Die "Spezlwirtschaft" hat eine neue Heimat gefunden

Das neo-bayerische Lokal zieht von der Innenstadt nach Sendling. Dort will man die Wirtschaft an das neue Viertel anpassen – inklusive Stehausschank.

Für Philipp Hanrieder ist der Neustart ein dreifacher. Zum einen der, den gerade alle haben, die in Bayern eine Gaststätte betreiben – den ganz behutsamen nach der Zwangsschließung. Zum anderen den Neustart seiner alten Spezlwirtschaft in der Altstadt an einem neuen Ort. Das bayerische Wirtshaus modernen Stils musste ja im März dichtmachen, weil eine langwierige Renovierung der Immobilie ansteht. Und schließlich noch ein persönlicher Neustart. Denn Hanrieder ist in Sendling aufgewachsen, nicht weit weg von da, wo jetzt die Spezlwirtschaft neu ersteht. "Mein Vater wohnt noch hier", sagt er, "auch meine beiden Omas leben im Viertel." Fühlt sich gut an, meint der 35-Jährige, "ich hab' jetzt echt auch wieder Bock auf Sendling".

Die neue, alte Heimat befindet sich an der Ecke Impler-/Oberländerstraße. Hier war lange Jahre die Pizzeria Casa mia, später dann Georgios, der Grieche. So hieß das Lokal tatsächlich. Es blieb nicht sehr lange. Danach fragte Spaten-Löwenbräu-Chef Bernhard Klier Philipp Hanrieder und seine drei Geschäftspartner, ob sie das Lokal übernehmen wollten. Die Spezlwirtschaft an der Ledererstraße in Münchens zweitältestem noch erhaltenen Haus, dem Zerwirkgewölbe, war eigentlich hervorgegangen aus dem Hip-Hop-Club Crux, der sich im ersten Stock des Gebäudes befand. Hanrieder hatte ihn zusammen mit seinen Kompagnons Thomas Nothaft, Marco Reger und Robert Lorenz vor zehn Jahren eröffnet. Nach ein paar Jahren kam dann die Spezlwirtschaft im zweiten Stock hinzu: einer der ersten Neo-Bayern in der Stadt – also ein Wirtshaus mit Anklängen an die Tradition, in das man aber vor allem als junger Mensch gerne hingeht, weil es da nicht so verzopft ist und trotzdem heimatlich.

Das Konzept kam gut an, die einfache Ausstattung mit den schweren Holztischen und den abgewetzten Stühlen gefiel. Ebenso die Speisekarte, die Klassiker wie Wiener Schnitzel mit Erdäpfelkas, Pommes und Salat, Käsespätzle mit Röstzwiebeln oder Rahmfleckerl mit Sauerrahm, Speck und Frühlingszwiebeln enthielt. Den Wirtshausklassiker Schweinsbraten freilich gab es nicht, den hat nur die Dependance der Spezlwirtschaft in der Pariser Straße 34 in Haidhausen sonntags auf der Brunch-Karte.

Nun also Sendling, Implerstraße, direkt an der U-Bahn, die alte Stammkundschaft muss nur vier Stationen weiterfahren. Viel von der alten Spezlwirtschaft kommt hier wieder zum Einsatz, die Holztische und die Stühle zum Beispiel. Hanrieder macht das Lokal zusammen mit Robert Lorenz, die anderen überlegen noch, ob sie das Crux woanders wieder aufziehen. Natürlich wird es künftig kein Hofbräubier mehr geben, die Brauerei hat da momentan Löwenbräu im Angebot sowie Weißbier von Franziskaner. Aber auch Wein wird eine Rolle spielen, schließlich hat er eine Sommelierausbildung gemacht.

Freilich: Die Spezlwirtschaft soll ins Viertel passen. 3,40 Euro für die Halbe Helles stellt sich Hanrieder vor, es soll einen kleinen Stehausschank zur Oberländerstraße hin geben, und das Essen wird komplett selbst gemacht. "Die Pommes aus richtigen Kartoffeln, auch die Spätzle reiben wir selber." Da legt er Wert drauf. Wie es schmeckt, können die Sendlinger erst Ende Mai erfahren. Denn nächste Woche nur draußen bis acht Uhr aufmachen, wie es die Corona-Bestimmungen vorsehen, das wäre ein bisschen arg profan für eine Wiederauferstehung.