Ein Pub, der auch in Sydney stehen könnte

Im Aussie-Pub The Keg in Schwabing gibt es viel Sport, viel Neunziger und eine große Auswahl an Craft-Bieren.

Wohl nirgends auf der Welt lässt sich so herrlich über das richtige Bier streiten, wie in München. Und wohl nirgends kann sich die Auswahl der richtigen Bar deswegen so schwer gestalten. Da steht man dann auf der Straße und überlegt: rechts in die Kneipe mit Augustiner, geradeaus zum Spaten aus dem Fass oder doch lieber zum Tegernseer Hellen?

Viel zu oft bleiben Bars auf eine Hausmarke beschränkt – und bei einer Gruppe Bierliebhaber ist mindestens einer nach der Kneipenwahl unzufrieden. Außer man findet einen Laden, der wirklich für jeden eine passende Sorte auf der Karte hat. Die Aussie-Bar The Keg ist so ein Fall.

Ein paar Schritte entfernt von der Leopoldstraße liegt die kleine Sportsbar in einem Schwabinger Keller. Man steigt die Stufen hinab und fühlt sich sofort wieder wie in einer Kneipe beim Backpacking in Down Under: Holzvertäfelte Wände, schummriges Licht und am Tresen und den Nachbartischen sitzen Australier, Briten und Amerikaner und essen ihren Burger mit Pommes. Dazwischen hört man immer mal wieder ein paar Sätze auf Deutsch.

Vieles erinnert an die Neunziger

Blickt man auf die Wände, wird schnell klar, wen die Bar ansprechen soll: Flachbildschirme hängen dort, auf denen eine Fußballübertragung ohne Ton läuft. Green Day , Nirvana oder die Sex Pistols spielen im Hintergrund. Vieles erinnert an die Neunziger, wie die Filmplakate von Pulp Fiction neben Bandpostern von den Ramones oder Kurt Cobain. Australien-Klischees wie Surfbretter oder diese gelben Vorsicht-Känguru-Schilder gibt es nicht. Alles soll so aussehen, als würde man in eine Sportsbar mitten in Sydney gehen.

Doch zurück zum Bierversprechen: Ein Blick in die Getränkekarte zeigt, dass man sich über ein begrenztes Angebot nicht groß Gedanken machen muss. Die Klassiker wie das Helle (Tegernseer, 0,5 für 3,50 Euro) sind schnell übersprungen. Der Wirt Harry Khanna hat sich aus verschiedenen Ländern bedient und alles mit aufgenommen, was nur irgendwie zu einem Aussie-Pub passen könnte: Zum Beispiel den Snakebite, worunter man hier eine Mischung aus Hellem, Cider und Cassis versteht, und der einem zumindest im Schwabinger Keller wie ein australisches Radler vorkommt.

Dazu wird irisches Guinness vom Fass serviert, Leffe Blonde aus Belgien und eine für Münchner Verhältnisse große Auswahl an Craft-Bieren: Etwa ein britisches Meantime Chocolate Porter (0,33 für 4,10 Euro), das tatsächlich nach sehr dunkler Schokolade schmeckt, oder ein Indian Pale Ale vom Tölzer Mühlfeldbräu (0,33 für 3 Euro). Nur eine Marke wollte der Wirt bei all der Auswahl nicht mit in sein Sortiment aufnehmen: das Foster’s – auch wenn das ursprünglich aus Australien kommt. Da sei ihm einfach der Geschmack zu lasch, sagt er.