Ein Ort für Fantasten

“Unser Essen soll sein wie im Urlaub am Strand”, sagt Betreiber Dino Klemencic. Auch sonst ist fürs Auge viel geboten. Von der eleganten Einrichtung bis hin zum Publikum.

Rocca Riviera! Man muss den Namen dieses Lokals nur laut aussprechen. Zwei “Rs” rollen da heran, das offene “Oh” knallt auf den kantigen Doppelkonsonanten in des ersten Wortes Mitte, und am Ende folgt ein lang sich ausbreitendes “Ah”. Wer darin nicht die Wellen erkennt, die sich über die steinige Küste der Ligurischen See ergießen, an Felsen brechen, um sich sinnlich und träge wieder über den Sand zurückziehen – der hat keine Fantasie.

Das Rocca Riviera ist aber ein herrlicher Ort für Fantasten. Für alle, die sich von München als Großstadt ein bisschen mehr erhoffen als Staus und Wohnungsmangel. Für alle, die hinaus aufs Meer wollen und noch ein bisschen höher hinaus in ihrer Existenz. Denn das Rocca ist schön. Und es hat an so mancher Stelle die Anmutung einer Yacht. Einer richtig großen. Im oberen Stockwerk hat die Einrichtung mit den ovalen Mahagoni-Tischen und den handverarbeiteten edlen Materialien die Eleganz eines privaten Kreuzfahrtschiffs.

Kapitän an Bord ist Dino Klemencic. “In dieses Restaurant haben wir wirklich viel Geld gesteckt”, sagt der Gastronom. Er meint damit sich und seinen Kollegen Ulrich Springer, mit dem er schon so erfolgreiche Gastro-Institutionen gegründet hat, wie das Koi, die Brasserie Oskar Maria und The Grill im Künstlerhaus. Auch wenn sich das “nie rechnen” werde, glaubt er, die Gestaltung, mit der das bekannte Architektur- und Design-Büro “Hildmann Wilke” diesen Ort veredelt hat, wird international wahrgenommen. Zeitschriften mieten das Rocca für Mode-Shootings, Blogger sind ganz verrückt nach dem Vintage-Look, der die Zwanziger- und die Fünfzigerjahre nicht nur modern variiert, sondern auch einige Originalstücke zu bieten hat.

Design-Aficionados fallen Details ins Auge wie das Epochen-anarchistisch zusammengestellte Silberbesteck. Da liegt dann die Art-Deco-Gabel neben dem Jugendstil-Löffel und dem Gründerzeit-Messer. Das passt hier prima. Schließlich sitzt man in einem denkmalgeschützten Gebäude, das all diese Zeiten schon gesehen hat. Zudem ist es nicht irgendeines, sondern Teil der Siemenszentrale am Wittelsbacher Platz. Das braucht Strahlkraft und Selbstbewusstsein. An den verschwenderisch großzügig verteilten Tischen des “Oberdecks” lassen sich ideal vertrauliche Gespräche führen. Zudem gibt es dort einen kleineren, lichten Salon, von dem man in den modernen Gebäudeteil von Siemens blicken kann.

Wer herabsteigt in die untere Etage des Rocca Riviera, der landet im Getümmel. Dort bleibt nichts verborgen, sichtlich zum Vergnügen der schönsten Frauen und schicksten Herren der Stadt. Eine Bartheke durchzieht den Raum. Dort steht von Donnerstag bis Samstag am späteren Abend ein DJ, der dafür sorgt, dass Gespräche noch lebhafter und die Laune der Gäste noch besser werden. Gegessen wird freilich auch im Rocca Riviera. Das kulinarische Konzept erklärt sich auch im Namen.

Viola und die Anti-Hugo-Kampagne

“Unser Essen soll sein wie im Urlaub am Strand”, sagt Klemencic. Vor allem also frisch, zuweilen opulent in der Optik, im Grunde aber simpel und oft geeignet, dass die Tischgesellschaft sich teilt, was serviert wird, sobald die Küche es eben fertig hat: Ein à la Minute geklopftes Carpaccio, eine gerade aus Italien angelieferte Burrata, jede Menge Seafood und oder ein Charolais-Rib-Eye. Alles, was die Küstenregion von Italien bis Frankreich zu bieten hat, ist zu haben, einschließlich der Einflüsse aus der Maghreb-Region von Humus bis Falafel. “Vollkommen verrückt sind die Leute aber nach unserer Trüffelpizza”, sagt Klemencic. Andere erfreuen sich vor allem an dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis der Weine.

Während vielerorts dem Gast mittlerweile Rotweine angedient werden, die erst zwei, drei Jahre alt sind, ist für Klemencic “Jahrgangstiefe” selbstverständlich. Für 70 bis 90 Euro sind Flaschen zu haben, die selbst das Niveau von Strandpartys wie man sie an der Riviera feiert, übersteigen. Fragt man Klemencic nach dem “Signature Drink” des Rocca, zwinkert er: “Sie wissen, wir führen hier eine Anti-Hugo-Kampagne.” Wenige Augenblicke später steht schon “Viola” vor einem. Die Schöne basiert auf Crémant Rosé, hat ein bisschen an Holunderlikör und Lavendel-Sirup genippt. Und sie schmeckt so mondän und leicht, dass von ihr noch lange keiner über die Reling kippt.

Weitere Infos unter www.sz.de/gourmet