Das "Sofa so good" wird von einem Verein betrieben. 35 Leute stehen im Wechsel hinter der Bar, vier von ihnen sind Sedric, Olivia, Jonas und Marietta. (Foto: Robert Haas)

Ein Ort, an dem München sich wie Heimat anfühlt

Das “Sofa so good” in Hadern ist eine Bar von Freunden für ihre Freunde, das merkt man. Nicht nur bei den günstigen Getränken unterscheidet sie sich von anderen Bars – aufs Angenehmste.

Der Name der Bar ist ernst zu nehmen. Das wird bereits klar, wenn man sich mit der U-Bahn auf den Weg macht. “Sofa so good” heißt die Bar, was natürlich an die Redewendung “so far, so good” erinnert. So weit, so gut, und weit kann es einem tatsächlich vorkommen bis nach Hadern , wo das “Sofa so good” liegt. Denen jedenfalls, die sonst kaum die Maxvorstadt verlassen, eher im Glockenbachviertel unterwegs sind oder vielleicht maximal auf ein Bier bis nach Giesing fahren.

Man steigt also an der Station Holzapfelkreuth an die Oberfläche, stellt fest, dass München hinterm Westpark nicht aufhört, läuft vorbei an Tankstelle, Discounter und “Tony’s Pizza”. So weit, so gut. Und dann findet man einen Ort, an dem sich München wie Heimat anfühlt.

Das “Sofa so good” ist ein Projekt von Freunden für ihre Freunde (und noch ein paar Leute mehr), und das spürt man. “Fühlt euch wie zuhause” steht an einer Tafel über den Getränkepreisen, in einer Ecke spielt eine Gruppe Karten, an einer Säule hängen Urlaubsfotos. Von der Decke baumelt ein altes Fahrrad, Radiogeräte aus den Fünfzigerjahren stehen dekorativ herum. Und natürlich sind auch mehrere Sofas da. Die Bar wird von einem Verein betrieben, um die 35 Leute wechseln sich ab hinter dem Tresen, ehrenamtlich. Das bedeutet keine Personalkosten, deswegen sind die Getränke günstig: 2,80 Euro kostet das Helle, 3,20 das Weißbier, außer donnerstags, da tauschen Helles und Weißbier die Preise. Gin Tonic gibt es für 5,60 Euro, und wechselnde Weine ab 3,80 Euro.

Das zieht Gäste aus Hadern an, aber nicht nur. Rund um einen Tisch steht eine Runde Mädels und Jungs, sie sehen aus wie Abiturienten. Vom Nachbartisch wehen Gesprächsfetzen herüber (“ich bin schon sehr zufrieden mit meinem Leben”), zwei Damen trinken ihren Rosé, sie könnten die Mütter der Abiturienten sein. Später wird man Männer sehen, die am Tresen eine Goaßmass trinken, obwohl die nicht auf der Karte steht, ein Pärchen wird hereinkommen, er Typ Jurastudent mit kernig gesunder Backenfarbe, sie mit Pelzkragen, und es wird immer voller und voller werden.

Genau das wollten die Betreiber schaffen, als sie mit der Bar anfingen: einen Ort, an dem sich alles mischt, ein gemütliches Wohnzimmer. “Auch meine Oma kommt manchmal” sagt Jonas Vanamali. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins “Haderner G’sellschaft”, der das “Sofa” betreibt. Im Mai feiert die Bar ihr dreijähriges Bestehen. Den Verein mit insgesamt 67 Mitgliedern gibt es länger, zum Teil kennen sie sich schon seit der Grundschule. Sie hatten schon Hoffeste organisiert und einen Flohmarkt, und dann, als nach mehreren Pächterwechseln das Lokal mal wieder leer stand, die Bar übernommen.

Wer abends hinter dem Tresen steht, hat meist bereits einen Arbeitstag hinter sich. “Schon hart” sei das, sagt Vanamali, aber dafür wechseln sie ja auch durch. Als nächstes steht der Schäfflertanz auf dem Programm, der Erlös soll gespendet werden. Für die Veranstaltung mit Livemusik und Schuhplattlern weichen sie aus, der Platz im “Sofa so good” reicht dann doch nicht aus, aber natürlich bleiben sie in Hadern.

Kleinere Konzerte gibt es in der Bar immer wieder, genauso wie Open Mic- und Bingo-Abende. Welche Musik an einem normalen Abend läuft, hängt davon ab, wer arbeitet. Atomic Kitten kann genauso dabei sein wie “Sunshine Reggae”, “Flugzeuge im Bauch” oder irgendwas von Shania Twain. “Solche Musik werde ich auf Ewigkeiten mit meiner Heimat Niederbayern verbinden”, ist da von einem Besucher zu hören, und dagegen hätten die Barbetreiber wahrscheinlich nichts einzuwenden.

Zu essen gibt es übrigens nichts im “Sofa”. Aber wer fragt, kann sich etwas vom Asiaten nebenan holen oder eben eine von Tonys Pizzen mitbringen, “überhaupt kein Problem”. So weit. So ziemlich gut.



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