Ein Lokal für morgens bis abends

Auf den ersten Blick könnte man das Farmer & Lou in Haidhausen für ein Frühstückscafé halten. Doch die Betreiber haben noch mehr vor – allerdings nur unter der Woche.

“Schau mal, man kann den alten Namen noch lesen”, sagt die Begleitung. Über der Haustür in der Breisacher Straße in Haidhausen steht, verwaschen und in Fraktur, irgendwas von Spirituosen und Wein. “Ganz früher war das aber ein Krämerladen”, sagt der ältere Herr, der hier vor dem Haus einen Kaffee trinkt und mithören konnte. Seit vergangenem Montag befindet sich an dem Ort, an dem zuletzt das Café Cafiko war, das Farmer & Lou.

Aus diesem Lokal kommt jetzt eine Frau mit Cappucino in der Hand und setzt sich ohne große Umstände zu dem Mann. Die beiden kommen gleich ins Gespräch: über ihre französische Dogge, die sie neben sich in einem Fahrradanhänger abgesetzt hat. Über diesen Anblick lacht er – und scheint auch mit vielen anderen Gästen und den Betreibern des Lokals vertraut. Diese Episode umreißt die Atmosphäre des Farmer & Lou ganz gut: Es ist ein schönes Nachbarschafts-Lokal.

Was gibt es da und was kostet das?

Das Farmer & Lou hat draußen neun Bistrotische, von denen aus man einen schönen Ausblick auf die Haidhauser Altbauten in der ruhigen Straße hat. Innen, wo weniger Platz für Gäste ist, gibt es auch etwas zu sehen: Die Kacheln der Theke scheinen retro mit ihren Ornamenten und Pastellfarben – aber wenn man genau hinschaut, merkt man, dass die Motive moderner sind. Es gibt eine Fensternische zur kleinen Küche. Töpfe mit Kräutern versperren den Blick auf das Gesicht des Kochs.

Nach einem Blick auf die Karte erscheint einem das Lokal erst einmal wie ein Frühstückscafé: Auf fast zwei Seiten ein klassisches Croissant-, Schinkentoast-, und Rührei-Angebot (bei etwa 3,50 Euro geht es los). Für die Mittagsgerichte ist nur ein Absatz reserviert: “Spaghetti Bolognese” und “Carbonara” stehen da etwa (jeweils 8,90 Euro). Aber dann kommt Louisa Braker, 37, und stellt einem fröhlich die mit dem Tagesangebot beschriftete Tafel vor den Tisch.

Wir hatten übersehen, dass es heute auch veganes Curry (8,50 Euro) oder Salat mit karamellisiertem Ziegenkäse (11,90 Euro) gibt. Wir nehmen beides. Und finden beides sehr gut. Aber auch nicht direkt niedrigpreisig – was uns egal wurde, als wir danach noch ein Weißbier (Paulaner, 3,90 Euro) und 0,1 Liter Hauswein (3 Euro) bestellten, uns mit den Getränken draußen hinsetzten und vom Treiben auf der Straße unterhalten wurden.

Braker stellte uns dann plötzlich noch ein Stück Käsekuchen aus der Theke auf den Tisch, als Entschuldigung dafür, dass sie für das Curry diesmal keinen Reis parat und deshalb Kartoffeln als Beilage serviert hatte. Das hätten wir gar nicht nötig gefunden, aber wir aßen dieses gute Stück Käsekuchen sofort auf. Louisa Braker hat bis vor etwa einem Jahr noch das Lokal Preysinggarten mitbetrieben, das ein paar Meter weiter liegt. Zusammen mit ihrem Freund Noel Latham, 39, hat sie jetzt die Chance ergriffen, im ehemaligen Cafiko etwas Neues aufzubauen.

Latham kommt aus Irland und sein Großvater hatte den Spitznamen “Farmer”. Aus diesem und aus Louisas Spitznamen setzt sich der Name des neuen Lokals zusammen. Und das soll wirklich lokal werden: Käse und Wurst kaufen sie nur in Geschäften mit regionalem Sortiment in Haidhausen ein, sagt Latham. Im Mai probieren sie sich noch aus und haben deshalb seltener geöffnet, von Juni an soll das Farmer & Lou auch ein Abendlokal sein. Aber sie haben auch eine Grundsatz-Entscheidung getroffen: Am Wochenende bleibt das Farmer & Lou geschlossen. Da wollen die Betreiber Zeit für ihre Kinder haben.

Wer geht da hin?

Wir wissen es noch nicht, weil das Lokal so jung ist, aber wir tippen auf die Nachbarschaft: Draußen saß neben uns der schon erwähnte ältere Herr, der offenbar jeden zwei Passanten kannte. Auf der anderen Seite die zwei Freundinnen, die nichts dagegen hatten, dass man sich eine Zigarette ansteckt und sowieso Wichtigeres zu besprechen hatten.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Da das Lokal nicht sehr groß ist, sollte man entweder früh da sein oder reservieren. Die Bistrotische draußen waren an einem Werktagsmittag alle besetzt. Verscheucht wird man offenbar nicht: Als wir gingen, bestellte der ältere Herr seinen zweiten Kaffee.