Claus Schunk

Eine bayerische Wirtschaft, die Heimatgefühle auslöst

Das Gasthaus zur Mühle in Beuerberg vereint viele gute Eigenschaften eines bayerischen Wirtshauses in sich. Besonders gut gelingen die traditionellen Gerichte.

So richtig werbetauglich ist es nicht, das sperrige Wort “Heimatwirtschaften”, das sich Ministerpräsident Markus Söder zur Rettung bayerischer Gasthäuser ausgedacht und mit einem Wettbewerb gefeiert hat. Der Titel “Heimatwirtschaft” als Gütezeichen? Rennen Gäste nun jenen die Türen ein, die sich eine Urkunde mit Söders Konterfei an die Wand hängen dürfen? Aber vermutlich wurde der Begriff nur gewählt, weil er so hübsch zu “Heimatministerium” passt, Corporate Identity in Wahlkampfzeiten sozusagen.

Das Gasthaus zur Mühle in Beuerberg schaut nicht so aus, als sei man auf dergleichen Titel angewiesen. Direkt an der Loisach liegt das Wirtshaus, dort, wo das Wasser angestaut wird, nicht mehr für eine Mühle, sondern für ein kleines, privates Kraftwerk. Wasser, Wiesen, Bäume und direkt darüber auf der steilen Anhöhe das Kloster: Einen schönen Platz hat das vermutlich 1832 gebaute Gasthaus, das seit 111 Jahren der Familie Urban gehört. Sie hat das denkmalgeschützte Haus erweitert und mit viel hellem Holz renoviert, auch ein kleines Hotel ist entstanden.

2010 übernahm die vierte Generation die Wirtschaft, und Katharina und Manfred Urban sind beim Familienkonzept geblieben. Einheimische und Ausflügler, Kartler und Vereine, vor allem die Schützen, treffen sich in der Mühle, in der Gaststube mit Rehgewichteln an den Wänden zeigen Fotos auch etliche der Urbans als dekorierte Schützen. Auf der Speisenkarte stehen nur Namen und Zutaten der Gerichte, neckische Sprachschöpfungen hat die Mühle nicht nötig. Seit 100 Jahren wird Löwenbräu ausgeschenkt (die Halbe Helles 3,00 Euro). Die offenen Weine waren anständig, ob Riesling, Grüner Veltliner oder Merlot (der Viertelliter 3,70 bis 3,90 Euro).

Bodenständig wird in der Mühle gekocht, am Herd steht der Wirt Manfred Urban. Er hat im Gasthaus Limm in Münsing gearbeitet und weiß, wie man auch einfachen Gerichten den richtigen Dreh gibt. Die Brotsuppe mit Zwiebeln und Bratwurstradeln in intensiver Brühe hätte nicht besser gelingen können (3,80 Euro); oder der Rindfleischsalat mit zartem Fleisch, Essiggurken, roten Zwiebeln und Paprika, alles feinsäuerlich angemacht, er schmeckte perfekt (7,80 Euro). Die Speisenkarten sind klein und wechseln häufig, selbst die Standardkarte.

Am Donnerstag ist in der Mühle Schnitzeltag, eine wahrhaft altväterliche Portion kostet dann 7,50 Euro. Fünf, sechs Schnitzel werden angeboten, und das Flößerschnitzel mit gerösteten Champignons, Zwiebeln und Speck war zart und schön gebraten. Das Schweineschnitzel Wiener Art, zwei große Stücke, kam mit knuspriger Panade aus der Pfanne, von den reschen Pommes frites naschten alle am Tisch.

Zutaten aus der Region

Das Wiener Schnitzel vom Kalb, drei kräftige Scheiben, stand an einem Sonntag auf der Karte und es war ohne jeden Tadel. Gute, in grobe Würfel geschnittene Bratkartoffeln gab es dazu und einen schön sorgfältig angemachten gemischten Salat (14,80 Euro). Zutaten möglichst aus der Region versprechen die Urbans sowie Lamm aus eigener Zucht. Die roten Lammbratwürste mit einem milden feinen Sauerkraut sahen zwar fad aus, schmeckten aber leicht scharf und köstlich (7,50 Euro).

Wir glauben den Wirtsleuten übrigens fast alles, weil sie außergewöhnlich ehrlich sind. Welche Wirte schreiben schon in ihre Speisenkarte, dass sie gesetzlich zugelassene Geschmacksverstärker verwenden? Wir fragten eine der immer freundlichen, immer schnellen Bedienungen danach. Sie lief sofort in die Küche und kehrte mit der Botschaft zurück, dass der einzige Geschmacksverstärker, den man verwende, Suppenwürze sei. Mag sein, dass die Spargelcreme-Suppe etwas davon abbekommen hatte, was sie nicht besser machte (3,80 Euro). Die Kalbsbrust mit lockerer Fülle und hausgemachten Spätzle aber oder den zarten Zwiebelrostbraten umgab nichts als leichter Bratensaft (11,80 und 16,80 Euro).

Ein wenig ins Schleudern kam die Küche allerdings doch hin und wieder. So gab es am Rehgulasch nichts zu meckern, das Blaukraut schmeckte aber so, als sei es von Weihnachten übrig geblieben, der Semmelknödel war batzig (13,80 Euro). Er war auch batzig als Geröstel mit Reherln, Ei und Speck, ein Berg grob geschnittener, grauer Knödel, der nicht sehr zierlich ausschaute und sofort pappsatt machte (7,80 Euro).

Die Mehlspeisen sind erstklassig

Die faden Filets von Saibling, Zander und Rotbarsch lagen auf einem Salatbett, das sie heftig kühlte (13,80 Euro). Auch Vegetarier hatten wenig Glück, jedenfalls nicht mit den gegrillten Zucchini, gefüllt mit Schafskäse: Matschige Zucchini-Scheiben waren wie eine Doppeldecker-Stulle mit kaltem Frischkäse beschmiert (8,80 Euro).

Nun hat jeder Koch mal nicht so gute Momente. Apfelküchel und Kaiserschmarrn (4,50 und 7,50 Euro) rückten alles wieder ins Gleichgewicht. Im Gasthaus am Ufer der Loisach zu sitzen und feinen Kaiserschmarrn zu löffeln, hat schon viel mit heimatlichen Gefühlen zu tun und nichts mit dem politischen Werbewort Heimat.