Fattoria, oH / oH

Der etwas andere Italiener

Pizza oder Spaghetti Bolognese sucht man in der Fattoria in der Au vergeblich. Das kleine italienische Restaurant ist anders – und genau das macht es so besonders. Zu den ausgefallenen Gerichten sucht der Chef den Wein persönlich für seine Gäste aus.

Pizza, Pastaeinerlei, dazu Adria-Nippes. Italiener gibt es viele in München, leider ähneln sie sich oft bis ins Detail. Wirken mit ihren durchgesessenen Polstermöbeln und den Plastikblumen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Der Zeit, als das Land hinter dem Brenner noch als Sehnsuchtsort der Deutschen schlechthin galt. Die Fattoria in der Au ist anders und genau das macht sie so besonders.

Ein Rätsel bleibt allein der Name: Fattoria, Gutshof, das klingt nach Landgasthof. Doch das ist die Fattoria in der Au nun wirklich nicht. Dieser kleine Italiener ist großstädtisch im besten Sinne. Das Anderssein beginnt bei der minimalitischen Einrichtung, die eher an einen Asiaten als einen typischen Italiener erinnert. Ein paar einfache Holztische, dazu wundersam geformte Äste hinter Glas, fertig.

Pizza oder die obligatorischen Spaghetti Bolognese sucht man vergeblich auf der Karte, einem zerknitterten gelben Zettel in Klarsichtfolie. Stattdessen gibt es eine kleine Auswahl an Fisch und Fleisch und ungewöhnliche Pasta mit Pesto, Bohnen und Kartoffeln oder Rote-Beete-Parmesan-Sauce. Getränke fehlen ebenfalls auf der Karte, dabei bekommt man in der Fattoria vorzüglichen Wein. Doch den sucht der Chef für seine Gäste aus.

Zunächst kommt ein Gruß aus der Küche. Die Bruschetta stillen den ersten Hunger – und das ist gut so, in der Fattoria kann es bisweilen länger dauern. Der etwas wortkarge und doch stets freundliche Chef schmeißt den Laden alleine, obwohl der fast immer voll ist. Man kann nicht anders, als ihn dafür zu bewundern, wie er emsig zwischen den Tischen hin- und hereilt und sich alle Bestellungen ohne Notizen merkt. Schief geht dabei eigentlich nie etwas; nur bei der Rechnung muss man ihn bisweilen daran erinnern, dass man auch noch zwei Espressi hatte.

Das Beste kommt zum Schluss

Als Vorspeise bestellen wir ein Zucchinicarpaccio mit Tomatenragout, Ruccola, Parmesan und Öl (6,90 Euro), das herrlich frisch schmeckt. Dazu bekommen wir Wasser (4,80 Euro) und eine Flasche Wein (19,50 Euro) – angesichts der sommerlichen Temperaturen haben wir uns für einen weißen entschieden. Wie immer in der Fattoria bekommen wir zunächst einen Probeschluck. Wem der Tropfen nicht passt, der probiert einfach weiter. Doch das ist zumeist gar nicht nötig, der Besitzer hat ein gutes Händchen für den passenden Wein. So auch diesmal, der Wein schmeckt herb und gleichzeitig fruchtig.

Serviert wird er in der Fattoria nur flaschenweise, vor der Rechnung muss man sich dennoch nicht fürchten. Nachschenken darf man selbst, gezahlt wird aber nicht die ganze Flasche, sondern nur das, was man tatsächlich getrunken hat. In der Regel kostet die Flasche Wein zwischen 20 und 30 Euro.

Als Hauptspeise ordern wir Linguine mit Garnelen und Fischfilet (9,20 Euro) und Risotto mit Steinpilzen (11,50 Euro) – doch für beide Gerichte fehlen Zutaten. Macht nichts, in der Fattoria wird dann eben improvisiert. Zur Pasta kommen statt Garnelen Flusskrebse, die gut zur Tomatensauce mit Zucchini und dem Fischfilet passen. Das Risotto wird mit allerlei Gemüse serviert, ist aber leider eine Enttäuschung: Der Reis ist wässrig und hat wenig mit Risotto gemein.

Das Beste kommt zum Schluss. Ein Dreiklang aus Tiramisu, Pannacotta mit Erdbeersauce und Marzipan-Mohnmousse mit gemischtem Beerenragout (4,90 Euro). Wer sich mit der Entscheidung schwertut, ist in der Fattoria richtig – hier kann man auch von allem ein bisschen bestellen. Dazu gibt es einen Averna aufs Haus. Oft auch zwei.

Wer einmal in der Fattoria war, kommt wieder. Das eigenwillige Konzept stimmt. Ein Geheimtipp ist der kleine Italiener allerdings nicht mehr. Dafür ist das Essen einfach zu gut.