Ein zweites Wohnzimmer mitten in der Stadt

Die Weinbar Griabig gegenüber dem Hofbräuhaus punktet mit unkomplizierter Atmosphäre und dezenter Beratung.

München wächst, es wird eng, die Bewohner werden künftig mit weniger Platz auskommen müssen. Es kann also nicht schaden, irgendwo in der Stadt ein Zweitwohnzimmer zu haben, für den Fall, dass einem in den eigenen vier Wänden die Decke auf den Kopf fällt. Und das Zeug zum Zweitwohnzimmer, so lobt eine Besucherin im Internet, das habe die Weinbar Griabig. Das ist doch mal ein Kompliment.

Mitten in der Stadt befindet sich dieses Zweitwohnzimmer, Bräuhausstraße, auf der anderen Straßenseite liegt das Hofbräuhaus. Im Sommer könnte man mit seinem Weinglas schön draußen sitzen, aber, so informiert der Chef bedauernd, dafür hat er keine Erlaubnis. Schaut man sich also drinnen um. “Keine überteuerten Preise, kein Knigge, kein Schnickschnack”, damit wirbt die neue Weinbar im Internet.

Volle Zustimmung bei den letzten beiden Punkten: Die Atmosphäre ist angenehm locker, man muss kein Weinexperte sein, um ernst genommen zu werden, der Sommelier und Barchef Holger Baier berät einfach unaufdringlich und sehr freundlich. Und die Preise? Nur ein Grüner Veltliner bleibt bei sechs Euro pro 0,2-Liter-Glas. Ansonsten bewegen sich die offenen Weine um die vier Euro pro 0,1 Liter. Ein Helles kostet 3,50 Euro, ein Grantler-Spritz (Weißwein, Kräuterlimo, Soda) 5,50 Euro.

Die Räume sind mit viel Holz und Liebe zum Detail gestaltet, das Griabig strahlt, wie der Name sagt, Gemütlichkeit aus. Die Atmosphäre: irgendwo zwischen Weinstube, Hipsterbar und Wirtshaus. Jede Wand ist anders, eine ist weiß gestrichen, eine dunkelgrün, eine im Unverputzt-Look gehalten. Man sitzt auf Barhockern, an einem Biertisch oder auf einer Bank am Fenster. In einer Ecke hängt ein großes Jesuskreuz, was nicht daran liegt, dass die CSU die Räume vermietet, sondern dass das Kreuz beim Vorgänger schon so lange hing, “dass man es einfach nicht mehr abnehmen konnte”, wie der Barchef erklärt.

Es gibt dann noch einen dritten, holzgetäfelten Raum, von da aus kann man direkt in die Küche gucken, wo Bernd Arold das Sagen hat, der direkt nebenan auch das Lokal Gesellschaftsraum betreibt. Im Griabig weist die Essenskarte hauptsächlich kreative Brotzeitvariationen wie Schweinsbratensalat auf. “Annas Schlutzkrapfen mit Birne, Blauschimmel und Rucola” schmecken lecker, aber die Portion – sechs Ravioli – ist für den Preis von 14,50 Euro dann doch sehr übersichtlich.



Das könnte Sie auch interessieren