Ein Café, besser als Profi-Restaurants

Das Münchner Integrationscafé Über den Tellerrand setzt sich gegen 270 Konkurrenten durch und gewinnt den Deutschen Gastro-Gründerpreis. Was dahinter steckt.

Das Münchner Café Über den Tellerrand will Geflüchtete und Einheimische über Essen und Trinken zusammenbringen. Dieses Konzept findet nicht nur in der Stadt Beachtung: Seit etwa einem Dreivierteljahr besteht das Lokal im Volkshochschulzentrum an der Einsteinstraße 28 und nun hat es den Deutschen Gastro-Gründerpreis gewonnen. Am vergangenen Freitag setzte es sich auf der internationalen Gastronomiemesse Internorga in Hamburg gegen ein breites Feld von Mitbewerbern aus der Profi-Gastronomie durch und bekam unter anderem ein Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro überreicht. Ein Gespräch mit Jasmin Seipp, einer der beiden Geschäftsführerinnen des Cafés, am Tag danach.

SZ: Herzlichen Glückwunsch! Sie hatten am Schluss ja auch einen Großteil des Publikums auf Ihrer Seite.

Jasmin Seipp: Ja, stimmt. Wir haben uns natürlich sehr gefreut und sind auch noch dabei, das alles zu verarbeiten … (lacht) Bei so einer Publikumsentscheidung weiß man ja nie, was herauskommt, und die Mitbewerber hatten ja auch ganz andere und wirklich tolle Konzepte.

Für ein Projekt, das gar nicht aus der Profi-Gastronomie kommt, sondern einen sozialen Schwerpunkt hat, ist das durchaus eine erstaunliche Leistung.

Das freut uns auch besonders. Wir machen ja viel bei Preisen mit, wo es um Social Entrepreneurship geht, also um soziale Unternehmen. Aber dass wir jetzt einen Gastronomiepreis bekommen haben, das ist natürlich eine ganz tolle Anerkennung für unser Konzept und unsere Küche.

Wie würden Sie Ihr gastronomisches Konzept genau beschreiben?

Unser Team ist sehr interkulturell. Es sind dort sieben verschiedene Nationen vertreten. Alle Mitarbeiter bringen Ideen mit ein, und entsprechend ist auch unser Speisen- und Getränkeangebot: Es gibt Gerichte aus aller Welt. Das fängt beim Gulasch mit Semmelknödeln an und reicht bis zum senegalesischen Eintopf oder zum syrischen Nationalgericht. Und wir machen auch mal Fusionsküche oder haben einen bayerisch-arabischen Brotzeitteller. Und alles ist frisch zubereitet. Es gibt einen täglich wechselnden Mittagstisch mit Sachen, die man vielleicht sonst so nicht in München bekommt. Und wir wollen auch gesellschaftliche Grenzen, die allein durch unterschiedliche Einkommen existieren, ein bisschen aufweichen – es gibt bei uns drei verschieden hohe Preise pro Mittagsgericht. Da kann sich der Gast aussuchen, wie viel er zahlen will.

Am Freitag mussten Sie Ihr Café zusammen mit den anderen vier Finalisten auf der Internorga präsentieren. Wie läuft so etwas ab?

Jeder der Finalteilnehmer hatte fünf Minuten Zeit, sein Konzept zu präsentieren. Das Ganze hat Tim Mälzer moderiert. Meine Kollegin in der Geschäftsführung, Julia Häring, hatte leider gerade Urlaub, deshalb musste ich das alleine präsentieren. Aber ich hatte immerhin noch zwei Mitarbeiter aus dem Team im Publikum. Man macht das dann mit einer Powerpoint-Präsentation, ich habe einige Bilder gezeigt und unser Konzept erklärt, andere hatten auch kurze Videos. Danach hat dann das Publikum – um die 300 Leute – per SMS abgestimmt, und da haben wir gewonnen. Abends gab es dann noch ein Galadinner, das war so eine Gastronomie-Netzwerkveranstaltung – eine gute Gelegenheit, neue Verbindung zu knüpfen.

Das Finale mit der Publikumsentscheidung war aber nur der letzte Schritt?

Ja, zuvor hatte es eine Vorauswahl durch eine Fachjury gegeben. Beworben haben sich an die 270 Betriebe mit ihren Konzepten, davon kamen zehn in die Endrunde und davon wieder fünf ins Finale.

Der Preis besteht ja nicht nur aus einer Geldsumme?

Ja, dazu gehört auch inhaltliche Beratung und fachliche Unterstützung durch den Leaders Club, eine deutschlandweite Vereinigung von Gastronomen und Vertretern der Lebensmittelbranche. Dieses Netzwerk kann einem sehr viel helfen, klar. Und ansonsten sind wir auch noch nicht an dem Punkt, dass wir große Gewinne erwirtschaften. Wir haben auch noch einen Kredit, den wir zurückzahlen müssen. Von daher helfen uns diese 10 000 Euro doch sehr, in den nächsten Monaten auch etwas zu investieren, um zum Beispiel das Catering gut zu machen. Oder einen Minijobber mehr einzustellen. So hilft uns das Geld unglaublich, unser Konzept weiter voranzutreiben.