Eine Bar zwischen Reizüberflutung und Ruheoase

Cocktails in Porzellan-Kokosnüssen und Neonkunst auf Backstein: Die Betreiber des Café Bangkok holten sich ihre Ideen direkt aus Thailand nach Schwabing.

Yes to all, ja zu allem, leuchtet es dem Besucher entgegen, der die Treppenstufen hinunter, hinein ins Café Bangkok tritt. Hier unten, in dem neuen Reich von Konstantin Irnsperger, Stephan Friesinger und Alexander Protz ist das wörtlich zu nehmen. Was genau hier unten passiert, das soll immer eine Überraschung sein. Eine begrüßenswerte.

Das Café Bangkok hat sein Lager in einem ehemals legendären Schwabinger Ort aufgeschlagen. Gefühlt seit der Kreidezeit oder schon länger residierte in dem Keller an der Leopoldstraße das “Lardy”, das seine besten Zeiten schon länger hinter sich gelassen hatte. Außer dem charakteristischen Backsteingewölbe ist davon wenig geblieben.

“Wir wollten uns abheben von anderen Lokalen auf der Leopoldstraße, etwas ganz neues, eigenes machen”, sagt Irnsperger. Er ist an der Girls Bar am Gärtnerplatz beteiligt, betreibt das Vorhölzer in der Technischen Universität, die Gaststätte Hohenwart in Giesing und gemeinsam mit Alexander Protz die Bar Frauen 26 in der Frauenstraße. Stephan Friesinger war Betriebsleiter im Heart und den dazugehörigen Lokalen und hatte Lust auf etwas Eigenes. Bangkok, das fand das Dreiergespann, die Schlüssel zum neuen Laden in der Hand, wäre eine spannende Idee. Nur war keiner von ihnen jemals da gewesen.

Recherchereise für Protz und Friesinger. Es konnte schließlich niemand ahnen, dass der König stirbt und Staatstrauer ausgerufen wird , kaum dass ihr Flieger thailändischen Boden berührt. Sie schafften es trotzdem, ein paar Bars zu besuchen und sich einen Eindruck zu verschaffen. Eine Spur ruhiger eben. “Ich fand es ganz schön anstrengend”, sagt Friesinger. “Bangkok ist die absolute Reizüberflutung.” Tausend schillernde Facetten. Und genau das, die Gegensätze, das soll nun der Neuzugang auf der Leopoldstraße ausstrahlen.

Neonkunst am Backsteingewölbe, die Bar und ein Stehbereich, gemütlichere Sitzecken – und die Perle des Café Bangkok, ein in einen Gewölbegang gezimmerter Loungebereich. Schweres Holz, dunkelrot bepolstert. In die Sitznischen kann sich zurückziehen, wer es ruhiger und gemütlicher haben möchte oder etwas privater sein will, während im vorderen Bereich der DJ langsam, aber sicher die Regler hochdreht und die Gäste zu vorgerückter Stunde zum Tanzen bringt. Alles ist erlaubt auf den Plattentellern. “Yes to all”, aber ohne Charts und mit Geschmack.

Für die Drinks ist Stephan Friesinger verantwortlich. An der Karte wird noch geschraubt, das Café Bangkok hat noch nicht einmal einen Monat lang offen. Die Cocktails kommen in Porzellangefäßen, die wie eine Kokosnuss oder Ananas geformt sind, haben klingende Namen wie Geisha (Wodka, Lychee Likör, Zitronensaft, Maracujasaft und Himbeersirup) oder Sake Smash (Sake, Limettensaft, Ingwersirup, Minze) und kosten jeweils 10,50 Euro.

Das Bier kommt von der Ayinger Brauerei (0,3 Liter Helles für 3,50 Euro), und es gibt eine kleine, fein ausgewählte Weinkarte mit Schwerpunkt Deutschland, Österreich, Südtirol, “wer unter der Woche Lust hat, sich eine gute Flasche Wein zu teilen, soll bei uns auch auf seine Kosten kommen”, sagt Irnsperger. Das Publikum sind eher nicht Fans vom Teenieklassiker Crash ums Eck, sondern war wahrscheinlicher vorher in der Helene an der Münchner Freiheit essen. 25, 30 Jahre aufwärts. “Ich bin 41, ich will mich wohlfühlen zwischen meinen Gästen”, sagt Friesinger.

Bisher lässt sich die Leopoldstraße als Standort gut an. “Wir haben uns richtig darauf gefreut, hier zu eröffnen”, sagt Konstantin Irnsperger, “wir glauben daran, dass Schwabing und die Leopoldstraße wieder im Kommen sind.” Es braucht dafür nur Ausgehfreudige, die etwas Abwechslung wollen. Und “Yes to all” sagen.



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