Robert Haas

Die Hotelbar, die keine sein will

In der neuen Bar im Hilton Hotel werden Getränke geräuchert und in verschiedene Geschmacksrichtungen unterteilt. Das soll vor allem Münchner Gäste locken.

Einen Monat hat es sich verzögert, nun ist die Juliet Rose Bar eröffnet. Fast zwei Jahre ist an dem Konzept für die neue Bar im Hilton City Hotel gefeilt worden. Denn eins will das Juliet Rose auf jeden Fall nicht sein: eine typische Hotelbar.

Herausgekommen ist eine Lokalität, die mit ihren runden Tischen, Holzvertäfelungen und verspiegelten Säulen an ein Kabarett aus den Zwanzigerjahren erinnert. Über die Decke erstreckt sich ein Wirrwarr aus Messingrohren, Hunderte übergroße Glühbirnen beleuchten den Raum. “Vor lauter Liebe ins Detail sind wir nicht rechtzeitig fertig geworden”, sagt Oliver von Carnap. Carnap leitete bis zum Frühjahr die Madam Bar in einem ehemaligen Striplokal. “Ich bin jetzt 44, Zeit, seriös zu werden.” Fürs Juliet Rose entwarf er die Getränkekarte – und die ist reichlich kompliziert. Cocktails gibt es in den vier Geschmacksrichtungen woody, herbal, floral und fruity. Während es sich bei woody um kräftige, anspruchsvolle Drinks handelt, sind floral-Getränke leicht und aromatisch.

Wer sich für den Maple Walnut Old Fashioned (11,50 Euro) entscheidet, sollte sich dazu an die Bar setzen. Der Barkeeper räuchert das Getränk unter einer Glocke mit Ahornholz. Wer es einfacher mag, bestellt ein Glas Wein in einer der vier Geschmacksrichtungen (ab fünf Euro für 0,1 Liter). Dazu gibt es kleine Speisen, wie gegrillten Lauch mit Honigsauce (5,50 Euro) oder eine Platte mit Charcuterie und Ziegenkäse (12,50 Euro). Hinter der Bar, die sich durch ihre U-Form besonders fürs Flirten eignen soll, steht ein kleines DJ-Pult, an dem von Donnerstag bis Samstag aufgelegt werden soll.

Manager Sebastian Lumpe will auf keinen Fall, dass das Juliet Rose als Hotelbar wahrgenommen wird. “Die Leute sollen wegen des Konzepts herkommen.” Und das orientiert sich an einer der teuersten und raffiniertesten Rosenarten der Welt, der Sweet Juliet. Angeblich hat sie den britischen Rosenzüchter David Austin zehn Jahre Zeit und drei Millionen Pfund gekostet. Bis das Juliet Rose endgültig fertig ist, soll es aber nicht so lange dauern: In den nächsten Tagen soll die Terrasse noch begrünte Trennwände als Sichtschutz und Heizstrahler für die kälteren Tage bekommen.