Der Service im "Pils Doktor" ist herzlich, die Preise sind moderat: Die Zeit ist in der kleinen Bar in Schwabing wohltuend stehen geblieben. (Foto: Florian Peljak)

Der Korn kommt mit der Bahn

Wer den Norden mag, geht in den Schwabinger Pils Doktor. Und wer den Süden mag, hat in der Kultkneipe auch immer einen Platz.

Der “Pils Doktor” ist eine Bar, wie es nur noch wenige in München gibt. Relativ klein, behaglich, unprätentiös, mit guten Cocktails zu einem Preis von 6,50 Euro. Es ist eine Kultkneipe, die es schon seit 1972 gibt – und das merkt man ihr an. Man merkt ihr auch den Bezug zum Norden an, nicht umsonst steckt das “Pils” im Namen, obwohl es auf der Karte viele Biere gibt. Ein wenig hat man das Gefühl, in eine nordische Kneipe gekommen zu sein, in der der Münchner Schick keinen Platz hat.

Die Fliesen der Bar sind hell, draußen vor der Tür stehen blaue Plastikstühle, innen ist das Licht schummrig und warm. Der Tresen besteht, wie die Barhocker, aus dunklem Holz. An der Wand entlang laufen Eisenbahnschienen, auf denen eine Lok aus vergangenen Zeiten steht, die kurz unter der Decke ihre Runden durch die Bar dreht. Stralsund und Bremen heißen die Bahnhöfe, sollte einer doch den Süden vorziehen, geht es auch nach Lenggries.

Neben den Bieren (3,70 Euro für 0,5 Liter) hat die Karte einiges zu bieten. Einen Gin Tonic gibt es für 6,50 Euro, ein Glas Merlot für 4,20 Euro und einen Sex on the Beach für 6,00 Euro. Die vielen Schnäpse kosten drei Euro. Und wenn eine Gruppe gleich eine ganze Flasche bestellen möchte, so ist auch dies möglich. Obwohl die Preise deutlich unter dem liegen, was andere Bars in Schwabing fordern, schmecken die Cocktails sehr gut. Was vielleicht auch an dem Barkeeper liegt, der sich mit Liebe, Witz und Mühe um seine Gäste kümmert.

Überhaupt herrscht in dem kleinen Raum der Bar eine besondere Atmosphäre. Wie in einem Wohnzimmer finden die unterschiedlichen Gäste zueinander. Beinahe automatisch hört man mit, worüber die Menschen sich an den anderen Tischen unterhalten. Plötzlich lacht man mit den anderen, kommentiert eine Aussage – und ehe man es sich versieht, reicht das Gespräch vom Tresen bis in die hinterste Ecke. Das Publikum besteht überwiegend aus Studenten, die sind ohnehin gesellig.

Von 22 Uhr füllt sich die Bar zunehmend, bis 5 Uhr morgens ist geöffnet. Dann wird hier auch ordentlich gefeiert. Gegen den Hunger gibt es Kleinigkeiten wie Currywurst, Hotdog oder Schwarzbrot mit Käse. Die Eisenbahn hat oft Schnapsgläser und eine Flasche Korn an Bord. Wer will nicht seine Getränke aus einer alten Lok entgegennehmen, die dorthin gefahren kommt, wo man sich niedergelassen hat? In Schwabing , aber auch irgendwie im Norden.