Ein Kaffeehaus ganz im alten Stil ist das Café Kreutzkamm an der Maffeistraße jetzt wieder. (Foto: Corinna Guthknecht)

Ein Münchner Kaffeehaus mit Tradition aus Dresden

Das Café Kreutzkamm an der Maffeistraße eröffnet wieder: runderneuert, aber in aufwendigem, historischem Gewand.

Wenn ein Lokal wegen Renovierung geschlossen wird, dann darf man schon mal misstrauisch sein. Oft ist danach der Charme von früher verschwunden, alles praktischer und effektiver geworden. Im schlimmsten Fall ist sogar pflegeleichte Resopalseligkeit eingezogen, und bis wieder mal Gemütlichkeit aufkommt, darf man lange warten. Es gibt aber auch Ausnahmen, eine davon ist das Café Kreutzkamm an der Maffeistraße 4. Dort hat man einen Monat lang umgebaut, hat alles, was pflegeleicht war, entfernt und ein Café daraus gemacht, wie es das vor 100 Jahren noch gegeben hat. In Dresden nämlich, wo die Konditorei ihr Stammhaus hatte. Das Café jedoch hätte damals genauso gut in München stehen können.

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, die das Unternehmen in fünfter Generation führt, hat das Münchner Café jetzt im alten Stil wieder verjüngt, nachdem es wegen nicht mehr bezahlbarer Mieten vor gut 30 Jahren deutlich verkleinert werden musste und danach nur noch aus einer Handvoll Tischen bestand. Nun sind es zwar auch nur um die 35 Plätze, aber das Interieur entspricht einem mondänen Großstadtcafé um 1920, mit weiß lackierten Vitrinen und raumhohen Regalen, einem großen Art-Déco-Leuchter an der Decke und vielen kleinen Details aus der Spätzeit des Jugendstil, von geschnitzten Deckenteilern bis hin zu gemalten Vignetten im asiatischen Stil. “Das Vorbild dafür”, sagt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, “waren Fotos aus einer Festschrift zum 100-jährigen Bestehen, die unser damaliges Café am Dresdener Altmarkt zeigten.” Die Idee, diese alte Kaffeehausherrlichkeit wieder aufleben zu lassen, habe sie gepackt, sagt sie: “Das ist mir dann einfach zur Herzensangelegenheit geworden!”

Oft kommt es ja nicht vor, dass ein Traditionsunternehmen gleich zwei Stammsitze hat. Und sie dann wechselseitig wieder zu neuer Blüte bringt. Im Falle der Konditorei Kreutzkamm aber ist das so. Die wurde 1825 in Dresden gegründet, 120 Jahre später bei einem alliierten Bombenangriff völlig zerstört und 1950 in München wieder aufgebaut. Das dazugehörige Café an der Maffeistraße 4 kann in diesem Herbst sein 65-jähriges Bestehen feiern, und nicht wenige Münchner dürften der Ansicht sein, Kreutzkamm sei eine Ur-Münchner Konditorei, in der man den legendären Baumkuchen und zu Weihnachten den Stollen kauft. Eigentlich stimmt das ja auch, denn Kreutzkamm-Aumüllers Vater Fritz hatte die Konditorei nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft aus dem Nichts wieder aufgebaut. Anfangs fing er Flusskrebse in der Vils und verkaufte sie an seine ehemaligen Kunden wie etwa das Feinkosthaus Dallmayr. Die wiederum gaben ihm dann Starthilfe, um seine Konditorei in München wieder aufzubauen: anfangs in einem Hinterhof im Lehel, dann an der Maffei- und Pacellistraße, später dann mit einer eigenen großen Produktionsstätte im Münchner Osten und einer Filiale am Tegernsee.

Kreutzkamms Tochter Elisabeth, gebürtige Münchnerin, ging 1993 nach Dresden und baute dort wieder ein Café im historischen Stil auf sowie gleich auch noch das Dresdner Backhaus, das inzwischen 120 Mitarbeiter beschäftigt. Bei Kreutzkamm sind es insgesamt 79. “Heute sind wir in Dresden das älteste noch existierende Familienunternehmen”, sagt sie. Mit vielen skurrilen und spannenden Geschichten. Schließlich kommen schon im “Fliegenden Klassenzimmer” des Dresdners (und späteren Münchners) Erich Kästner ein Professor Kreutzkamm und ein Julius Kreutzkamm vor. “Wir haben noch viele andere Geschichten”, sagt Kreutzkamm-Aumüller, “und die wollen wir jetzt so nach und nach auch erzählen.”

Die Wiedereröffnung des Café Kreutzkamm feiert man am kommenden Dienstagabend mit geladenen Gästen, von Mittwoch an ist es dann wieder täglich für seine Kunden da.