Ein Hauch von Tel Aviv in München

Koschere Gürkchen, Chili aus dem Jemen und Weine aus der Steiermark: Wie die israelische Stadt bündelt auch das Nana in Haidhausen Einflüsse aus aller Welt.

Peffekoven, durch Erfahrung abgehärtet, ist vorsichtig, wenn sich Wirtsleute auf ihrer Homepage als Philosophen des Alltags gerieren, fernöstliche Sinnsprüche über Fotos ihres Gemüseeintopfs schreiben oder dem Gast damit drohen, er dürfe “bei regionalen Köstlichkeiten die Seele baumeln und Zunge und Gaumen verwöhnen lassen”. Für Tester heißt es dann: Schaun mer mal.

Auf der Homepage des “Nana” steht nichts dergleichen, klickt man “Über uns” an, findet man nur folgende Sätze über die Betreiber: “Kochen ist Davids Passion. Und Jörg liebt, was David kocht. Wein ist Leidenschaft für Jörg. David schätzt jeden dieser Tropfen. All das mit lieben Menschen teilen – das ist Nana.”

Also, das ist wirklich sympathisch, so wie das Bistro, das kürzlich aus diesen Gedanken hervorging. Im schönsten Altbau-Haidhausen gelegen, mitten in der Metzstraße, bringt es einen Hauch von Israel und Mittelmeer nach München, und speziell von Tel Aviv, der lebendigen, attraktiven Großstadt des jüdischen Staates. Das Nana entspricht auch insofern der dort gepflegten Küche, als es diese eigentlich gar nicht gibt. Tel Aviv, als Schmelztiegel für jüdische Einwanderer aus allen Teilen Europas, aus Marokko, Syrien, Äthiopien und vielen Ländern mehr, hat nämlich auch vielerorts die kulinarischen Traditionen dieser Regionen ineinander aufgehen lassen.

Peffekoven & Compagnie ließen den jungen Abend beginnen, als säßen sie in einer kleinen Strandbar nahe des wilden Marktes von Tel Aviv, einem der schönsten Orte der Stadt, wo es kulinarisch fast alles gibt. Aber sie sitzen jetzt in der Metzstraße draußen in der Sonne, in der Hand ein eiskaltes helles Maccabi-Bier. Israel, was hierzulande wenige wissen, hat inzwischen eine sehr lebendige und vielseitige Bier- und Weinkultur. Maccabi freilich ist Marktführer, ein Klassiker wie in München das Augustiner. Dazu gibt es saure israelische Gurken in Salzlake, ein köstliches Erbe der ostjüdischen koscheren Küche.

Die Gürkchen gehören zum Angebot der Meze, also der Vorspeisen (3,20 bis 3,50 Euro), die man am besten in der Gruppe isst und teilt, ganz ähnlich der arabischen Tradition. Sehr gut mundete Peffekoven der Feta mit Zaat’ar, einer israelischen Kräutergewürzmischung in Öl, sowie die feinen Champignons in Kräutermarinade. Sehr frisch, vor allem für heiße Tage sehr geeignet, ist der Israelische Salat (Tomate, Gurke, Paprika, Zwiebeln und Kräuter) und das Baba Ghanoush, geräucherte Aubergine in Sesam.

Ein unvergleichliches Hauptgericht aus Vorspeisen

Das Problem mit den Meze ist die Selbstdisziplin. Wer noch – selbst als geübter und loyaler Tester, der im Auftrage seines Verlags keine Härte scheut – zu den Hauptspeisen vorstoßen will, sollte die Meze auf ein überschaubares Maß beschränken, Faustregel: pro Person eine bis anderthalb, bei Bärenhunger zwei. Man kann sich natürlich, umgekehrt, auch ein eigenes Hauptgericht daraus basteln.

Die Karte ist ansonsten klein, aber ein paar Besuche dauert es schon, bis man das meiste durch hat. Peffekovens Highlight waren die Shakshouka (acht bis zwölf Euro), ein aus Marokko stammendes Tomaten-Paprika-Ragout, mit Eiern überbacken, innen sehr weich, oben mit einer delikaten, scharf gewürzten Kruste. Es gibt feine vegetarische Varianten mit zusätzlichem Spinat oder Feta, aber die pikante Kombination mit scharfem Lammhack lag einer Umfrage unter dem Testpersonal deutlich vorn. Dazu sind zu empfehlen israelisches Pitabrot, mit dem sich die Sauce wunderbar aufsaugen lässt, sowie eine rätselhafte Substanz namens Shug, die grünlich glänzt wie Pesto alla Genovese, aber hinter der sich ein scharfes Chili aus dem Jemen verbirgt. (Guter Rat: sparsam verwenden, so zaubert es den besten Geschmack hervor.)

Es gibt sogar Wein aus Israel

Shug sowie dieselben Zutaten empfehlen sich auch für die Hummus-Teller (5,50 bis neun Euro), speziell zu Hummus Komplett (Tahina, Zaat’ar, Kichererbsen, hartgekochtes Bio-Ei). Als Annäherung weit auseinanderliegender Kulturen fand Peffekoven auf der Tagestafel ein Ceviche vom Peterfisch (14,50). Ceviche stammt aus Peru und besteht aus kleingehacktem rohen, in Limettensaft marinierten Fisch – hier kombiniert mit israelischen Kräutern und Gewürzen. Peffekoven ist leider süchtig nach dem Original und sah sich daher außerstande, ein Urteil abzugeben, seine Gefährten waren ganz angetan.

Peffekoven glaubt von sich, kein nörgelnder Kritikaster zu sein, und sein Eindruck vom Nana ist fast ungetrübt. Im kleinen Innenraum kann die Akustik schwieriger werden, wenn alle reden und dazu die Musik etwas zu laut ist (wenn auch sehr schön ausgewählt). Dass der Wein zu teuer ist – geschenkt, das hier ist München, da ist es überall so; und gnädigerweise schenken sie hier den kleinen Wein (der so viel kostet wie einstmals ein großer) in 0,15-Gläsern aus statt in 0,1. Immerhin ist er besonders gut, es gibt einen offenen Weißen aus Israel (Gamla), schwer und erdig und nach Sonne schmeckend, und eine überraschend große Kollektion sehr guter Weißer aus der Steiermark in der Flasche.

Bleibt noch der Service zu loben: Die Wirtsleute sind jung, lustig und beraten ihre Gäste selbst bei großem Andrang ohne jedes Zeichen von Stress aufs Freundlichste. Wie sagt man in Israel beim Anstoßen? “Le Chajim” – Auf das Leben!