Eine Bar voller Geschichten

Recycling im besten Sinn: Die Hocker sind zusammengesammelt, der Tresen selbstgebaut – aber die Drinks sind frisch und einmalig in der Bar Garçon.

Wenn eine neue Bar in München eröffnet, dann hat sie häufig ein ausgeklügeltes Konzept, eine aufwendige Essenskarte oder sich zumindest ein Motto gesetzt. Da ist es erfrischend, wenn man eine neue Bar betritt, in der man ohne Umwege an einen anständigen Tresen gelangt, an dem man sich auf die Getränke und die Menschen konzentrieren kann. Ohne Firlefanz, ohne Getue und trotzdem in herzlicher Atmosphäre.

Zwischen Gärtnerplatz und Viktualienmarkt hat Mitte April die Bar Garçon eröffnet. Ein schlichter Raum, in dem aber jedes Detail gut durchdacht ist. Und in dem der Gründer und Betreiber der Bar, Mario Messig, auch so ziemlich alles selbst gemacht hat. Das Regal hinter dem Tresen, in dem Whisky, Mezcal, Rum und Konsorten stehen, hat er aus Holzbrettern gezimmert, die früher einmal die Schubladen eines Schrankes gewesen waren.

Wenn der 26-jährige Messig erzählt, wie er seine Bar entwickelt hat, wie Garçon entstanden ist, dann bekommt wirklich alles, von der Musikanlage aus den Achtzigerjahren bis zur Tapete, die ein Freund nach Dreharbeiten von einem Film übrig hatte, eine eigene Geschichte.

Gute Ideen fürs Recycling

Der Tresen – wie es sich gehört: der Mittelpunkt der Bar – besteht aus einer Marmorplatte, die ihm ein Kumpel überlassen hat. Getragen wird sie von Brettern, an denen einmal in einem Sportgeschäft Schuhe präsentiert wurden. Man kann ihre Vergangenheit noch an den Löchern in den Platten erkennen. Im breiten Fenster hat der junge Barbetreiber eine Kissenecke mit Sitzheizung eingebaut, in der man nicht nur das Treiben in der engen Utzschneiderstraße beobachten, sondern auch durch das hohe Fenster bis hinauf in den Himmel blicken kann.

Bis auf die Sitzecke und zwei Sessel verbringt man den Abend vor allem auf Barhockern, die sich Messig gebraucht im Internet zusammengesammelt hat. Dabei sieht im Garçon trotzdem nichts aus wie eine bunt zusammengewürfelte Flohmarkt-Ausstattung.

Messig kommt ursprünglich aus dem Erzgebirge, hat Architektur in München studiert. Doch als er sein Studium beendet hatte, wurde ihm klar, dass ein Alltag im Büro für ihn nicht optimal ist. Dass er lieber seinen eigenen Laden aufmachen möchte. Bar-Erfahrung hatte er schon genug gesammelt bei einem Job während des Studiums, und so machte er sich auf die Suche und fand schließlich den Raum an der Utzschneiderstraße, in dem zuvor schon über viele Jahre eine Kneipe gewesen war.

Gerührt, nicht geschüttelt

Eigentlich wollte Messig die Bar Montreal nennen, nach der Heimatstadt seiner Freundin. Doch dann fanden die beiden, dass Garçon einfach besser klingt. Eine Spezialität ist der Mezcal Manhatten (zehn Euro) mit Mezcal, Rotem Wermut, Averna, Angostura Bitter – das Ganze natürlich gerührt und nicht geschüttelt, wie alle Drinks im Garçon.

Bier gibt es aus der Mittenwalder Privatbrauerei, Helles oder Pils 3,50 Euro (0,33 Liter) und Apfelschorle (0,3 Liter) für 2,80 Euro. Wer Hunger hat, muss allerdings vor dem Besuch der Bar essen. Immerhin: Zu knabbern gibt es zumindest eingelegte Oliven, in Balsamico-Essig marinierte Cashews und gesalzene Mandeln.