Vernünftige Küche und Stammkneipen-Atmosphäre ohne Gastro-Chichi finden Fans griechischer Lokale im Santorini.

Ehrliche Taverne mit Inselfeeling

Im Santorini wird zu zartem Lamm, feinem Fisch und reichlich Ouzo auch noch Herzenswärme serviert.

Peffekoven hat seit Jahren eine für Restauranttester eher ungewöhnliche Leidenschaft: Zusammen mit seinem alten Freund Clemens sucht er bodenständige griechische Lokale, wie sie ja leider immer seltener werden. Da beide aus dem Rheinland stammen, lautet der Name der Mission “Ehrlischer Jriesche”- so wie der Spitzname des Kumpanen aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen “dä Bersch” ist. Aber bleiben wir fokussiert.

Als ehrlich gelten im Rheinischen Gaststätten, die einfach sind, aber vernünftige Küche zu ebenso vernünftigen Preisen anbieten, mit netten Wirtsleuten, behaglicher Stammkneipen-Atmosphäre, kurz: Orte, die nicht einmal den Begriff Event kennen und von modischem Gastro-Chichi unberührt bleiben. Ein solch ehrlicher Ort, einer vom Feinsten, ist das Santorini.

Hier, gleich neben der U-Bahnstation Obersendling , sind die Straßen von eher überschaubarer Schönheit, um so wunderbarer ist inmitten banaler neuerer Fassaden diese Oase: ein Altbau an der Ecke, innen von angenehmer Höhlenhaftigkeit, draußen hinter der Hecke ein kleiner Kastaniengarten, einige Tische unter dem schützenden Blätterdach, ein paar Glühlampen in den Ästen, Behaglichkeit pur.

Die Wirte Nikos und Evangolos sind sympathisch und lustig, wie das gesamte Personal. So freundlich wie hier wird man selten bedient. Da verzeiht man gern, dass es eine Weile dauern kann, bis jeder sein Essen vor sich stehen hat, zumal Freitag bis Sonntag Hochbetrieb herrscht (Reservierung daher empfohlen). An so einen Ort geht man auch wegen der tröstlichen Ouzo- und Malamatinaseligkeit, für den kernigen Handschlag des Wirts und die guten Wünsche der Wirtin.

Zur Küche: Das Santorini bietet alles, was das Herz beim klassischen Eckgriechen begehrt, und einiges mehr. Ordentlichen Standard bot der warme Vorspeisenteller, vor allem der dezent panierte Schafskäse und die rote Paprika mit pikantem Feta. Die derben, aber typischen Vorspeisen kamen erstaunlicherweise mit einer eher altdeutsch anmutenden Remouladensoße, was jene in der Runde, die nicht über Peffekovens angeborene Herzenswärme für ehrliche Tavernen verfügen, weniger goutierten. Und unter den Salat war jenes säuerliche Allerweltskraut gemischt, das man zu Hause niemals essen würde.

Nicht alles gelang, aber das meiste. Die Kritharaki, Reisnudeln mit Tomatensoße und Käse überbacken, sind mit 7,50 Euro zwar preiswert, kamen aber etwas fad und trocken. Das Lammfleisch dagegen, Arnaki Stifado, fiel gerade richtig zart und ölig vom Haxenknochen, die saftigen Perlzwiebeln dazu waren ein Vergnügen (14,90 Euro). Nostalgiker wie Peffekoven ebenso wie hungrige Studenten an seinem Tisch wissen das gute alte System der Platte zu würdigen, das hier noch für große Portionen sorgt: Der Irodion-Teller beispielsweise enthält reichlich Gyros, Souvlaki, zwei Suzuki-Fleischbällchen, Reis, Zaziki und gemischten Salat (14,90 Euro).

Hier wird man, wie es an ehrlichen Orten Ouzo . . ., äh, Usus ist, mit einem guten Gyrosteller für bezahlbare Summen satt (ab 10,60 Euro). Andererseits ist die Küche nicht ohne erfreulichen Ehrgeiz, mehr auf den Teller zu zaubern als Standardware. Zu empfehlen sind besonders die Fischgerichte, welche die Runde probierte. Peffekoven wählte frischen Seewolf (16,50 Euro) und hat es keine Sekunde bereut. Der Fisch war von zarter Konsistenz, die Haut gerade recht kross gebraten; dazu gab es kleine Würzkartoffeln.

Nach dem Genuss einer üppigen und wohlschmeckenden Fischplatte (mit Scampi, Seezunge, Lachssteak und gegrillten, knofeligen Calamares; 19,50 Euro) erwog einer aus der Runde, ein Haus in Griechenland zu erstehen mit exakt jenem Santorini-Meerblick, der auf der Karte prangt. Bevor die Debatte zu griechischen Finanzen abgleiten konnte, warf Peffekoven geschickt ein konsensfähigeres Thema ein: griechischer Wein.

Eine Überraschung freudiger Art bietet nämlich die Weinkarte des Hauses. Natürlich, klassischen Retsina gibt es hier auch und trinkbaren Hauswein in den Varianten rot, rosé, weiß. Doch erlaubt die kleine, aber fein ausgesuchte Karte eine Reise in das bei uns noch immer zu unbekannte Weinland Hellas respektive in die famose Kellerei Boutari. Trocken und leicht, mit feiner Zitrusnote, gefiel die Flasche Santorini; auch ein seltener Weißwein wie der Malagousia Domaine Gerovassilioy ist dabei (28,70 Euro), aus der selteneren griechischen Rebsorte Malagousia.

Eine Warnung an Neulinge: Dieses Haus ist sehr freigiebig mit kostenfreiem Ouzo. Das erfordert von den Gästen allerdings einige Selbstbeherrschung oder ein tragfähiges Risikokonzept für den Heimweg. Vielleicht sind sie dann das nächste Mal klüger, als es Peffekoven war. Und doch wird er bald wiederkommen, sehr bald.



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