Diesen Gasthof muss man nicht suchen

Durch den malerischen Biergarten und die gehobene bayerische Kost kommen die Gäste in Thalkirchen von ganz allein. Aber unter den Kastanien ist genug Platz für alle.

Als Peffekoven kürzlich im Garten des “Hinterbrühl” hockte und an nichts Böses dachte, da ertönte ganz aus der Nähe ein schauerliches Geschrei. Es klang, als stürze ein Rudel Kojoten von der Klippe. Alarmiert eilten Peffekoven und die Seinen ans Geländer und blickten hinab. Doch es waren nur die Gäste eines Isarfloßes, das auf dem Kanal herantrieb zu seiner nahen Endstation, der Floßlände.

Sonne und viel Bier hatten die Köpfe der Gäste eine tiefrote Farbe annehmen lassen, was sie aber nicht an lautstarken Gesängen hinderte. Peffekoven spürte eine tiefe innere Dankbarkeit, dass nicht er, vielleicht durch eine Ungunst des Schicksals dorthin verschlagen, Teilnehmer dieser Flussfahrt sein musste. Er ging zurück in den kastanienschattigen Biergarten und genoss den Frieden dort um so mehr.

Der Gasthof Hinterbrühl in Thalkirchen besitzt das, was man gelegentlich eine Platzhirschlage nennt, er liegt am linken Isarufer beim Hinterbrühler See. Rad- und Wanderweg führen direkt am Haus vorbei. Diese Einkehr muss man nicht suchen, sie zieht die Gäste nur so an. Trotzdem ist es selbst an sonnigen Tagen nicht so schwer wie anderswo, einen Platz vor dem schönen alten Haus zu finden: Der Biergarten mit seinen Kastanien ist riesig. In der nördlichen Hälfte gibt es Bedienung am Tisch. Die Räume innen, mit großem Saal, sind eher modern-bayerisch, aber dezent genug gestaltet, um eine Grundbehaglichkeit aufkommen zu lassen.

Dem jüngst mit mehreren Gastronomiepreisen ausgezeichneten Haus, das der Gastronom Gerry Haberl – bekannt vom Seehotel Leoni am Starnberger See – 2011 als Wirt übernahm, ist seine Herkunft als Ausflugsziel feinerer Leut’ durchaus anzumerken. Es liegt unterhalb einer alten Villenkolonie, und manch geldiger Mitmensch erläutert den Begleiterinnen bei einem Hugo das Geheimnis seines Erfolgs. Aber die Mischung des Publikums stimmt, Familien, Radler, Spaziergänger, Stammgäste und Hirschhornknopfträger stören einander nicht.

Man sitzt nicht nur schön, sondern isst auch gut, für Münchner Ausflugslokale keine Selbstverständlichkeit. Gemeinerweise suchte Peffekoven unter anderem einen Sonntagmittag aus, an dem der Laden nur so brummte. Dennoch: alles gut. Das Seezungenfilet (15,50 Euro) war hauchzart, der Spargel mit zerlassener Butter und Wacholderschinken hatte exakt die richtige Festigkeit, nicht mehr hart, nicht zu weich. Das Rinderfiletsteak (250 Gramm für 21.50 Euro) war noch, wie bestellt, leicht englisch gebraten; die kleine Variante, 150 Gramm, heißt übrigens genderpolitisch nicht ganz korrekt “Ladysteak” (16,50), aber für den kleinen Hunger ist es gut, dass es sie gibt. Peffekoven nahm als Beilage eine Portion gebratener Pfifferlinge mit frischer Petersilie (4,50) und Kräuterkartoffeln (3,50), beides sehr gut.

Nicht so gut gefallen hat der Tischrunde, dass derlei Beilagen extra kosten, was den Gesamtpreis deutlich erhöhen kann und wohl erklärt, warum die Portionen doch eher klein ausfallen – zum Spargel gab es eine Handvoll Zwergkartöffelchen. Dies wird mehr als ausgewogen dadurch, dass der Service selbst bei Hochbetrieb nicht ins Schleudern gerät, man nicht Stunden auf das Essen warten muss und dies grundsätzlich eine sehr ordentliche Qualität hielt. Die schnelle Abfütterung gibt es hier nicht. So war die Regenbogenforelle (15,50) sorgsam gebraten nach Müllerin Art, es gab dazu zerlassene Butter mit Zitrone und (etwas mehr) Kräuterkartoffeln. Und als ordentliches Gasthaus hat auch das Hinterbrühl eine ehrliche Brotzeitkarte, es gab drei Fleischpflanzerl vom Kalb mit Rucola und feinem lauwarmem Kartoffelsalat (12,50).

Lohnend ist übrigens der wechselnde und mit durchschnittlich 10 Euro preiswerte Mittagslunch von Montag bis Freitag, zum Beispiel rosa gebratene Kalbslende mit Remouladensauce und Bratkartoffeln oder ein gemischter Fischteller mit Safransoße, Brokkoli und einem kräftigen Kartoffelauflauf. Am Werktag ist es ruhiger und noch behaglicher und die Versuchung groß, bei einem Fläschchen Wein hier den Nachmittag zu durchträumen.

Allerdings: Dafür sollte man nicht zu knapp bei Kasse sein, denn die Weinpreise sind nach echt Münchner Art hoch. 0,2 Liter vom Grünen Veltliner des bekannten Weinguts Bernhard Ott mögen in der Tat die in der Karte angepriesenen “maskulinen Tabaknoten” und ein “prickelndes Säurebild” aufweisen, aber mehr sauer als prickelnd ist dann doch der Preis von 8,50 Euro. Insgesamt ist das Lokal trotz seiner Traumlage jedoch wirklich nicht überteuert. Nicht zu vergessen ist auch der Service, zu dem teils nicht unoriginelle Gestalten gehören, die aber stets freundlich, ja mitunter von ansteckendem Frohsinn waren. Fazit: Peffekoven wird wiederkommen.