Ein neuer Biertankkeller für das “berühmteste Wirtshaus der Welt”

Bei laufendem Betrieb hat das Hofbräuhaus einen neuen Biertankkeller und eine neue Schankanlage eingebaut bekommen – die Gäste haben nichts bemerkt.

Ein bayerischer Finanzminister hat Aufgaben, die wohl kaum ein anderer Finanzminister hat. Zum Beispiel morgens kurz vor neun Uhr eine Mass Bier zapfen. Damit jetzt keine Missverständnisse aufkommen: Der Minister Albert Füracker (CSU) macht das nicht jeden Morgen, steht zu vermuten. An diesem Dienstag aber war es so. Da stand Füracker an der nagelneuen Schankanlage der Gartenschänke des Hofbräuhauses und ließ behutsam das gelbe Nass in einen Masskrug fließen.

Tatsächlich ging es an diesem Morgen darum, dass das Hofbräuhaus nach drei Jahren intensiver Bautätigkeit einen neuen Biertankkeller und neue Schankanlagen im gesamten Haus bekommen hat. Und das nahezu unbemerkt vom Publikum bei laufendem Betrieb der Großgaststätte, die keinen Ruhetag kennt und pro Tag 5000 Gäste bewirtet, 1,5 Millionen sind es im ganzen Jahr. Fast 860 000 Euro hat die Brauerei, die offiziell “Staatliches Hofbräuhaus München” heißt und dem Freistaat gehört, investiert. Da kann man dann schon mal den Aufsichtsratsvorsitzenden, also den Finanzminister Füracker, darum bitten, das neue Hightech-Pendant zum klassischen Holzfass offiziell einzuweihen.

Brauereichef Michael Möller berichtet von den umfangreichen Arbeiten “am Herz des Hofbräuhauses”. Bisher waren die Biertanks im Gebäudeteil links vom Treppenhaus untergebracht. Bei der Vorplanung stellte man aber fest, dass der Keller unter der Schwemme zum Teil mit Schotter aufgefüllt war und eigentlich eine größere Raumhöhe hatte. Man konnte die Biertanks also auch liegend im Keller und damit zentraler unterbringen, was die notwendigen Bierleitungen verkürzte und damit zugleich die Anlieferung und die Reinigung leichter machen würde.

So geschah es dann auch. Vier Tanks von jeweils 120 Hektoliter Fassungsvermögen beliefern nun mehrals 40 Bierleitungen die fünf Schänken des Hauses, die nun nach und nach in Betrieb genommen werden – anders geht es nicht, weil man “das berühmteste Wirtshaus der Welt” (Füracker) ja nicht einfach ein paar Tage lang schließen kann; nicht nur die Touristen aus allen Erdteilen würden sich schön bedanken.

Neben kürzeren Wegen und gespartem Wasser für die Reinigung der Leitungen haben die neuen Tanks aber noch einen weiteren Vorteil: Der bisherige Tankraum am Platzl könnte wieder zur Gassenschränke und zum Gastraum umgebaut werden, was er früher ja auch schon mal war. Darüber, so Möller, denke man derzeit intensiv nach. Ein bisschen dürfte das aber noch dauern, schließlich braucht es dafür ein längeres Genehmigungsverfahren.

In die Amtszeit von Finanzminister Albert Füracker dürfte das noch fallen. Bis dahin wird er sicher auch noch ein bisschen an seinen Fertigkeiten als Schankkellner arbeiten können. Denn die erste Mass aus der neuen Schankanlage war doch noch arg schaumig. Immerhin aber, auch das ein Vorteil gegenüber dem Holzfass: Ein Gepritschel ist aus dem Anzapfen nicht geworden.