Der Geist der Cocktail-Grotte

Hier können Drinks sogar nach thailändischen Suppen schmecken: Im Auroom im Glockenbachviertel zeigt sich, dass München eine hervorragende Barkultur hat.

In so einigen Münchner Bars wird das Geistreiche in doppelter Hinsicht gepflegt. Spirituosen heißen ja nicht umsonst so. Und weil sie so manchen Denker zu geistreichen Sprüchen inspiriert haben, finden sich in Getränkekarten oft nette Zitate, bei denen man sich fragt, welche und wie viele Drinks es dazu gebraucht hat.

“Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein”, soll zum Beispiel der Schriftsteller und Regisseur Jean Cocteau gesagt haben. Winston Churchill wird das Bonmot zugeschrieben: “Der trockenste Martini ist eine Flasche guter Gin, die mal neben einer Vermouthflasche gestanden hat.” Dieses und noch mehr in der Art gibt es in der Karte der Bar Auroom zu lesen. Seit fünf Jahren schon gibt es das kleine Lokal in der Hans-Sachs-Straße, das Alexander Wimmer und Sabine Lange mit Leidenschaft betreiben.

Eine Sparversion der Venusgrotte

Der Name Auroom spielt auf das lateinische Wort für Gold “Aurum” an. Entsprechend gestaltet sich das Interieur: Es ist eher dunkel, dafür schimmern die Wände gülden, was ein bisschen wie eine Sparversion der Venusgrotte von Schloss Linderhof wirkt. Die Drinks, von denen die allermeisten der mehrfach für seine Mix-Kunst ausgezeichnete Alexander Wimmer kreiert hat, sind alles andere als grottig, um beim Bild zu bleiben. Sie sind überraschend und bieten wie ein raffiniertes Essen mehrere Geschmackserlebnisse nacheinander.

Den “Catcher in the Rye” (12 Euro), zum Beispiel hat man bestellt, weil man in der Jugend das Buch so mochte. Nach dem ersten Schluck fragt man sich, was wohl J.D. Salinger dazu eingefallen wäre – sicher etwas geistreiches: Der Drink besteht aus Roggen-Whiskey, Rum, Kräuterlikör und Bitters – und ist doch ziemlich umwerfend, sowohl vom Gehalt her als auch vom Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den “Pine Seed Old Fashioned” (12) mit gerösteten Pinienkernen, der eher kein Mädchendrink ist, wie zwei Mittrinkerinnen einhellig bestätigten.

Bei den Frauen kam der “Tom Kha Waak” (9,50) schon besser an, der laut Bartender von der berühmten thailändischen Tom-Kha-Gai-Suppe mit Kokosmilch inspiriert ist und auch ähnlich schmeckte (das Hühnerfleisch vermisst man hier nicht). Großartig erfrischend sind auch der “Thyme after Thyme” (11) mit frischem Thymian. In der Gin-Liga überzeugen etwa der Ginger Fizz (10) sowie der Improved Ruby Fizz (10).

Bier gegen den schlimmsten Durst

Natürlich mischt Keeper Alexander Wimmer auch bekannte Standarddrinks oder serviert einfach einen Wein (zum Beispiel Lugana für acht Euro je 0,2 Liter). Die Whiskykarte ist ansehnlich, ebenso die Gin-Auswahl, es gibt mehrere Champagnersorten (etwa Ruinart Rosé für 125 Euro die Flasche; wer es etwas billiger mag, bekommt einen Nicolas Feuillatte brut für 60 Euro).

Anders als in manchen Bars, deren Chefs sich der anspruchsvollen Cocktailkultur verschrieben haben, wird auch Bier ausgeschenkt (Paulaner für 3,50 Euro je 0,33 Liter), womit man erst mal den schlimmsten Durst löschen kann, bevor man mit den Drinks loslegt. Und auch der Hunger lässt sich im Auroom bestens stillen, zum Beispiel mit leckeren Hackfleischbällchen vom Metzger mit selbst gemachter scharfer Soße, einem Schinken-Käse-Sandwich, Datteln im Speckmantel (jeweils fünf Euro), oder einem Flammkuchen (8,50) – einfaches, aber gutes Barfood.

Freilich ist so ein Abend mit ausgezeichneten Drinks und leckeren Snacks nicht ganz billig. Dennoch lohnt es sich, ab und zu vorbeizuschauen. Denn auch das Auroom ist eines von mehreren Beispielen, dass es in München eine wunderbare Barkultur gibt, mit echten Könnern hinterm Tresen.