Ein Mahl für Maharajas

Das indisch-pakistanische Restaurant Shalimar versetzt seine Gäste in einen Farbenrausch – grüne Saucen, gelbe Suppen und oranger Reis serviert in einem strahlend rot gestrichenen Restaurant.

Sofort ins Lande der Maharajas versetzt fühlt man sich, wenn man das indisch-pakistanische Restaurant Shalimar in der Morassistraße 16, in der Nähe des Isartors, betritt. Die Wände des Restaurants sind in einem leuchtenden Rot gestrichen, orange Seidenvorhänge, goldene Buddha-Figuren und Wasserpfeifen wecken Erinnerungen an Bollywood-Filme.

Angesichts der Hitze beschließen wir aber draußen zu essen und bekommen vom indischen Kellner einen Tisch im Freien gezeigt. Direkt an der Straße, umringt von Hochhäusern, büßt die Atmosphäre hier leider den indischen Charme komplett ein, vom indischen Maharaja-Reich zurück ins Münchner Glockenbachviertel. An heißen Tagen müssen es also die Speisen allein schaffen, die Gäste nach Indien zu versetzen.

Wie es sich gehört, beginnen wir mit Shuruat, der Vorspeise. Um möglichst viele verschiedene Leckereien probieren zu können, fällt unsere Wahl auf einen gemischten Vorspeisenteller für zwei Personen (8,90 Euro). Dieser entpuppt sich als eine Auswahl von verschiedenen Gemüsesorten, Fleisch und Käse. Alles in Kichererbsenmehl ausgebacken. Dazu werden drei verschiedene Saucen gereicht, die bereits durch ihre kräftigen Farben ins Auge stechen. Eine rote, süßliche Mangosauce, eine erfrischende, hellgrüne Minzsauce und eine scharfe, grüne Chilisauce peppen die Vorspeise auf.

Typische Landesspezialitäten und hervorragender Service

“Frisch zubereitet”, versichert der Kellner und erklärt, dass die Sauce nicht etwa mit Chilipulver, sondern aus frischem grünen Chili und Yoghurt hergestellt wurde. Bestens zum Farbspiel der bunten Saucen passt auch die Suppe Malkatani (3,50 Euro), in deren gelben Sud Linsen, Reis und Hühnerfleisch zu finden sind. Sie ist leicht scharf und mit frischem Koriander garniert, der hervorragend dazu passt.

Nach dieser üppigen Vorspeise, schlägt der Kellner selbst vor, mit dem Hauptgang ein wenig zu warten. Man merkt, dass hier jemand mitdenkt, und fühlt sich sofort in guten Händen. Deswegen lassen wir uns von ihm auch einen passenden Weißwein zum Hauptgang empfehlen. Wir bestellen ein Curry, eine typisch indische Spezialität, und ein Thali, eine gemischte Platte. Die Beilagen mit orientalischen Namen wie Dal, Raita oder Chappati machen neugierig.

In einem stilvollen Kupfertöpfchen, beheizt mit Teelichtern, wird das Punjabi Murg Curry (9,20 Euro) serviert. Zusammen mit dem Thali (12,30 Euro) und einer Schüssel Reis ist unser Tisch nun proppevoll. So wie auch bald wir. Genüsslich probieren wir uns durch die verschiedenen Gerichte und entschlüsseln die indischen Beilagen. Chappati ist ein im Lehmofen gebackener Teigfladen, Raita ein mit Gurken verfeinerter Joghurt und Dal ein schmackhaft gewürzter Eintopf aus Linsen und Kichererbsen.

Das Thali komplettiert ein Fleischcurry und ein vegetarisches Gericht, die in kleinen Schälchen serviert werden. Lecker mit klein gehacktem Koriander und feinen Ingwerstreifen garniert, hält das Fleischcurry geschmacklich auch, was es optisch verspricht. Genüsslich fischen wir aus der dunkelroten, scharfen Masala-Sauce zuvor marinierte Hähnchenfleischstücke heraus. Auch das vegetarische Gericht mit Zucchini und Kichererbsen schmeckt wunderbar. Wenn es zu scharf wird, nimmt man ein Stück vom Chappati und dippt es in Raita.

Geschmacksnerven auf Trab

Auch das Curry nach Punjabi Art mundet fabelhaft. Das Hühnchenfleisch ist zart und zergeht einem auf der Zunge. Die scharfe Sauce ist mit allerlei indischen Gewürzen verfeinert und hält so die Geschmacksnerven auf Trab. Der indische Kellner ist während des gesamten Essens aufmerksam, aber nicht aufdringlich. Ab und an kommt er am Tisch vorbei, fragt ob alles in Ordnung ist und lädt Reis nach. “Zu scharf?”, erkundigt er sich. Doch das ist genau das, was man von typisch indischem Essen erwartet.

Zum Dessert empfiehlt der Kellner frische Mangos aus Pakistan mit Vanilleeis (5,90 Euro). Hört sich eher unspektakulär an, aber da er mit dem Timing und dem Wein bereits gute Empfehlungen gegeben hat, vertrauen wir ihm. Kleine gelbe Mangoschnitze garniert mit einer Kugel Eis und Sahne serviert er uns also als letzten Gang. Die reifen Fruchtstückchen zergehen beinahe auf der Zunge, das Aroma der tropischen Frucht ist perfekt. Nichts erinnert an die fasrigen, herben Mangos aus dem Supermarkt um die Ecke. Ein leichter, fruchtig-frischer Abschluss unseres indisch-pakistanischen Menüs.

Es ist inzwischen dunkel, die Hochhäuser sind vom Schwarz der Nacht verschluckt worden. Stattdessen erhellt eine lilafarbene Glaslaterne das kleine indische Reich mitten im Glockenbachviertel.