Diese Idylle ist etwas für jeden Geldbeutel

Das Waldhaus Deininger Weiher mit alpenländischer Küche ist in der Gastro-Szene angekommen.

Eine Idylle war immer ein Sehnsuchtsort. Verträumt, friedvoll, einsam sollte sie sein, und folgt man dem Brockhaus aus dem Jahr 1931, dann sollte sie dem Menschen behaglich-glückliche Verhältnisse fern vom öffentlichen Leben bieten. So gesehen ist der Deininger Weiher bei Großdingharting eine Idylle. Es ist einfach nur schön, am Moorweiher zu sitzen, das spiegelnde Wasser vor sich und die bewaldeten Hänge des Gleißentals, die bis zu den blauschimmernden Bergen am Horizont zu reichen scheinen. München ist weit weg.

Einsam war es am Deininger Weiher allerdings nie. In der Nachkriegszeit radelten Familien zum Baden hinunter ins Gleißental, weil sie kein Auto hatten, später durften die Radl auf den Autos mitfahren. “An sommerlichen Wochenenden” hieß es 1967 in einem Wanderbuch, “geht es hier turbulent zu.” Die Zeiten haben sich nicht geändert. An Sonnentagen sind die 250 Parkplätze im Nu belegt, von den Tischen am Waldhaus Deininger Weiher ganz zu schweigen.

Einmal wurde der Wirt am Telefon fast grantig, weil schon wieder jemand einen Tisch bestellen wollte. Dabei ist die Familie Tschurtschenthaler, die das Waldhaus 2012 übernommen hat, immer sehr herzlich, was auch auf die Bedienungen abfärbt. Freundlich waren sie, schnell, umsichtig, jeden Wunsch erfüllten sie, auch die Bestellung “zwei Vorspeisen für drei”; auf einer Platte appetitlich neu angerichtet wurden die Gerichte serviert.

Anfang 2011 sah es im Waldhaus noch ganz anders aus. Am dunklen Moorweiher spielte sich fast ein Krimi ab, weil sich der damalige Pächter im Haus verschanzt hatte und die Polizei anrücken musste. Reichlich ramponiert war das Gebäude, wobei die Renovierung auch eine Chance war. Man sitzt gut auf der Terrasse an den schweren Holztischen oder in den beiden Gasträumen mit altem Dielenboden und Holzdecken. Bayerischen Zierrat sucht man gottlob vergeblich, an den Wänden hängen in leuchtenden Farben Acrylbilder von Johannes Selbertinger als Verbeugung vor dem Münchner Maler.

Südtiroler sind die Tschurtschenthalers, ihre Küche nennen sie alpenländisch, und diese Mischung, die sie auf den Speisenkarten ständig ein wenig verändern, gelingt ziemlich gut, schon bei den Vorspeisen, vor allem beim geräucherten Rehschinken. Mit Tomaten-Concassée und Pfifferlingen war er angerichtet und mit einem leicht süßen Himbeerdressing beträufelt (11,90). Nicht gerade typisch alpenländisch war das milde Thunfisch-Tatar unter einem Berg von Sprossen, umgeben von süßsäuerlichem Algensalat, Sesam und Forellenkaviar (13,50). Es ist etwas seltsam, am Weiher, in dem fette Karpfen um Brot betteln, Thunfisch zu essen, aber es lohnte sich.

An einem Mittwochabend, es regnete in Strömen, hatten wir im Ausflugslokal gähnende Leere erwartet. Doch in beiden Räumen saßen Gäste und tafelten, das Waldhaus ist offenbar in der Gastro-Szene angekommen. Und schon wegen der Kartoffelgnocchi mit zerfließender Käsefüllung und Steinpilzen in einer leichten Gemüse-Sauce hatte sich die Regenfahrt gelohnt (12,90); oder wegen der Trilogie von Spinat-, Pilz-, und Käsenocken (10,50). Sie schwammen in brauner Butter, waren sündig fett und sündig gut.

Nur das gemischte Gemüse störte

Vor allem aber kommen Fleischesser auf ihre Kosten, auch wenn es an den etwas braven, gebratenen Saiblingfilets mit Rahmkohlrabi nichts zu mäkeln gab. Beim Fleisch war das Lob der Tischrunde einstimmig, sieht man vom Wiener Schnitzel ab, das in einer Panade steckte, die nur nach Mehl schmeckte. Der zarte Zwiebelrostbraten kam wie bestellt medium auf den Tisch, mit saftigem Kartoffelgratin und sanft in der Pfanne geschmolzenen Zwiebeln – endlich einmal nicht das übliche Gestrüpp aus der Fritteuse.

Der Tafelspitz in intensiver Meerrettichsauce ließ sich fast mit der Gabel zerteilen. Das Spanferkel-Schäufele mit schöner Biersauce und lockeren Kartoffelknödeln war umhüllt von einer Bilderbuchkruste, das Blaukraut fein abgeschmeckt (14,90 bis 19,90). Nur eines störte: die langweiligen gemischten Gemüse zu vielen Gerichten. Sogar Rosenkohl war einmal dabei, und das im Sommer.

Bei den Nachspeisen unterscheidet die Küche zwischen haus- und selbstgemacht, was interessant ist, wobei der “hausgemachte Kaiserschmarrn” nach fünf Minuten aufgetragen wurde, was ihm nicht bekam, aufgewärmt schmeckte er. Beim “selbstgemachten Südtiroler Apfelstrudel” steckte die schöne Apfelmischung in einem dicken Teigmantel. Aber vielleicht mag man ihn in Südtirol so (5,90 und 7,90).

Neben Ayinger-Bier (die Halbe Helles 3,90) stehen Weine aus den Alpenländern auf der Karte. Es gibt Empfehlungen, die auf jeden Fall im Preis ziemlich gehoben sind, etwa für einen ordentlichen Lugana oder einen feinen Merlot-Cabernet (0,2 Liter 7,90 und 8,50). Außerdem werden Landweine in Viertelliter-Karaffen ausgeschenkt, auch vom Fass. Der Pinot Grigio oder der Grüne Veltliner (4,50 und 4,90) waren durchaus trinkbar, selbst im Vergleich zu den kostbaren Angeboten. Teuer oder preiswert, der Gast hat die Wahl. Man befindet sich eben in einer Idylle.