Ein Traum aus Schokolade

Kleine, aber feine Karte: Das La Bouche liefert beste französische Küche in familiärer Atmosphäre. Das Beste kommt zum Schluss.

Schon der Name ist ein Genuss: La Bouche. Das klingt wunderschön und ist zugleich so einfach, denn nichts scheint passender als ein Restaurant “Der Mund” zu nennen. Gerade im Glockenbachviertel versuchen in letzter Zeit viele Restaurants und Kneipen mit mysteriösen Namen wie cooperativa, Anti, Hoover & Floyd oder Hey Luigi auf sich aufmerksam zu machen. La Bouche – das ist französisch, einfach, ungekünstelt und sympathisch.

Seit 2002 betreibt Claudia Lahm das kleine Restaurant. Die 47-Jährige steht selbst gemeinsam mit einem französischen Koch in der Küche und setzt auf eine kleine, aber feine Speisekarte: Zwei blütenweiße Blätter Papier sind an einem Klemmbrett festgemacht. Als Vorspeisen locken Datteln im Speckmantel (3,50 Euro) sowie wunderbar frische Austern (4,50 Euro). Wunderbar schmeckte auch die klare Fischsuppe mit Fischfilets, Garnelen und Meeresfrüchteravioli (5,50 Euro), die in einer weißen, viereckigen Schale serviert wurde.

Am Nachbartisch genießt ein Paar ein hauchdünnes Vitello Tonnato (9,50 Euro) sowie eine Kartoffelsuppe. Man muss sich keineswegs den Kopf verrenken, um die anderen Speisen zu beobachten: Die Tische stehen gerade im Eingangsbereich wie in einem Pariser Bistro dicht an dicht, doch dies stört keineswegs.

Allerdings sollte man auf jeden Fall reservieren, denn das La Bouche hat längst seine treue Fangemeinde: An diesem Donnerstagabend müssen mehrere Gäste mit einem freundlichen Lächeln abgewiesen werden. Aus den Lautsprechern klingt leise Popmusik (nicht von Carla Bruni), an den Wänden hängen große Schwarz-Weiß-Fotografien und von den Decken hängen kleine Kronleuchter.

Einst ein Milchladen

Die heimelige Atmosphäre kommt nicht von ungefähr, denn früher befand sich im Erdgeschoss der Jahnstraße 30 ein Milchladen samt angeschlossener Wohnung für die Besitzer. Später war dort ein Delikatessengeschäft mit angrenzenden Stehbereich untergebracht – Claudia Lahm wandelte es in ein Restaurant um.

Nun ist das frühere Wohnzimmer die Gaststube und im ehemaligen Laden steht eine alte Bar sowie sieben Zweiertische. Vom Flur aus kann man in den Weinkeller linsen – das Team gibt gerne kompetente Ratschläge, doch auch auf die Empfehlung des Monats (bei unserem Besuch ein Sauvignon blanc aus der Südsteiermark) kann man sich verlassen.

Trotz der verlockenden Pasta- und Risotto-Angebote (Spaghetti mit Flusskrebsschwänzen für 12,50 Euro oder Risotto mit gegrillten Jakobsmuscheln 13 Euro) entschieden wir uns für Fleisch – und sollten dies nicht bereuen. Das zarte Fleisch des geschmorten Kaninchenschenkels ließ sich ganz leicht lösen und schmeckte herrlich würzig, dazu gab es Safrantagliatelle und eine würzige Olivensauce (16,50 Euro).

Der saftige Coq au Vin vom Schwarzfederhuhn wurde mit Muskatkürbis-Ravioli und Feldsalat serviert (16,50 Euro). Äußerst gelungen auch das zarte Rindfleisch “Boeuf La Bouche” mit Maronen-Ravioli (15,50 Euro). Am Nachbartisch bejubelte man den in der Folie gegarten Loup de Mer – den werden wir das nächste Mal probieren.

Günstige Mittagsangebote

Wer in der Nähe arbeitet oder eine Shoppingpause benötigt, dem sei das Mittagsmenü empfohlen: Leckere Pasta mit täglich wechselnden Saucen zu einem günstigen Preis zwischen 6 und 8 Euro.

Die Desserts stehen auf einer kleinen Extrakarte und sind ebenso überschaubar wie lecker: Die fabelhafte Creme brulée (4 Euro) hätte auch Amélie verzaubert, ebenso wie die zweierlei Mousse au chocolat. Der unerreichte Volltreffer unter den Desserts ist jedoch der Fondant au chocolat, den die ebenso flinke wie freundliche Kellnerin so beschrieb: “Ein Schokokuchen mit flüssiger Schokoladefüllung, sehr lecker.”

Sie hatte recht und die Kollegen blicken noch immer verzückt, wenn sie das Wort “fondant” auch nur hören. Die Schokolade zerfließt im Mund – die Franzosen würden sagen: “Le chocolat fond dans la bouche”.



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