Der kleine Bruder des Bahnwärter Thiel

Am Mollsee im Westpark hat das Bauwagencafé Gans am Wasser eröffnet.

Das Gans am Wasser ist ein bisschen wie Urlaub mitten in der Stadt, mitten in Sendling, unweit des Heimeranplatzes. Es ist, wie der Name andeutet, ganz nah am Wasser, am Mollsee im Westpark nämlich. Hier ist die Welt schwer in Ordnung. Gänse ziehen gemächlich ihre Kreise, kein Verkehrslärm dringt durch die dichten Baumkronen. Nur entspannte Musik ist zu hören, die, die das Café spielt, das am Wochenende hier eröffnet hat.

Gans am Wasser ist der kleine Bruder des Bahnwärter Thiel, dem Zugwaggon, der momentan Station vor der Filmhochschule macht, tagsüber Kaffee und abends Bier ausschenkt und dazu kleine Konzerte und Lesungen veranstaltet. Betrieben wird es von Daniel Hahn. Und Julian Hahn, der zusammen mit seinem Kindergartenfreund Florian Jund das Gans am Wasser macht, ist dessen kleiner Bruder.

Ein alter Fleischerwagen von 1969 ist das Herz des Gans am Wasser. Sie fanden ihn in einer Scheune im Viehhof, wo der Bahnwärter über den Winter parkte, und er ist kleiner als der Zugwaggon, Platz für Gäste ist drinnen nicht. Aber Platz für Eis vom Riviera und Kuchen vom Café Kubitschek und für frisch gepresste Säfte und für eine Kaffeemaschine, und die Gäste, die sitzen einfach vor dem Wagen. Auf den Bierbänken im Kies oder auf den Sitzgelegenheiten am Ufer, zusammengenagelten Paletten, die mit bestickten Sitzkissen verziert sind, auf den Schnörkelstühlen, die die Betreiber bei Haushaltsauflösungen aufgetrieben haben, in auseinandergeflexten Badewannen.

Als Toilette dient ein umfunktionierter Bauwagen, ein Zelt bietet Schutz vor Regen und Sonne. Viel Arbeit und Kreativität haben Hahn und Jund, 24 und 23 Jahre alt, und ihre Freunde in die Gestaltung ihres Cafés gesteckt. Drei Monate allein haben sie den Fleischerwagen saniert.

“Ich kannte das alte Café an dieser Stelle, ich bin dort drüben aufgewachsen”, sagt Julian Hahn und zeigt über den See, hinter die Bäume, nach Sendling. “Als Kind war ich auf dem See Schlittschuhlaufen. Wir haben uns schon oft auf diesen Standort beworben, und jetzt hat es endlich geklappt.” Bis 2013 stand hier seit den 80er Jahren ein Seecafé, welches abgerissen werden musste. Anwohner hatten es schmerzlich vermisst. Bis Dezember läuft der Pachtvertrag mit der Stadt erst einmal. Auch im Winter will das Gans im Wasser den Betrieb aufrecht erhalten, den Ort weihnachtlich herrichten. Es ist so ein hübscher Fleck hier, damit kann man gar nichts falsch machen”, sagt Julian Hahn.

Den Fleck hier besuchen vor allem Anwohner, und die scheinen sehr angetan von dem Neuzugang im Viertel. Eine ältere Dame streicht entzückt über die Blümchendeko an den Paletten. Zwei Radler machen halt und trinken ein Bier, kleine Kinder kraxeln an der Badewanne. Dazwischen schöne junge Menschen, Freunde der Betreiber und solche, die neugierig sind auf das neueste Projekt aus der Wannda-Schmiede. Bier allerdings gibt es außerhalb der Eröffnungsfeier vorerst nicht, das Gans am Wasser hat keine Alkohollizenz bekommen.

So muss sich allein an der Schönheit des Fleckchens und dem Zucker des Kuchens berauscht werden. Es gibt weitaus schlimmeres als das.

Gans am Wasser, Mollsee im Westpark, Montag bis Donnerstag 14 bis 21 Uhr, Freitag 14 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 22 Uhr, Tel. 089/45215063

Nachtrag: Seit dem 25. August darf das Gans am Wasser auch Bier und Wein ausschenken.