Die American Pancakes müssen beim Brunch im Lilli P. extra bestellt werden. (Foto: Moses Omeogo)

Der ganz normale Münchner Brunch-Wahnsinn

Wer im Lilli P. im Arnulfpark frühstücken möchte, sollte ein wenig Geduld mitbringen. Fürs Warten entschädigt das todschicke Interieur – und das üppige Buffet mit Prosecco.

Ein Sonntagvormittag im Herbst im neuen Stadtquartier Arnulfpark nahe der Donnersbergerbrücke. Die Straßen sind beinahe ausgestorben, doch vor einem der schicken Bürogebäude an der Lilli-Palmer-Straße hat sich eine meterlange Menschenschlange gebildet.

Ein unbeteiligter Passant könnte sich fragen, ob es hier irgendetwas gratis gibt. Aber nein, die Leute warten einfach nur auf den Einlass ins Lilli P. Kein Club, sondern ein Frühstückscafé. Sie haben für den Brunch reserviert, der nur sonntags angeboten wird. Da das Lokal erst um Punkt 10 Uhr öffnet und jeder Gast dann einzeln an seinen Platz geführt wird, kann es schon mal etwas länger dauern.

Das ist München: Wer am Wochenende frühstücken gehen will, muss Tage im Voraus reservieren, und selbst dann zuerst vor der Tür warten, weil es einfach so dermaßen voll ist.

Am richtigen Tisch angekommen, entschädigt das bildschöne Interieur, das auch als Kulisse für einen Wes-Anderson-Film dienen könnte. Heller Terrazzoboden trifft auf pastellige Fünfzigerjahre-Kacheln. Auf der Empore harmonieren hellblaue Wände mit Sitzbänken in Altrosa. Von der hohen Decke hängen kugelförmige Lüster, die wie futuristische Skulpturen aussehen. Diese außergewöhnliche Retro-Optik würde man nicht unbedingt in München erwarten, sondern eher in London oder New York.

Das Tagescafé ist der jüngste Coup der Münchner Interior Designerin Stephanie Thatenhorst und ihres Mannes, des Gastronomen Markus Thatenhorst, sowie dessen Bruder Florian. Die Familie betreibt in München bereits das Occam Deli, den Theresa Grill und einige weitere Lokale. Alle Läden haben das gewisse Etwas, nach dem sich der kosmopolitische und Instagram-geprägte Großstädter so sehnt.

Was gibt es dort und was kostet es?

Wer nach einer weiteren Runde Anstehen, dieses Mal am Buffet im Erdgeschoss, endlich zu den Speisen vorgedrungen ist, hat eine große Auswahl. Ein Koch bereitet vor den Augen der Gäste ständig frisches Rührei und Spiegeleier zu, daneben brutzeln Würstchen – besonders gefragt bei den US-amerikanischen Gästen. In den Brotkörben finden sich Baguettes, Semmeln, Mini-Croissants. Daneben gibt es Aufschnitt, Obst, Joghurt, Marmelade, Nuss-Nougat-Creme, Frischkäse: Alles, was zu einem klassischen Brunch gehört, ist reichlich vorhanden.

Besonders fein ist jedoch die Käseplatte mit vielerlei Sorten Berg- und Weichkäse, von denen man sich die Stücke selbst anschneiden kann. Außergewöhnlich wird es dann bei den Salaten, die asiatisch angehaucht daherkommen, etwa der Algensalat oder die Udon-Nudeln mit Shiitake-Pilzen.

In einem Sektkühler wartet Prosecco, der wie Wasser auch im Buffet-Preis (18,50 Euro) inbegriffen ist. Kaffee (Cappuccino drei Euro) und Tee (von “Bioteaque” im Chiemgau, vier Euro) müssen extra bestellt werden. Ebenso die American Pancakes mit Blaubeeren und Ahornsirup oder der French Toast mit Zimt-Zucker und Vanilleschaum. Auch die Avocadocreme mit mariniertem Quinoa, pochiertem Bio-Ei und Koriander kostet extra (jeweils 3,50 Euro).

Wer geht da hin?

Das Publikum beim Brunch im Lilli P. ist homogen. Fast alle Gäste sind zwischen Ende 20 und Anfang 40. Darunter sind viele Münchner, vielleicht ein paar Touristen. Menschen, die offenbar Wert auf Design und eine legere Atmosphäre legen. Und die bereit sind, für ein angesagtes neues Lokal Schlange zu stehen. Da wirklich jeder Platz belegt ist, kann es schon mal etwas lauter werden.

Zweieinhalb Stunden hat man Zeit, um sich am Buffet zu bedienen, denn um 12.30 Uhr kommen die nächste Reservierungen für die zweite Brunchrunde – und das Anstehspiel geht von vorne los.

Lilli-Palmer-Str. 2, 80636 München, 089/90175452, Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 8 bis 20 Uhr, So. 10 bis 15 Uhr, www.lillip.de