Die ehrliche Bar nebenan

Plastikblume, Bogart und Bergmann: Das Casablanca ist eine Bar, in der man schnell dazu gehört.

Der beste Platz im Casablanca ist der Platz am Tresen. Was damit zusammenhängt, dass der Tresen hier alle zusammenbringt. Was aber auch damit zusammenhängt, dass es außer Tresen nicht viel gibt. Und das ist auch gut so.

Das Casablanca in der Ehrengutstraße ist eine dieser Bierkneipen, die in München auch gerne als Boazn bezeichnet werden, für Nicht-Münchner könnte man auch sagen, eine dieser ehrlichen Kneipen. Die von außen nicht viel verraten von dem Abend, der einen erwarten wird. Und die nicht mehr versprechen, als sie erfüllen können. Anders als so manch ein hipper Laden, der von außen hui ist, in dem man dann aber in chilligen Sitzpolstern im Laufe des Abends immer tiefer versinkt und wegdöst.

Zwischen Plastikblume und Humphrey Bogart

In der Kneipe im Dreimühlenviertel gibt es einen kleinen, schmalen Raum mit Tresen und Barhockern, an der Wand blickt Humphrey Bogart ganz tief Ingrid Bergman in die Augen, Romantik in Casablanca, in der Ecke leuchtet eine Plastikblume und im kleinen Hinterzimmer der Spielautomat. Kein Chichi, nichts Bemühtes. Betritt ein Gast zum ersten Mal das Casablanca, nur mal kurz auf ein Bier, öffnet er noch etwas zögerlich die Tür, wird er in so einer kleinen Bierkneipe schließlich sofort bemerkt und kennt doch niemanden.

Setzt er sich also an den Tresen, trinkt ein Bier, und dann noch eines, um schließlich viele Stunden später, mindestens ebenso zum Casablanca zu gehören, wie Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Oder wie der italienische Friseur, der die Straße runter seinen Salon hat, Tango tanzt und unschlagbare Tipps gegen Haarspliss kennt, der Inder, der weiß, warum Putin gar nicht so verkehrt ist, oder wie die Japanerin, die München liebt, obwohl sie doch eigentlich in Berlin wohnt oder der Speditionsfahrer, der seinen Bruder besucht.

Entspannt, herzlich und geduldig

Das völker- und themenüberspannende Element des Abends ist nicht nur der gemeinsam geteilte Tresen, sondern auch der Mann dahinter: Matthias Grund. Ziemlich entspannt, ziemlich herzlich und ziemlich geduldig ist er für seine Gäste da. Und dabei hat man noch den Eindruck, dass es ihm wirklich Freude bereitet, fast jeden Tag bis 3 Uhr früh hier Bier auszuschenken (Giesinger, Tegernseer, Franziskaner, Augustiner, jedes Bier 0,33 oder 0,5 Liter: 3,- Euro; Saftschorle, 0,4 Liter 3,-). Und wenn Gäste um diese Zeit noch da sind, dann auch länger.

Matthias Grund kommt aus Norddeutschland, hat in Münchner Brauhäusern gekellnert, auf einem Schiff gekocht, in England in einem Hotel gearbeitet, bis es ihn dann schließlich wieder nach München zog. Diesesmal aber, um seinen eigenen Laden aufzumachen. Gemeinsam mit einem Freund, Franco Sgherri-Esposto. So haben die beiden die Bierkneipe in der Ehrengutstraße, die es ihren Angaben zufolge schon seit 1810 gibt, vor einigen Monaten übernommen. Von 17 bis 1 Uhr kann man im Casablanca auch essen, ein wechselndes Gericht des Tages, natürlich frisch und selbstgekocht.



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