Drinks, bis der Drache schielt

Aus dem Corso in der Müllerstraße ist die Drunken Dragon Bar geworden. Die Cocktail-Karte ist ausgefeilt – sechs betörende Eigenkreationen gehören dazu.

Wenn Drachen zu viel trinken, dann sieht das so aus: Wie im Corso, nur asiatischer, mit einer Zinkverkleidung an der Bar und mit einem kunterbunten, leicht schielenden Drachen vorne und hinten im Nebenraum, wo es in ein überschaubares Restaurant mit einer rundumlaufenden Bank und meist kleinen Tischen übergeht. Aus dem Corso in der Müllerstraße 51 ist nun also die Drunken Dragon Bar geworden und ein Ableger des szenigen China-Restaurants Hutong Club aus der Schwabinger Franz-Joseph-Straße.

Das liegt nahe, schließlich sind die Betreiber von Restaurant und Bar teilweise identisch. Christian Ribitzki, Küchenchef und Mitbetreiber im Hutong Club, hat auch hier das Sagen, und Michael Dietzel vom Corso ist auch am Hutong Club beteiligt. Außerdem sind noch die Nachtlebenprofis Michael Faltenbacher und Valentina Schunk Gesellschafter, so eine Bar hat ja heutzutage bald schon so viele Inhaber wie ein Dax-Unternehmen.

Insofern wäre es ein Wunder, wenn die Drunken Dragon Bar nicht laufen würde. Man kriegt ja schon im Hutong Club kaum noch einen Platz. Und das liegt gewiss nicht nur am SZ Gourmet Award, den das Lokal im Frühjahr für seine Küche verliehen bekommen hat, und das bei wirklich beachtlicher Konkurrenz.

In der Drunken Dragon Bar stehen die Cocktails freilich im Vordergrund, wie sich das für eine Bar gehört, die ein eher junges Publikum in einer Nachtlebengegend wie dem Glockenbachviertel anspricht. Trotzdem ist die Speisekarte sehr umfangreich. Es gibt die sensationellen Dumplings (drei Stück zwischen 6,80 und 12,50 Euro), die zu den Stars im Hutong Club gehören, und fast 30 weitere kalte und warme Speisen der chinesischen Küche, vom marinierten Schweinebauch bis hin zum rohen Thunfisch und zu ausgefallenen Hühnchengerichten (zwischen 4 und 24,50 Euro).

Die Cocktail-Karte ist ausgefeilt und kann sich sehen lassen, den Glockenbachschnösel wird es freuen, dass die Szene-Basisgetränke Gin und Wodka in vielerlei Varianten vorrätig sind. Die Hutong-Klassiker vom Smokey Mule (9,50) bis zum Shanghai Lightning (10,50) gibt es, auch sechs Eigenkreationen stehen auf der Karte. Sehr erfrischend ist das Panda Beer (10,50), eine Mischung aus Ingwer, Vermut, Yuzu-Marmelade, Zitronengras und – ja, tatsächlich! – Weißbier.

Im Pink Radish (11,50) findet man Wodka, Grand Marnier, Wasabi und Radieschen, im Sesame Mucho (10,50) einen mit geröstetem Sesam versetzten Wodka, Zuckersirup, Limette, Gurke und Minze. Eigenwillig, aber durchaus von betörendem Geschmack. Da trinkt man gern mal einen mehr.

Eines allerdings muss man dem besoffenen Drachen dann doch noch ins Stammbuch schreiben: So doof sind die Münchner Szenegänger auch wieder nicht, dass sie Speisen und Getränke nur dann als asiatisch erkennen, wenn man genügend Koriander drüberhaut. Auch wenn das derzeit alle machen: Dieses Kraut nervt langsam.