Die besondere Aura des Kleinhäuslerhofs

Der Buchscharner Seewirt hat ein Ambiente, das auch Hochzeitsgesellschaften zu schätzen wissen.

Morgens im Erholungsgelände Ambach. Vor dem Buchscharner Seewirt ist es noch ruhig. Erst später füllen sich die Wiesen an schönen Sommertagen mit Badegästen. Sie liegen vor dem mehr als 200 Jahre alten Kleinhäuslerhof, in dem das Gasthaus untergebracht ist. Ohne Trubel kann Irene Hammerschmied gegen 9 Uhr den Blick auf den Starnberger See und das gegenüberliegende Ufer genießen. Einen besseren Arbeitsplatz kann sie sich nicht vorstellen. “Es ist der schönste Platz der Welt, egal bei welchem Wetter”, sagt die 52-jährige Restaurantleiterin aus Geretsried. Seit mehr als 20 Jahren ist sie im Buschscharner Seewirt tätig und so etwas wie die gute Seele des Gasthauses – und die rechte Hand des Pächters. “Für mich gibt es nach Buchscharn nichts mehr.”

Die Lage auf dem Erholungsgelände macht das Gasthaus zu einem Ort der Extreme zwischen sommerlichem Trubel und melancholischer Stille, besonders wenn im Herbst die Nebelschwaden sich wie Watte an die Seeoberfläche schmiegen. Dann kommen vor allem die Stammgäste aus der Region gerne zu dem Wirt mit der bodenständig-raffinierten Küche mit dem Schwerpunkt auf Fisch- und Wildgerichte.

Bis Ende der Achtzigerjahre stand das heutige Gasthaus als sogenannter Kleinhäuslerhof – kleiner landwirtschaftlicher Betrieb – in der Tiroler Wildschönau. 1988 sollte es einem Neubau weichen. Doch die Münchner Spaten-Brauerei erwarb das Haus, ließ es in seine Einzelteile zerlegen, jeden Balken und jedes Brett nummerieren und ans Ostufer des Starnberger Sees transportieren. Dort wurde es Stück um Stück wieder aufgebaut. Die alten Holzdecken und Wände der gemütlichen Gasträume im ersten Stock für insgesamt gut 80 Personen verbreiten eine angenehme Atmosphäre. Die Gäste sitzen an Holztischen mit buntem Blumenschmuck.

Die besondere Aura des alten Bauernhauses gefällt Hammerschmied. “Es ist immer heimelig wie in einem kuscheligen Käfig, selbst wenn es im Winter manchmal schwierig ist, nur wenig Tageslicht durch die kleinen Fenster fällt.” Sie hat 1994 begonnen, für den heutigen Pächter des Buchscharner Seewirts zu arbeiten, damals leitete der auch noch die Glashütte in Wolfratshausen. Für Hammerschmied war das ein echter Quereinstieg in die Restaurantbranche. Sie war gerade 30 Jahre alt geworden, hatte als Chefsekretärin gearbeitet und Messen auf der ganzen Welt organisiert. Sie telefonierte zwar viel, doch der direkte, persönliche Augenkontakt von Mensch zu Mensch fehlte ihr.

An ihrem Beruf gefällt Hammerschmied, dass sie individuell arbeiten kann. “Kein Tag gleicht dem anderen.” Sie organisiert im Buchscharner Seewirt das Büro, plant Reservierungen oder spricht das Menü für Feste ab. Für Hochzeitsgesellschaften organisiert sie gerne auch die Dekoration vom Blumenschmuck bis zu den Tischdecken.

Aus See und Wald rund um den Seewirt stammen die wichtigsten Zutaten für die hauseigene Küche: Jäger aus der Region liefern Reh und Hirsch, auch mal eine Gams, für die Wildgerichte. Aus dem Starnberger See bezieht das Küchenteam Renken, Zärten und Hechte. Fleisch kommt von der Metzgerei Haller aus Murnau. Bei Konditormeisterin Maria Pilch in Baierlach bei Eurasburg kauft das Gasthaus Kuchen und Käse vom Hof der Familie ein.

Die Kombination von Wald- und Seeprodukten spiegelt sich in der Speisekarte wieder. Hauptgerichte gibt es von 9,80 Euro bis 26 Euro. Zu den Klassikern zählt die Buchscharner Fischsuppe. Das Küchenteam serviert Fischfilets von Saibling und Zander, Scampi und Muscheln in einer klaren Brühe mit in Streifen geschnittenen Karotten, Sellerie, Lauch oder Petersilienwurzel. Fisch und Wurzelgemüse verschmelzen auf der Zunge zu einem feinen süß-säuerlichen Aroma. Je nach Lust und Appetit kann der Gast die Fischsuppe als Vorspeise für 9,80 Euro oder für 18,80 Euro als Hauptgericht bestellen. Wer noch vom Dessert probieren möchte, sollte ein bisschen mehr Hunger haben. Anfang August serviert die Küche Reh-Nüsschen, die zwar zart, doch eine Idee zu stark durchgebraten waren. Die Pfeffer-Kirsch-Sauce brachte dagegen eine harmonische Geschmacksbalance. Dazu schmeckten Karotten- und Zucchini-Gemüse und gefüllte Gnocchi.

Neben der Standardkarte gibt es eine Karte mit saisonalen Gerichten, die alle ein bis zwei Wochen wechselt. Durch das Rinderfilet, mit 26 Euro das teuerste Hauptgericht, glitt das Messer butterzart. Dazu gab es Kartoffelpüree mit Pfifferlingen und gebratenem Gemüse. Zum Nachtisch setzt die Küche auf Klassisches wie Kaiserschmarrn oder Apfelkücherl. Raffiniert: die mit Mohn gefüllten Maultaschen auf Rhabarberkompott. Die Marillenknödel auf Beerenkompott mit Schokoladeneis zu 7,80 Euro waren geschmacklich stimmig aufeinander abgestimmt. Einzig dem Teig um das Steinobst hätte ein wenig mehr lockere Textur gut getan. Daneben stehen auf der Karte Suppen und Brotzeiten, Starnberger See-Renke, Wildererpfanne und Schnitzel vom Kalb oder Schwein.

Für Feste und Hochzeiten stimmt Restaurantleiterin Hammerschmied das Menü vollkommen frei mit den Gästen ab. Selbst als einmal asiatische Crossover-Küche gewünscht war, habe sie das möglich gemacht, erzählt sie. Mit ihrem Team habe sie geplant und verschiedene Rezepte sofort ausprobiert. Dass sie so kreativ sein kann, macht für Hammerschmied den Reiz beim Buchscharner Seewirt aus. Wie sie hinzufügt, verstehen sich alle Mitarbeiter als Allrounder. Jeder übernehme vielfältige Aufgaben, helfe den Salat vorzubereiten oder packe mit an, falls Stühle und Tische aufgebaut werden müssten. Im Seewirt wird frisch ohne Convenience-Produkte gekocht. Deshalb benötigten die Gerichte eben Zeit, sagt Hammerschmied. Etwas mehr Zeit brauchen mitunter auch die Gäste in der teils trubeligen Hochsaison. Stammgäste bevorzugen für einen Besuch deshalb die Zeit von September bis Mai.