Euro). Und das ist mal ein Konzept, das sonst nicht jeder hat.